- VonLars Reckermannschließen
Drinnen Vorträge im Kulturbahnhof zum Thema "Mittelstand in Gefahr". Draußen protestieren 350 Menschen.
Aalen. Die Einladung zum Europatag der Alternative für Deutschland (AfD) hatte Oberbürgermeister Frederick Brütting nicht erreicht. Denn anstatt sich in die Gästeschar der AfD im Kulturbahnhof einzureihen, stand Brütting mit seiner Familie und etwa 350 weiteren Menschen auf dem Georg-Elser-Patz direkt neben dem Kulturbahnhof und demonstrierte gegen eben jenen Aalener Europatag der AfD.
Bunte Fahnen gegen Rechts
„Nein, eine Einladung hat mich nicht erreicht“, sagte Brütting am Rande der Gegenkundgebung, die das Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“ initiiert hatte. Auf dem Georg-Elser-Platz wehten Sonntagabend bunte Fahnen, auch Parteifahnen. Die Grünen, die SPD und die Linke waren sichtbar vertreten. Die Polizei hatte mit Absperrgittern Raum zwischen den Fensterfronten des Kulturbahnhofes und dem Georg-Elser-Platz aufgebaut. Von drinnen schauten einige der 120 Europatag-Gäste aufs Treiben auf dem Platz. Ein Plakat mit der Aufschrift „Rechten Terror stoppen!“ hielten einige Antifa-Mitglieder sichtbar zur Scheibe. Zuweilen wurde von Innen gewunken. Die Besucher des Europatages gingen durch den Haupteingang in den Kulturbahnhof. Über dem Eingang wehte die Regenbogenfahne, die für Vielfalt, Akzeptanz und Gleichberechtigung steht.
Draußen gab es von 17.30 bis 18.30 Uhr Musik und Redebeiträge. Der evangelische Pfarrer Bernhard Richter und Karolina Tomanek von der katholischen Betriebsseelsorge hielten unter anderem Reden, erinnerten an die Menschenwürde und waren sauer, dass ausgerechnet in der Nähe des Platzes, der den Namen des Widerstandskämpfers Georg Elser trägt, die Afd eine Veranstaltung abhält. Der Aalener Europatag mit dem Titel „Bewahrung des Mittelstands in Zeiten von Inflation und Green Deal“ wurde ausgerichtet durch die Fraktion „Identität und Demokratie“ des EU-Parlaments. Unter den fünf Rednern waren auch die AfD-Europaabgeordneten Guido Reil und Joachim Kuhs. „Gerade in der krisenbehafteten Zeit könnte das Thema bedeutender nicht sein“, sagte bereits im Vorfeld die Kreisvorsitzende des örtlichen AfD-Kreisverbandes Ostalb Susanne Mützel. „Innen ist es ruhig. Musik und die Reden hören wir nicht“, sagte eine Teilnehmerin.
Zwiespältige Meinungen
Einige Gäste auf dem Platz hatten durchaus eine zwiespältige Einstellung zur Kundgebung. „Ob man dadurch nicht erst die AfD aufs Podium hebt und interessant macht?“, fragten einige. Nach einer Stunde löste sich die Demo auf. Das Theater der Stadt Aalen lud im Anschluss noch zur künstlerischen Lesung ein. Der Eintritt ins Theater war aber nur durch den Hintereingang möglich. Die Gruppen sollten sich möglichst nicht über den Weg laufen. Es gab auch Stimmen mit dem Hinweis, man hätte doch einfach die Veranstaltung nicht zulassen sollen. Auch dazu gab es bereits eine deutliche Stellungnahme der Stadt: „Zur Veranstaltung im Kulturbahnhof kann ich sagen, dass wir als öffentliche Verwaltung zu strikter politischer Neutralität verpflichtet sind", erklärte am 14. Juni Stephan Dürr vom Presseamt der Stadt. Deshalb gebe es "vorliegend überhaupt keine Möglichkeit und auch keinen Bedarf, Versammlungen gleich welcher politischen Herkunft, zu untersagen".














