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Das Traditionsunternehmen Stihl wird die Pläne für einen Neubau in der Ludwigsburger Weststadt nicht fortführen. Die Stadt will das „Leuchtturmprojekt“ aber noch nicht aufgeben.
Waiblingen/Ludwigsburg - Trotz der massiven wirtschaftlichen Herausforderungen hat Gerätehersteller Stihl vor einiger Zeit angekündigt, weiter in Deutschland investieren zu wollen. Neben einer neuen Fabrik für Elektromotoren nahe dem Stammsitz in Waiblingen war auf dem Gelände des ehemaligen Werks 5 in der Weststadt von Ludwigsburg ein Neubau geplant, der hunderte neue Arbeitsplätze schaffen sollte. Aufgrund stark gestiegener Bau- und Energiekosten wird das Traditionsunternehmen dieses Vorhaben nicht wie geplant umsetzen, bestätigte Stihl auf BW24-Anfrage. Stattdessen sollen alternative Standorte geprüft werden.
Auf dem derzeit ungenutzten Areal des ehemaligen Stihl Werk 5 in der Ludwigsburger Weststadt sollte in enger Kooperation mit der Barockstadt ein hochmoderner Fertigungsstandort entstehen. „Gemäß der neuen Konzeptstudie soll der Bau Platz für mehrere Hundert attraktiv gestaltete Arbeitsplätze in der Produktion und im Büro bieten“, schrieb der Weltmarktführer aus Baden-Württemberg auf seiner Website. Inzwischen liegt das Projekt aufgrund mehrerer Faktoren auf Eis, die Stadt will jedoch noch nicht aufgeben.
Stihl-Neubau in Ludwigsburg würde „unerwartet hohe Investitionssumme“ erfordern
Wie Stihl auf Anfrage unserer Redaktion ausführt, ist der Rückbau des ehemaligen Werks 5 in der Ludwigsburger Weststadt bereits weit fortgeschritten und soll aller Voraussicht nach noch im Februar abgeschlossen werden. „Parallel zum Rückbau haben wir die Planungen für die Neuentwicklung eines Werkes in der Ludwigsburger Weststadt fortgeführt“, sagt Pressesprecherin Sabrina Haufler. Die Konzeptstudie sei in eine konkretere Vorplanung für den Produktionsstandort, in dem Führungsschienen produziert werden sollten, überführt worden. Dabei habe sich aber herausgestellt, dass die Umsetzung „eine unerwartet hohe Investitionssumme“ erfordern würde.
| Name | Stihl Holding AG & Co. KG (STIHL) |
|---|---|
| Gründung | 1926 |
| Sitz | Waiblingen-Neustadt, Baden-Württemberg |
| Branche | Maschinenbau |
| Produkte | Motorgeräte für verschiedene Branchen, Hochdruckreiniger |
| Mitarbeiter | 20.552 (Ende 2022) |
| Umsatz | 5,5 Milliarden Euro (2022) |
Neben den hohen Baukosten würde der neue Produktionsstandort von Stihl in Ludwigsburg hohe Energiekosten im Betrieb benötigen. „Außerdem steht mittelfristig die Forderung der IG Metall nach einer 32-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich im Raum“, so die Sprecherin. „Diese Arbeitszeitverkürzung würde die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Standorts insgesamt nochmals deutlich schwächen.“ Stihl-Chef Michael Traub hatte sich bereits deutlich gegen die Einführung einer 4-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich ausgesprochen und sie als „indiskutabel“ bezeichnet.
Aufgrund der genannten Faktoren hat Stihl entschieden, die Planungen zurückzustellen und zu gegebener Zeit mögliche Alternativen zu prüfen. Da der Weiterbetrieb der bestehenden Fertigung im Werk 2 in Waiblingen bis 2030 gesichert sei, werde zu einem späteren Zeitpunkt über einen künftigen Fertigungsstandort entschieden. Das Areal in der Ludwigsburger Weststadt bleibt im Besitz des Familienunternehmens und soll zunächst stillgelegt werden.
Stadt Ludwigsburg gibt „Leichtturmprojekt“ nicht auf – OB will Gespräch mit Unternehmen suchen
Matthias Knecht, der Oberbürgermeister der Stadt Ludwigsburg, erklärte auf BW24-Anfrage, dass sich die Entscheidung aufgrund der von Stihl an die Stadt kommunizierten Kostensteigerung bereits angedeutet habe. „Am Ende war es dann aber doch etwas überraschend, dass das Projekt gänzlich auf Eis gelegt wurde“, räumt er jedoch ein. „Schließlich wäre es auch denkbar gewesen, dass das Projekt in etwas abgespeckter Form umgesetzt wird.“ Er wolle zeitnah auf jeden Fall nochmal das Gespräch mit dem Unternehmen suchen und betonte, die Stadt habe das Projekt noch nicht aufgegeben.
Für Ludwigsburg hat die Entscheidung des Traditionsunternehmens dennoch Folgen. „Für die Weststadt hat das Projekt Leuchtturmcharakter, weil es neben der Schaffung einer dreistelligen Zahl von Arbeitsplätzen, der Ansiedlung einer hochmodernen Produktion auch einen großen Gewinn für den Stadtteil gegeben hätte“, führt Knecht aus. Gleichwohl sei Stihl aber durch das Werk 7 in der Kammererstraße weiterhin ein wichtiger Partner für die Stadt.
Stihl selbst erklärte, dass als Benchmark für den Neubau unter anderem die Schweiz als alternativer Standort geprüft werde. „Dort produzieren wir unsere Sägeketten für den Weltmarkt“, so Sabrina Haufler. „Sollte die Entscheidung für diesen Standort getroffen werden, könnte zukünftig die gesamte Schneidgarnitur in der Schweiz hergestellt werden.“ Stihl-Beiratschef Nikolas Stihl hatte in der Vergangenheit erklärt, die Schweiz sei als Produktionsstandort inzwischen günstiger als Deutschland.
Rubriklistenbild: © Stihl AG


