Auch in Schwäbisch Gmünd: Grüne verlieren deutlich – AfD legt zu

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18 Briefwahlbezirke zählen die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer im Rathaus aus. Insgesamt waren am Sonntag in 43 Wahllokalen und im Rathaus 592 Helfer im Einsatz. Sie beginnen an diesem Montag mit den Wahlen für Gemeinderat, Kreistag und Ortschaftsräte.
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  • Bernd Müller
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Gmünder Ergebnisse spiegeln Bundestrend. Stellvertretende CDU-Chefin Dr. Inge Gräßle kritisiert Ampel. Grüne „enttäuscht“. AfD sieht sich im Gemeinderat.

Schwäbisch Gmünd. Die Gmünder Ergebnisse bei der Europawahl spiegeln in etwa die Ergebnisse auf Bundesebene: Die CDU hat mit 34,17 Prozent das Ergebnis von 2019 erreicht, die Grünen verlieren knapp zehn Prozent, die SPD verliert 1,5 Prozent. Gewinner des Abends: Die AfD, die etwa um knapp sechs Prozent zulegt. Die FDP kommt auf 5,6 Prozent, die Linke auf 2,62 Prozent, das Bündnis Sahra Wagenknecht holt 5,06 Prozent der Stimmen.

Europawahl 2024 - Ergebnisse Schwäbisch Gmünd

OB weist auf viele junge AfD-Wähler hin

Das Ergebnis der CDU auf Bundesebene bestätige den Trend zur CDU, sagte dazu Oberbürgermeister Richard Arnold. Dass Grüne und SPD an Stimmen verlören, habe sich abgezeichnet. Überrascht ist Arnold, wie die FDP sich gehalten hat und BSW aus dem Stand heraus über fünf Prozent holt. Gmünds OB weist auf viele junge AfD-Wähler auf Bundesebene hin. Dies werfe die Frage auf, „wie wir Zusammenhalt gestalten“. Die junge Generation sei in sich fraktioniert. „Die mischen sich nicht.“ Das beginne schon im Kindergarten und setze sich in der Schule fort. Was tun? „Wir brauchen das verpflichtende Dienstjahr. Das kann gar nicht so schnell kommen, wie wir es brauchen“, sagte der OB.

Gräßle: Mitte ist schwächer geworden

Sie hätte sich „mehr Stimmen und mehr Sitze für die CDU gewünscht“, sagte die langjährige Europaabgeordnete und jetzige Gmünder CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Inge Gräßle. Worüber sie sich freue: die zunehmende Wahlbeteiligung. die von 57,1 auf 62,04 Prozent gestiegen ist. „Die Mitte ist schwächer geworden“, analysierte Gräßle. Dies müsse uns zu denken geben. Die Ampel-Regierung müsse darüber nachdenken, was sie den Menschen alles zumutet. Sie mache es „der AfD zu leicht“, sagte Gräßle, die ihrerseits darauf drängt, „Lösungen zu finden“. Da gebe es Bereiche, die schwierig seien, sagte sie und nannte Zuwanderung. Aber es gebe auch Bereiche, wo etwas gemacht werden könne. Wie beim Bürgergeld. Das sage die CDU seit Monaten. Insgesamt aber fürchtet Gräßle, dass sich mit der Ampel-Regierung „nichts ändert“. Dass mit den Stimmen für BSW, die Linke und die AfD mehr als ein Viertel der Stimmen an „russlandfreundliche Parteien geht, finde ich unerträglich“, sagte die CDU-Politikerin.

Grüne: Ergebnis maßlos enttäuschend

„Das Ergebnis ist natürlich maßlos enttäuschend, weil die Themen, die wir in den letzten fünf Jahren gesetzt haben, ja nicht verschwunden sind von der Agenda“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Gemeinderat, Gabriel Baum. Stattdessen sei die Frage der Migration stark im Vordergrund gestanden, die natürlich gelöst werden müsse. „Eine Abschottungspolitik, wie sie die AfD und Teile der Konservativen fordern, wird jedoch keine Zukunftsperspektiven bieten“, sagte Baum.

SPD gratuliert Wahlsieger CDU

Gmünds SPD-Ortsvereinsvorsitzender Tim-Luka Schwab äußert sich so: „Diese 11,7 Prozent sind natürlich eine schwere Niederlage für die SPD. Besorgniserregend ist der europaweite Trend, dass rechtsextreme Parteien stark anwachsen; in Deutschland hat sich sicher die schlechte Stimmung um Land stark im Ergebnis niedergeschlagen. Und ich gratuliere natürlich der CDU zu ihrem Wahlsieg.“

Diese Gratulation spricht auch Sigrid Heusel aus, Vorstandsmitglied der Gmünder SPD. Auch sie findet es erschreckend, „dass die AfD zweitstärkste Partei ist“. Sigrid Heusel nennt zwei Themen, die aus ihrer Sicht dominierend waren bei dieser Europawahl: Frieden und Sicherheit. „Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir den Menschen bei diesen Themen ein besseres Gefühl geben, damit wir sie nicht der AfD überlassen.“

Ostalb-FDP zufrieden

„Wir haben nur knapp 0,4 Prozent verloren, so wie es aussieht. Der Trend vorab in den Befragungen war negativer. Die FDP wird wohl wieder fünf Abgeordnete im Europaparlament haben, und wir werden die gute Arbeit dort fortsetzen können“, zeigt sich der Ostalb-FDP-Vorsitzende Chris-Robert Behrendt zufrieden.

AfD sieht sich im Gemeinderat

„Trotz der Kampagne gegen uns“ habe die AfD ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis bei der Europawahl geholt, meinte der Vorsitzende der Gmünder AfD-Ortsgruppe, Ruben Rupp. Das sei sogar im Endspurt ohne die zwei Spitzenkandidaten im Europa-Wahlkampf gelungen, die von der Parteispitze wegen juristischen Vorwürfen aus dem Rennen genommen wurden. Rupp vermutet, dass diese Vorwürfe nach der Wahl nicht erhärtet werden. Ruben Rupp ist optimistisch, dass die AfD auch im künftigen Gmünder Gemeinderat vertreten sein wird.

Als „enttäuschendes Ergebnis“ für die Linke bewertet Nina Eisenmann, Vorsitzende des Gmünder Ortsverbands, das Resultat ihrer Partei. Die neue Wagenknecht-Partei habe wohl eine Rolle gespielt.

Wie in Gmünd die Auszählung der Kommunalwahlen läuft

Das Gmünder Ergebnis bei den Europawahlen stand am Sonntagabend fest. Die endgültigen Gmünder Ergebnisse finden Sie auf www.tagespost.de und in der epaper-Fassung der Gmünder Tagespost.

Wie die Auszählung an diesem Montag weitergeht, erläutert Hauptamtsleiter Helmut Ott im Gespräch mit der Redaktion. Bei den Wahlen gibt es in Gmünd 592 Wahlhelferinnen und -helfer. Sie beginnen am Montag mit der Auszählung der Wahlen zum Kreistag. Für den Kreistag traten in Gmünd 113 Kandidatinnen und Kandidaten an. Ott rechnet damit, dass diese Auszählung am Vormittag abgeschlossen ist.

Danach zählen die Gmünder den Gemeinderat aus. Hier standen insgesamt 278 Kandidaten auf dem Stimmzettel. Sei er optimistisch, liege das Ergebnis zwischen 16 und 18 Uhr vor, sagt Ott. Er schließt aber nicht aus, dass die Auszählung der Stimmzettel aus insgesamt 61 Wahlbezirken länger dauert. Was sich zu 2019 geändert hat: Die unechte Teilortswahl entfällt erstmals. Dies macht das Auszählen einfacher. Und damit wohl auch schneller. Wenn das Ergebnis um 18 Uhr nicht vorliegt, hören die Gmünder mit dem Auszählen auf. Weil die Konzentration nachlasse, sagt der Hauptamtsleiter. Dies bedeutet, dass das Ergebnis der Gemeinderatswahlen eventuell erst am Dienstag feststeht. Außer es seien am Montagabend um 18 Uhr nur noch ganz wenige Bezirke auszuzählen.

Steht der Gemeinderat fest, beginnt die Auszählung der Ortschaftsräte. Auf 18 Listen standen 199 Kandidaten aus elf Stadtteilen zur Wahl. Ott geht davon aus, dass die Stadtverwaltung mit den 592 Wahlhelfern das Auszählen am Dienstag abschließen kann. Dann habe man ein Ergebnis für Kreistag, Gemeinderat und Ortschaftsräte. Dieses wird bei einer danach beginnenden Wahlprüfung kontrolliert.

Die Wahlbeteiligung lag bei den Kommunalwahlen 2019 bei 51,3 Prozent. Bürger, die sich für die Kommunalwahlen interessieren, können sich am Montag und Dienstag im Rathaus über Zwischenstände informieren. Gmünds Gemeinderat bestand in den vergangenen fünf Jahren aus 19 CDU-Stadträten, elf Grünen, sieben SPD-Stadträten, fünf söl-Räten, je vier Bürgerliste- und FWF-Räten und zwei FDP / FW-Räten. mil

Kommunalwahlen und Europawahlen 2024 in einem Wahllokal in Heuchlingen. Foto: Jan-Philipp Strobel

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