VonSina Alonso Garciaschließen
Der Aufstieg der AfD in Deutschland bereitet dem Unternehmer Reinhold Würth Sorgen. Gleichzeitig beunruhigt ihn, dass die Nation im Ernstfall nicht gut für einen Krieg gewappnet sei.
Künzelsau – Er ist einer der reichsten Menschen in Deutschland und weiß seinen Einfluss zu nutzen: Schrauben-Milliardär Reinhold Würth positionierte sich zuletzt immer wieder klar zu politischen Debatten. Während andere Super-Reiche, wenn es um kontroverse Themen geht, schweigen, macht der Unternehmer aus Baden-Württemberg den Mund auf und spricht aus, was nicht allen gefällt. Erst kürzlich kassierte Würth für seinen Anti-AfD-Brief einen Shitstorm. Doch auch die Zustände auf der Welt bereiten dem 89-Jährigen Sorgen.
Im Interview mit dem Handelsblatt zeigt sich Würth bestürzt über den politischen Wandel in Deutschland sowie die Ereignisse weltweit. Er spricht von einer „dramatischen Zeit“. Insbesondere sei er beunruhigt über „die sich gerade überschlagende technische Entwicklung, die Kriege in der Ukraine und Nahost und den schwelenden Konflikt zwischen China und Taiwan“.
Reinhold Würth: „Die Welt stand auch früher am Abgrund, aber heute ziehen noch dunklere Wolken auf“
„Die Welt stand auch früher schon am Abgrund – in der Kubakrise 1962 zum Beispiel“, sagt Würth. „Aber heute ziehen noch dunklere Wolken auf.“ Er habe „große Zweifel, ob wir in der Welt in drei oder fünf Jahren noch friedlich zusammenleben können“. Auf die Frage seines Gesprächspartners vom Handelsblatt hin, ob man sich, wie es der polnische Regierungschef Donald Tusk ausdrückte, in einer Vorkriegszeit befinde, antwortet Würth: „Wir befinden uns bis zu einem gewissen Grad in einer Vorkriegszeit.“
Einer der reichsten Deutschen: So lebt Milliardär Reinhold Würth




Für noch schlimmer hält Würth, dass Deutschland „miserabel“ auf einen Angriffsfall vorbereitet sei – „im Vergleich zur Schweiz zum Beispiel, die ja in Neubauten Luftschutzräume vorschreibt“. Deutschland hingegen habe im Zivilschutz praktisch nichts. „Wenn wir in einen Krieg verwickelt würden, wäre die Zivilbevölkerung in großer Gefahr.“
Reinhold Würth warnt vor Angriffsfall und appelliert zur Aufrüstung
Nach dem Ausbruch des russischen Angriffskriegs in der Ukraine warnte Würth bereits vor einem dritten Weltkrieg. Um Deutschland für ein solches Szenario zu wappnen, appelliert er an die Politik: „Wir müssen aufrüsten. Wir sind zehn bis 15 Jahre hinterher. Vermutlich ist es gar nicht mehr aufholbar. Wir haben zu wenig Soldaten, zu wenig Waffen und kaum Zivilschutz.“ Im Grunde sei man ein offenes Land. „Wenn die Amerikaner abspringen, wäre das für Deutschland eine Katastrophe.“
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Auch der Rechtsruck in Deutschland sei laut Würth brandgefährlich. „Ich mache mir große Sorgen um die Zukunft dieses Landes“, sagt er. Viele Wähler der rechten Szene würden nicht merken, dass sie mit ihrem Tun tendenziell totalitäre Zustände wie in der DDR zurückholen würden – „nur diesmal nicht von links, sondern von rechts“. Die AfD schüre Misstrauen und es gebe Anzeichen, dass sie das Grundgesetz unterwandere.
Zur Sicherheit der Nation: Würth schlägt Sonderabgabe für Verteidigung vor
Neben einer klaren Positionierung gegen den Rechtspopulismus spricht sich Würth in dem Interview mit dem Handelsblatt für eine Sonderabgabe für Verteidigung in Deutschland aus. Er sei überzeugt, dass die Mehrheit der Bürger bereit wäre, diese Lasten mitzutragen, wenn es um die Sicherheit der Nation gehe.
Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

