VonFranziska Kaindlschließen
Haben Sie den Eindruck, weniger Energie für die Arbeit zu haben, als noch vor drei Jahren? Wenn ja, dann stehen Sie laut einer Umfrage nicht alleine da.
In den vergangenen Jahren folgte eine Krise auf die andere: Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Inflation und jetzt das Haushaltsloch der Bundesregierung, das gestopft werden muss. Den deutschen Arbeitnehmern scheint das langsam zu viel zu werden, wie eine repräsentative Umfrage des Pinktum Institute in Hamburg unter der erwerbstätigen Bevölkerung ergeben hat. Demnach gab rund die Hälfte der Befragten (49,4 Prozent) an, in den vergangenen drei Jahren deutlich an Kraft verloren zu haben.
Weltgeschehen und Politik wirkt sich auf Energie der Beschäftigten aus
Zu den Krafträubern gehört den Befragten zufolge die Vielzahl der Krisen (43,2 Prozent). Getoppt wird das aber noch durch die Unzufriedenheit mit der Politik in Deutschland (45,8 Prozent). „Wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Sorgen und Ängste belasten die Menschen in ähnlichem Ausmaß, aber offenbar zermürbt es sie besonders, dass die Politik keine adäquaten Antworten auf die Probleme hat“, sagt Umfrageleiter Dr. Wolf-Bertram von Bismarck zu den Ergebnissen.
Unterschiede zeigen sich teilweise an der Position, die Beschäftigte im Unternehmen einnehmen. So geben 77 Prozent der Führungskräfte an, genug Energie für die Arbeit zu haben – bei den Beschäftigten ohne Führungsposition sind es nur 62 Prozent. Das heißt, im Durchschnitt ist jeder dritte Angestellte der Meinung, nicht ausreichend Kraft für die Arbeit zu haben.
Zu wenig Wertschätzung belastet Mitarbeiter
Auf die Frage, was ihnen bei der Arbeit am meisten die Kraft raube, stimmten mit 34,7 Prozent die meisten Befragten für mangelnde Anerkennung und Wertschätzung ab. „Dass die Menschen so wenig Anerkennung spüren, ist ein erschreckendes Ergebnis, aber leider gerade in angespannten Zeiten häufiger zu beobachten. Die gute Nachricht ist, dass Führungskräfte hier schnell und gezielt gegensteuern können“, sagt Bismarck dazu. Fast genauso belastend finden Beschäftigte die Arbeitsbelastung und den Druck (33, 7 Prozent). Weitere Faktoren, die für zunehmende Erschöpfung sorgen, sind eine schlechte Information und Kommunikation (31,2 Prozent) und eine schlechte Führung (31 Prozent).
Mehr Entfaltungsmöglichkeiten in der Arbeit wichtiger als Gehalt
Um wieder mehr Energie für die Arbeit aufbringen zu können, wünschen sich Beschäftigte laut der Umfrage „flexible Arbeitszeiten“ (46 Prozent), „sinnvolle Tätigkeiten“ (44 Prozent) und „mehr Weiterbildung und Entwicklungsmöglichkeiten“ (44 Prozent). Der Wunsch nach einem höheren Gehalt landet mit 36 Prozent überraschenderweise auf dem letzten Platz der Dinge, die wieder für mehr Elan am Arbeitsplatz sorgen würden.
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