VonDaniel Michelschließen
FC Augsburg und Sandro Wagner: Der Coach fällt durch flotte Sprüche auf. Sportlich läuft es allerdings nicht rund. Wann gibt es die Trendwende?
Augsburg – Die Verpflichtung von Sandro Wagner war mit großen Erwartungen beim FC Augsburg verbunden. Medial hat Wagner die Hoffnungen erfüllt. Der 37-Jährige bringt flotte Sprüche, provoziert und coacht sehr aktiv vor der Trainerbank. Wagner als Attraktion hat eine überregionale Präsenz des FC Augsburg in der Öffentlichkeit erwirkt. Der junge Coach lässt den FCA in hellem Licht erscheinen.
Geht es aber um das Sportliche, wird es ganz dunkel. Der Auftaktsieg beim SC Freiburg war noch von Glück und Effizienz geprägt (3:1), gegen Bayern München stand es aber zwischenzeitlich schon 0:3 (Endstand: 2:3), auf St. Pauli (1:2) gab es dann kaum strukturiert herausgespielte Offensiv-Aktionen und beim 1:4 gegen Mainz 04 klappte nichts mehr.
Fans pfeifen Mannschaft des FC Augsburg aus
Die Fans pfiffen zur Halbzeit (0:2). Im zweiten Durchgang war die Wagner-Truppe sogar in Überzahl, bekam allerdings noch zwei Treffer von Mainz eingeschenkt. So lautet die ernüchternde Bilanz: Mit drei Punkten ist Augsburg Tabellen-16. der Bundesliga, die zehn Gegentore übertrifft nur Union Berlin (elf).
Es gilt als unbestritten, dass Sandro Wagner ein Fußball-Fachmann ist. Dabei geht es nicht nur um seine Spieler-Karriere und seine Vergangenheit beim FC Bayern, sondern auch um seine starken Analysen als Experte beim ZDF und bei DAZN. Auch hat er als Coach die Spielvereinigung Unterhaching via Playoffs in die 3. Liga zurückgeführt und war als Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft ein bedeutender Faktor.
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Doch mit seiner neuen Aufgabe in Augsburg, seiner ersten Station als Bundesliga-Coach, fremdelt Wagner noch. Womöglich überfrachtet Wagner die Spieler emotional wie taktisch, womöglich ist die gestiegene Medienpräsenz ein Druckfaktor für alle Beteiligten. Auch verhält sich Wagner auf der Trainerbank noch eher wie ein Spieler auf dem Platz, was nicht positiv gemeint ist.
Zum Bumerang wird nun vor allem seine Aussage, beim FC Augsburg sei keiner qualitativ schlechter als beim FC Bayern. Wagner ruderte zwar später zurück, doch Ex-Bayern-Star Mario Basler sagte im Doppelpass von Sport1 nun, Wagner übertreibe auf allen Ebenen und wirke in seiner Außendarstellung „überheblich“ und „arrogant“.
Zudem stellte der ehemalige FC-Bayern-Star in den Raum, dass Augsburg und Wagner nicht zwingend noch eine lange Zeit zusammenarbeiten müssen: „Ich weiß nicht, ob der FC Augsburg das eine ganze Saison durchhält und auch aushält mit dem Trainer.“ Basler stellt also bereits auf Sicht die Trainerfrage. Sein Ratschlag: „Er muss er muss sich hinten anstellen und nicht ganz oben anfangen.“
Ein defensiveres Auftreten würde Wagner zumindest in den kommenden Wochen nicht schaden, denn es gilt erst einmal, den Klub vom Abstiegskampf fernzuhalten. Das scheint sportlich ein weiter Weg zu sein und war nicht der Plan der Klubführung, die davon träumt, mit dem FCA bald europäisch zu spielen. Sandro Wagner bewegt sich jedenfalls auf einem schmalen Grat zwischen Emotionalisierung des Klubs und sportlichem Erfolg, der nicht zu kurz kommen darf.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Grant Hubbs

