Abschied von einem Macher mit Herz: Albert Scherrenbacher aus Straßdorf

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Rund 300 Wegbegleiter nehmen bei der Trauerfeier im Heilig-Kreuz-Münster Abschied von Albert Scherrenbacher.
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Rund 300 Wegbegleiter gedenken bei einer Trauerfeier im Münster in Schwäbisch Gmünd Albert Scherrenbacher, „ein Mann, der seinesgleichen sucht“.

Schwäbisch Gmünd-Straßdorf. Er werde auf den Knien den Salvator hochrutschen und für gutes Wetter beten. Wie oft hat Albert Scherrenbacher das im Vorfeld von Veranstaltungen versprochen, die er mitorganisiert hat? Er hatte beim Wettergott offenbar noch was gut. Bei Sonnenschein in unbeständigen Tagen nahmen seine Frau Christel, seine vier Kinder, acht Enkel und sechs Urenkel sowie viele Wegbegleiter am Dienstag Abschied von dem „Mann, der seinesgleichen sucht“. So hat er seine 2021 erschienene Biografie überschrieben und so ist er weit über Schwäbisch Gmünd hinaus bekannt. Das stellen alle Redner bei der Trauerfeier im Heilig-Kreuz-Münster heraus, zu der rund 300 Besucherinnen und Besucher gekommen sind.

An Pfingstmontag ist Albert Scherrenbacher im Stauferklinikum wenige Wochen vor seinem 85. Geburtstag gestorben. Seit zweieinhalb Jahren schwer krank, aber doch mitten im Leben stehend. „Wie gerne hätte er in der Öffentlichkeit Abschied genommen“, sagt Oberbürgermeister Richard Arnold über „unseren Albert“. Ein Mann, der seine von Gott geschenkten Talente gut entfaltet und zum Wohle seiner Mitmenschen eingesetzt hat, betonen Dekan Robert Kloker und Pfarrer Andreas Braun aus Straßdorf. Alle Redner stellen Albert Scherrenbacher als Mensch dar, der nicht gefragt hat, was andere tun können, sondern selbst ein Macher mit großem Herz war. „Er war immer mit ganzem und großem Herzen bei der Sache“, sagt Richard Arnold. „Geht nicht, gibt's nicht“, sei sein Motto gewesen, sagt Pfarrer Braun über den Straßdorfer, der „Metzgermeister und Gastwirt mit Leib und Seele“ gewesen sei.

2021 hat Albert Scherrenbacher seine Biografie vorgestellt: „Ein Mann, der seinesgleichen sucht“.

Albert Scherrenbacher: ein Macher für seinen Heimatort Straßdorf

Albert Scherrenbacher ist in Straßdorf aufgewachsen, wo er nach dem unerwarteten Tod seines Vaters mit gerade  15 Jahren zusammen mit seiner Mutter den Familienbetrieb übernommen hat: das Gasthaus mit Metzgerei, erinnert Landrat Dr. Joachim Bläse. Damals und sein ganzes Leben lang haben ihn Pflichtbewusstsein und Selbstdisziplin ausgezeichnet, sagt der Oberbürgermeister. In den 1960er-Jahren habe Albert Scherrenbacher das Familiengeschäft ausgebaut, das er später an seine Kinder übergeben, aber bis ins hohe Alter mitgewirkt hat.

In seiner Freizeit war Albert Scherrenbacher aktives Mitglied in über 60 Vereinen und damit laut OB Rekordhalter im Land. In Straßdorf war er unter anderem im Turnverein, und er habe den Handels- und Gewerbeverein gegründet und geführt. Zudem war er Jahrzehnte im Kirchengemeinderat von St. Cyriakus sowie im Ortschaftsrat, wo er sich über viele Jahre auch als stellvertretender Ortsvorsteher für Straßdorf eingesetzt hat. 2004 hat er das Seifenkistenrennen am Straßdorfer Berg nach über zehn Jahren wiederbelebt, erinnert der Gmünder OB bei der Trauerfeier, die der Liederkranz Straßdorf im Gedenken an Albert Scherrenbacher feierlich umrahmt hat.

Albert Scherrenbacher: ein Macher für Schwäbisch Gmünd, wo er Ehrenbürger wurde

Wenn das Gmünder Stadtfest am Freitag, 7. Juni, steigt, ist das die perfekte Gelegenheit, auf Albert Scherrenbacher anzustoßen: Er hatte die Veranstaltung über viele Jahre traditionell mit dem Metzgerritt begonnen und wäre am 7. Juni 2024 85 Jahre alt geworden. Der Metzgermeister konnte gut schaffen und gut feiern. Das zeigte sich auch an Fasching und bei den Guggenmusiktreffen. „Die Gmender Fasnet war sein Lieblingsverein“, erzählt deren Präsident Eberhard Kucher. 1996 habe Albert Scherrenbacher den Verein mitgegründet. Viele Jahre war Präsident der Gmender Fasnet, danach Ehrenpräsident.

Bei vielen Veranstaltungen, aber auch für soziale Zwecke zeigte er sich als spendabler Förderer. Sei es in St. Elisabeth, wo er Wohnungslosen an Heiligabend das Festmahl spendierte, bei der Lebenshilfe, der Klosterbergschule oder auch bei der Gmünder Hilfsaktion für die Küche der Barmherzigkeit in Armenien. Und wenn die Feuerwehr einen außergewöhnlichen Einsatz hatte, brachte er spontan Leberkäswecken zur Stärkung vorbei, erzählt Richard Arnold über Albert Scherrenbacher, dem seine Verdienste einige Auszeichnungen gebracht haben: 2007 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande. 2021 wurde der damals 80-Jährige zum Ehrenbürger der Stadt Schwäbisch Gmünd ernannt. Ein einstimmiger Beschluss des Gemeinderats, erinnert Richard Arnold. Dem Gremium gehörte Albert Scherrenbacher als Stadtrat für die CDU über 30 Jahre an.

Albert Scherrenbacher: ein Macher für Europa mit großem Herz für die Partnerstädte

2021 ernannte Oberbürgermeister Richard Arnold Albert Scherrenbacher mit damals 80 Jahren zum Ehrenbürger der Stadt Schwäbisch Gmünd.

Albert Scherrenbacher war Straßdorfer, Gmünder und überzeugter Europäer, sagt Joachim Bläse. Er habe die Gmünder Städtepartnerschaften wahrhaft gelebt. In Székesfehérvár, der ungarischen Partnerstadt von Schwäbisch Gmünd, hat der Metzgermeister etwa eine Fleischerfachschule mit aufgebaut. Der Leberkäse heißt dort seither Albert, erzählt der Landrat. Und Albert Scherrenbacher habe den Ehrentitel Dr. Wurst bekommen, weiß Eberhard Kucher. Offiziell wurde Albert Scherrenbacher auch in Székesfehérvár Ehrenbürger der Stadt. So war auch eine Delegation aus Ungarn zu der Trauerfeier angereist, an deren Ende sich die Wegbegleiter verneigten und dem Macher mit dem großen Herzen dankten. „Einem Menschen, der unserer Gesellschaft gerade heutzutage guttun würde“, sagt Joachim Bläse.

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