VonDominik Grillschließen
Deutsche Wörter haben es oft in sich. Das wissen die Einwohner aus diesem Ort in Baden-Württemberg nur zu gut – er hat einen der längsten Namen Deutschlands.
Michelbach - Baden-Württemberg hat eine erstaunliche Zahl interessanter und teils skurriler Rekorde vorzuweisen. So befindet sich das größte Sparschwein der Welt im Ländle (okay, das ist vermutlich weniger überraschend), genauso wie das kleinste Standesamt Deutschlands. Eine weitere Bestleistung: Die engste Straße des Planeten zwängt sich durch einen Ort im Schwabenland.
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Gschlachtenbretzingen ist der Ort mit dem längsten Namen in Baden-Württemberg
Eng geht es auch auf einem Ortsschild im Landkreis Schwäbisch Hall zu. Hier befindet sich der Ort mit dem längsten Namen in Baden-Württemberg und einem der längsten in ganz Deutschland. Gschlachtenbretzingen heißt das Prachtstück des Ländles, das zur Gemeinde Michelau an der Bilz gehört. 21 Buchstaben reihen sich hier in zungenbrecherischer Manier aneinander, wie der eifrige Leser feststellen wird.
Die Landesschau Baden-Württemberg hat sich mit diesem Unikat beschäftigt und fordert auf Facebook dazu auf, den Namen dreimal fehlerfrei auszusprechen. Echte Baden-Württemberger dürfte das kaum vor Probleme stellen, auch wenn die gemütliche Schwabenzunge aus „Gschlachtenbretzingen“ sicherlich ein viel entspannteres „Gschlachtabretzinga“ formt. Nicht-Muttersprachler kommen da schneller an ihre Grenzen, wie ein gebürtiger Gschlachtenbretzinger in der Kommentarspalte des Beitrags zu berichten weiß: Sein Reisepass habe ihm bei Zollkontrollen immer wieder heitere Momente beschert. So hätten sich vor allem bei der Einreise in die USA mehrere Beamte köstlich amüsiert und ihn den Namen laut vorsprechen lassen.
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Nur zwei Orte in Deutschland haben einen längeren Namen als Gschlachtenbretzingen
Ein anderer Nutzer gibt einzigartiges Nischenwissen preis: Anfang der 50er Jahre sei der Ort noch um einen ganzen Buchstaben reicher gewesen. Ursprünglich hieß es nämlich „Geschlachtenbretzingen“, das zusätzliche „e“ muss im Laufe der Zeit verloren gegangen sein, was bei derart vielen Buchstaben schon mal passieren kann. Letztlich ist dieser Namensschwund sicherlich verkraftbar, denn für den Baden-Württemberg-Rekord reicht es auch heute noch. Im bundesweiten Vergleich muss sich der Ort nur zwei Großkalibern geschlagen geben: „Schmedeswurtherwesterdeich“ in Schleswig-Holstein belegt mit 26 Buchstaben unangefochten den ersten Platz, gefolgt von „Gotthelffriedrichsgrund“ in Sachsen (23 Buchstaben).
Auch über die Herkunft des Wortes hat er einiges zu erzählen. So weise das Wort „Geschlacht“ ursprünglich auf einen guten Boden hin, im Gegensatz zum Nachbarort Rauenbretzingen, das für einen rauen, also schlechten Boden steht. Wer dagegen die Würze in der Kürze sucht, wird rund 50 Kilometer südlich von Gschlachtenbretzingen fündig. Ulm ist die Großstadt mit dem kürzesten Namen Deutschlands. Das hielt schwäbische Häuslebauer aber nicht davon ab, hier den höchsten Kirchturm der Welt zu errichten, das Ulmer Münster.
Rubriklistenbild: © Michelbach-Bilz.de

