VonLaura Hindelangschließen
Statt den Job ausführlich zu beschreiben, bestehen viele Stellenanzeigen aus leeren Worthülsen. Manche dieser Floskeln schrecken Bewerber sofort ab.
In Zeiten des Fachkräftemangels sind neue Mitarbeiter hart umkämpft. Doch statt mit Viertagewoche oder Homeoffice locken nach wie vor zahlreiche Unternehmen mit dem längst verschrienen Obstkorb. Allzu oft ähneln sich die Stellenanzeigen: Sie bestehen aus einer Aneinanderreihung von vagen Worthülsen oder Anglizismen, die ein Unternehmen wohl cool und hip wirken lassen soll – in der Realität aber viele Bewerber vergraulen. Das zeigen neue Daten, die die E-Learning-Plattform „Preply“ erhoben hat. Anhand einer Befragung unter 1.000 deutschen Büroangestellten hat die Plattform untersucht, wie sich die Wortwahl in Stellenanzeigen auf die Wahrnehmung eines Unternehmens auswirkt.
Stellenanzeigen, die Bewerber abschrecken
Dabei kam heraus, dass Firmen, die mit nervigen Floskeln werben, bei der Mehrheit der Befragten (66 Prozent) einen negativen Eindruck hinterlassen. In der Gruppe der 16-24-Jährigen waren es sogar 71 Prozent, die sich die von Standard-Formulierungen abschrecken lassen.
Die drei Ausdrücke, die am meisten Interessenten vergraulen, lauten
- „Work hard, play hard“: Diese Phrase halten 32 Prozent für überstrapaziert. Besonders bei der Altersgruppe der 45-54-Jährigen kommt der Ausdruck schlecht an: 48 Prozent finden den Begriff störend.
- „Alleskönner“: Unternehmen wünschen sich Multitalente, die sie flexibel einsetzen können. 26 Prozent halten davon eher nichts.
- „Jenseits der 9-5 Mentalität“: Was nach Flexibilität klingen soll, meint in der Realität oft Überstunden und Wochenend-Schichten. 25 Prozent der Studienteilnehmer empfinden den Begriff als negativ.
Ebenfalls als störend bewerteten die Befragten folgende Floskeln:
- „Stressresistent“ (24 Prozent)
- „Fähigkeit, unter Druck zu arbeiten“ (23 Prozent)
- „Obstkorb“ (22 Prozent)
- „Aus deiner Komfortzone“ (21 Prozent)
- „Echte Anpacker“ (21 Prozent)
- „Karrieremacher“ (21 Prozent)
- „Multitasking“ (19 Prozent)
- „Tolles Team“ (18 Prozent)
- „Hands-on Mentalität“ (18 Prozent)
Mit Job-Beschreibungen, die sich solcher Ausdrücke bedienen, können Bewerber wenig anfangen. Stattdessen wünschen sie sich mehr Klarheit, wie eine Befragung des Job-Portals “Meinestadt.de” vergangenes Jahr zeigte. Von 3.000 Erwerbstätigen gaben 58,2 Prozent an, dass ihnen die Aufzählung der Arbeitsinhalte besonders wichtig sei. 50,2 Prozent hätten gerne Informationen zur Sicherheit des angebotenen Jobs und 49 Prozent wollen wissen, wie hoch das Gehalt ist.
Anglizismen in Stellenanzeigen hinterlassen Fragezeichen
Worthülsen wie das „dynamische Arbeitsumfeld“, das laut den Auswertungen von „Meinestadt.de“ und „Preply“ besonders häufig in Stellenanzeigen erwähnt wird, lassen Platz für Interpretationen. Ob damit die Möglichkeit zum Homeoffice gemeint ist oder die Tatsache, dass die Mitarbeiter im Wochentakt kündigen, wird oft erst dann deutlich, wenn man selbst Teil des Unternehmens ist.
Ebenfalls für Fragezeichen sorgen Begriffe, die aus dem Englischen stammen. Vor allem den älteren Generationen sind viele Anglizismen nicht geläufig, was dazu führt, dass sie Stellenanzeige nicht verstand wird oder falsche Erwartungen weckt. Mit der „Hands-on Mentalität“ ist eine Person gemeint, die Initiative zeigt und sofort handelt. Jedoch kennen 25 Prozent der von „Preply“ Befragten den Begriff nicht, bei den Altersgruppen ab 45 Jahren sind es sogar ein Drittel.
Die richtige Wortwahl erleichtert Job- und Mitarbeitersuche
Mit einem Arbeitsleben „jenseits der 9-5 Mentalität“ können 22 Prozent nichts anfangen. Der 9-5 Arbeitsrhythmus ist eine Erfindung US-amerikanischer Gewerkschaften und stammt in seinen Grundzügen aus dem 19. Jahrhundert. Heutzutage wird damit oft der eintönige Arbeitsalltag beschrieben. Was sich jenseits davon befindet, liegt wohl im Ermessen jedes einzelnen Unternehmens.
Gut gewählte Worte, die den Kern des Jobangebots treffen, können potenzielle Bewerber für eine bestimmte Stelle und das Unternehmen begeistern. „Sie vermitteln einen ersten Eindruck von der Kultur und den Werten, die das Unternehmen verkörpert“, sagt Sylvia Johnson, Sprachexpertin bei „Preply“. Worte wie „Entwicklung“, „Karriereentwicklung“ und „Lernen“ könnten beispielsweise Mitarbeiter anziehen, die nach Wachstumsmöglichkeiten innerhalb eines Unternehmens suchen.
Die Übermacht nerviger Floskeln hingegen macht es für die Bewerber beinahe unmöglich, eine realistische Vorstellung von der Arbeit zu bekommen. Und auch den Unternehmen erschweren die abschreckenden Standard-Ausdrücke die Suche nach den Mitarbeitern. Firmen dürften sich also ruhig mehr Mühe geben und ihre Job-Angebote klarer und individueller formulieren.
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