Verbrenner-Motoren-Union

Motorenhersteller aus Baden-Württemberg setzt weiter auf den Verbrenner

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Motorenhersteller Rolls-Royce Power Systems hat unweit des Hauptsitzes in Friedrichshafen ein neues Montagewerk für MTU-Verbrennungsmotoren eröffnet und setzt auch weiterhin auf die Technologie.

Friedrichshafen - Im Pkw-Bereich setzen die Hersteller zunehmend auf E-Autos und damit auf den Elektromotor, während die Produktion von klassischen Modellen mit Verbrennungsmotor zunehmend zurückgefahren wird. Mercedes-Benz will ab 2030 nur noch E-Autos verkaufen und VW datierte den Verbrenner-Abschied auf 2033. In anderen Bereichen ist eine Umstellung auf den Elektromotor allerdings nicht so einfach, weswegen Motorenhersteller Rolls-Royce Power Systems mit Hauptsitz in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) weiterhin an der Technologie festhalten und sie künftig klimaneutral antreiben will. Auch Autozulieferer Mahle will die Nachfrage nach Verbrenner-Komponenten bedienen, solange es die Kunden wollen.

Beim Motorenhersteller Rolls-Royce Power Systems herrscht seit einiger Zeit Unruhe, da der britische Mutterkonzern mit erheblichen Problemen zu kämpfen hat. Die Unternehmensgruppe rund um das traditionsreiche Kernunternehmen MTU Friedrichshafen ist selbst jedoch gut aufgestellt und konnte im Krisenjahr 2022 weiter wachsen. In einer Pressemitteilung hat das Unternehmen vor wenigen Tagen die Eröffnung eines neuen Montagewerks im Friedrichshafener Stadtteil Kluftern verkündet, mit dem sich Rolls-Royce Power Systems zum einen zur Bodenseeregion beziehungsweise zum Standort Friedrichshafen und zum anderen auch zum Verbrenner bekennt.

Rolls-Royce Power Systems hält in Baden-Württemberg weiter am Verbrenner fest

Trotz der Spannungen durch den kriselnden Mutterkonzern ermöglicht der starke Umsatz im Geschäftsjahr 2022 Rolls-Royce Power Systems die Investition in Zukunftsfelder. Der Motorenbauer vom Bodensee setzt auf Wasserstoff, die Technologie wird jedoch durch den Verbrenner finanziert. „Die klassischen Verbrennungstechnologien finanzieren die nachhaltigen Lösungen“, hatte Sprecherin Silke Rockenstein im April gegenüber BW24 erklärt. Für das neue Werk in Kluftern, in dem die Hochleistungsmotoren der MTU Baureihe 2000 gefertigt werden sollen, hat das Unternehmen ebenfalls hohe Investitionen vorgesehen. Der Standort ist laut der Mitteilung auf Effizienz und Klimafreundlichkeit ausgelegt und verfügt beispielsweise über eine Photovoltaikanlage für grünen Strom und E-Ladesäulen für eine saubere Mobilität.

Name Rolls-Royce Power Systems AG
Gründungsjahr 2014
Hauptsitz Friedrichshafen, Baden-Württemberg
Kernmarke MTU Friedrichshafen GmbH (gegründet 1909)
Leitung Jörg Stratmann, Vorstandsvorsitzender
Branche Maschinenbau
Produkte Dieselmotoren für Schiffe, Schienenfahrzeuge und Industriemaschinen. Energieanlagen, Gasturbinen
Mitarbeiterzahl 9.000
Umsatz 3,2 Milliarden Euro

„Unsere Investitionen sind ein klares Bekenntnis zur Region und zu unseren Produkten und Lösungen, die wichtige Bausteine der Energiewende in verschiedenen Anwendungsbereichen sind“, sagt Rolls-Royce Power Systems-Chef Jörg Stratmann. „Wir sind überzeugt davon, dass in Verbindung mit nachhaltigen Kraftstoffen und neuen Technologien der Verbrennungsmotor in Zukunft eine zentrale Rolle spielen wird. Denn es kommt auf den Treibstoff an, nicht auf den Motor.“ Deshalb fokussiert sich der Motorenbauer darauf, Motoren zu produzieren, die mit nachhaltigen Kraftstoffen betrieben werden können, um künftig fossile Brennstoffe zu ersetzen. Die MTU-Marke vertreibt neben eigenen Produkten auch Mercedes-Benz-Industriemotoren.

Motorenbauer vom Bodensee setzt alles daran, den Verbrenner klimaneutral zu machen

Mit der Kernmarke MTU Friedrichshafen, die seit jeher Großdieselmotoren für die Schifffahrt, die Energieversorgung und auch für Schwerfahrzeuge wie Panzer herstellt, ist Rolls-Royce Power Systems nicht direkt vom Verbrenner-Verbot der EU betroffen. Das Festhalten am klassischen Antrieb hat bei dem Traditionsunternehmen vom Bodensee aber einen anderen Grund. Neben dem Fokus auf klimafreundlich-betriebene Verbrenner hat der Motorenbauer auch bereits Hybridsysteme für Bahn, Schifffahrt und Energie sowie Automationssysteme entwickelt. „Dadurch ist das Unternehmen in der Lage, klimafreundliche und effiziente Antriebstechnologien und Energie-Systeme für verschiedene Anwendungen bereitzustellen, bei denen eine komplette Elektrifizierung auf lange Sicht nicht die optimale Lösung darstellt“, heißt es in der Mitteilung.

Motorenbauer Rolls-Royce Power Systems hat ein neues Montagewerk für die MTU-Motoren der Baureihe 2000 eröffnet.

Als Alternative für fossile Kraftstoffe wird allgemein synthetischer Kraftstoff wie die E-Fuels, die Sportwagenbauer Porsche seit Dezember 2022 in Chile produziert, genannt. Auch Gerätehersteller Stihl hat die E-Fuels bereits in seinen Motorsägen getestet. Rolls-Royce Power Systems setzt auch auf den synthetischen Kraftstoff HVO aus hydriertem Pflanzenöl, dessen Einsatz bereits in vielen MTU-Motoren möglich ist. „Wir setzen alles daran, den Verbrennungsmotor mit nachhaltigen Kraftstoffen und in Kombination mit neuen Technologien klimaneutral zu machen“, sagt Stratmann. „Doch das gelingt nur, wenn politisch die Rahmenbedingungen gesetzt werden, sodass ein Markthochlauf alternativer Kraftstoffe gelingt.“

Rubriklistenbild: © Robert Hack/Rolls-Royce Power Systems

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