„Pädagogik der Förderung“

Diese Waldorfschule in Baden-Württemberg ist die erste der Welt

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Waldorfschulen haben in Deutschland eine lange Tradition und sind heute auf der ganzen Welt zu finden. Ihren Anfang nahmen sie vor mehr als 100 Jahren in Baden-Württemberg.

Stuttgart – An Waldorfschulen scheiden sich die Geister. Während die einen das zensurenfreie System und den Fokus auf die individuelle Begabung von Schülern befürworten, kritisieren andere die Schulen als zu esoterisch. Trotz der Kritik findet das Konzept viel Anklang weltweit: An mehr als 1.000 Schulen und 1.600 Kindergärten wird die von Reformpädagoge Rudolf Steiner (1861-1925) entwickelte Pädagogik praktiziert. Ihren Ursprung hat die Waldorfschule in Baden-Württemberg – genauer in Stuttgart auf der Uhlandshöhe, wo Steiner 1919 die erste Waldorfschule gründete.

1919 gründete Reformpädagoge Rudolf Steiner gemeinsam mit Emil Molt, Besitzer der Waldorf Astoria Zigarettenfabrik, die erste Waldorfschule in Stuttgart-Ost. (Archivfoto, Haupthaus 1923).

Die erste Waldorfschule der Welt eröffnete in Stuttgart

Ihren Namen hat die Waldorfschule von der damaligen Waldorf Astoria Zigarettenfabrik. Gemeinsam mit deren Besitzer, Emil Molt (1876-1936), eröffnete Rudolf Steiner vor mehr als 100 Jahren die erste Waldorfschule auf der Uhlandshöhe in Stuttgart-Ost. Arbeiterkinder sollten dort „unabhängig ihrer sozialen Herkunft und Begabung“ unterrichtet werden. Die Schule auf der Uhlandshöhe gibt es noch heute. „Als erste Gesamtschule haben die Waldorfschulen das mit dem vertikalen Schulsystem verbundene Prinzip der Auslese durch eine Pädagogik der Förderung ersetzt“, schreibt der Bund der Freien Waldorfschulen auf seiner Website.

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich Waldorfschulen von Deutschland aus auf der ganzen Welt ausgebreitet und sind heute auf allen Kontinenten zu finden. Eine Übersicht vom Bund der Freien Waldorfschulen zeigt, wie viele der Schulen es in der Bundesrepublik und international gibt (Stand April 2023):

  • Waldorfschulen in Deutschland: 254
  • Waldorfschüler in Deutschland: circa 90.000
  • Waldorfschulen in Europa (ohne Deutschland): 559
  • Waldorfschulen außerhalb Europas: 379
  • Waldorfschulen weltweit: 1.187
  • Waldorfkindergärten weltweit: mehr als 1.900

Die Waldorfpädagogik beruht auf der anthroposophischen Menschenkunde von Rudolf Steiner. Anthroposophie kommt aus dem Griechischen, bedeutet übersetzt „Weisheit des Menschen“ und beschreibt eine spirituelle und esoterische Weltanschauung. Im Zentrum des Unterrichts steht das künstlerisch-handwerkliche Schaffen, bildhaftes Lernen sowie ein „entwicklungsorientierter Lehrplan“. Waldorfschulen sind Privatschulen. Klassische Fächer wie Mathematik oder Deutsch unterrichtet hier ein einziger Lehrer. Es gibt kein Sitzenbleiben und keine Noten – außer bei den staatlichen Abschlussprüfungen.

Das Archivfoto aus dem Jahr 1930 zeigt den Eingang zum Schulgebäude der Freien Waldorfschule Uhlandshöhe in Stuttgart.

Satiriker Jan Böhmermann äußert bei „ZDF Magazin Royale“ scharfe Kritik an Waldorfschulen

Erst im vergangenen Jahr hatte Satiriker Jan Böhmermann mit einer Ausgabe des „ZDF Magazin Royale“, in der er Waldorfschulen kritisierte, für Gesprächsstoff gesorgt. In seiner Sendung bemängelte er, dass der deutsche Staat Waldorfschulen jährlich mit mehr als einer halben Milliarde Euro unterstütze, ohne genau zu wissen, was in den Schulen passiere. Ausbilder und Lehrer hätten Kontakte in die Szene der Corona-Leugner. Gewalttätigen Lehrern werde es zudem erleichtert, unentdeckt zu bleiben. Böhmermann stützte sich dabei auch auf Recherchen des Online-Magazins „Krautreporter“.

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Nach den schweren Vorwürfen von Böhmermann reagierte der Bund der Freien Waldorfschulen. „Wir bekennen uns selbstverständlich zur freiheitlich demokratischen Grundordnung, die uns den Betrieb als Schulen in freier Trägerschaft erst möglich macht“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Schulen seien verpflichtet, ein Schutzkonzept zur Gewaltprävention zu erarbeiten. Reichsbürger, Neue Rechte oder Anhänger von Verschwörungsideologien hätten in Waldorfschulen nichts zu suchen.

Rubriklistenbild: © Waldorfschule Uhlandshöhe

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