Baumarkt wird kleiner, Fahrradhandel zieht ein

+
Der Baywa-Markt an der Aalener Gartenstraße.
  • schließen

Darf auf dem Aal-Carrée eine Filiale von B.O.C. eröffnen? Diese Frage hat der Aalener Gemeinderat intensiv diskutiert.

Aalen

Der Baywa-Baumarkt in der Gartenstraße will seine Fläche reduzieren. Dafür möchte sich der Fahrradfachhandel B.O.C. mit etwa 1770 Quadratmeter Verkaufsfläche im Gebäude einmieten. Das lässt der aktuelle Bebauungsplan so nicht zu. Mehrheitlich hat der Gemeinderat nun entschieden, die Änderung des Bebauungsplans anzugehen. Damit soll es möglich werden, dass sich die Filiale von B.O.C. in Aalen ansiedelt.

Grüne teils dagegen, teils dafür

Nicht alle im Gemeinderat waren einverstanden. Die Grünen-Fraktion war sich uneins und teilte ihre Stellungnahme auf. Zuerst sprach sich Fraktionsvorsitzender Michael Fleischer dagegen aus, dass sich in der Gartenstraße auf dem Aal-Carrée ein Fahrradfachhandel ansiedelt.

Schon bei der vergangenen Änderung vor etwas mehr als zehn Jahren sei die Bebauungsplansituation dort von den Füßen auf den Kopf gestellt worden. „Auf massiven Druck vom damaligen und heutigen Besitzer“, fügte Fleischer an. Der Grünen-Fraktionsschef sprach den Namen nicht aus. Wen er meinte, war trotzdem klar. Der Besitzer, Berndt-Ulrich Scholz, saß im Ratssaal auf der Besuchertribüne.

Die aktuelle Situation, Baumarkt plus Wohnbebauung, nannte Fleischer chaotisch. Er vermutete, dass in zwei oder drei Jahren bereits die nächste Änderung des Bebauungsplans auf dem Aal-Carrée anstünde. Hinter den Kulissen sei die Rede von weiterer Wohnbebauung, die dort geplant sei. Diese Pläne würden gemacht, ohne mit der Stadtverwaltung zu sprechen. „Der Gemeinderat wird sowieso nicht eingeschaltet“, sagte Fleischer und fügte an: „Wir wollen uns nicht vor uns hertreiben lassen.“

Würde man nun ein weiteres Sortiment im Baumarkt zulassen, sei die Verlässlichkeit für die Innenstadt nicht mehr gegeben, argumentierte Fleischer. Zum Hintergrund: Der Gemeinderat hat beschlossen, kein sogenanntes innenstadt-relevantes Sortiment außerhalb der Innenstadt zuzulassen.

Alexander Asbrock (Grüne) sieht das anders als sein Fraktionschef. Die Angst, dass der Fahrradhandel eine Konkurrenz zur Innenstadt darstelle, hält er für unbegründet. In Zeiten der Verkehrswende gelte es, Fahrradgeschäfte zu unterstützen. „Die neue Filiale bereichert Aalen als Fahrradstadt“, sagte Asbrock.

Freie Wähler sind dagegen, Mehrheit ist dafür

Ebenso sieht es die CDU-Fraktion. „Dass ein Angebot angepasst wird, kommt vor“, sagte Fraktionssprecher Thomas Wagenblast. Es gelte die Innenstadt zu schützen. Aber in Fall handle es sich nicht um ein innenstadt-relevantes Sortiment.

Für die SPD-Fraktion signalisierte Petra Pachner Zustimmung. Sie sieht ebenfalls keine Konkurrenz zur Innenstadt. Im Gegenteil. Das neue Angebot könnte ihrer Meinung nach die Innenstadt sogar beleben. „Was wäre, wenn wir dagegen stimmen?“, fragte sie. „Dann hätten wir einen Leerstand, den keiner will.“

Claus Albrecht, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, zeigte sich erstaunt. Er erinnerte daran, dass man damals gemeinsam beschlossen habe, das Sortiment dort auf Bauen und Garten zu beschränken. „Das hatte einen Grund“, sagte Albrecht. Dazu, dass nun der Baumarkt auf der Fläche wohl nicht mehr ganz so gut laufe, sagte er: „Das ist ein hausgemachtes Problem.“ Würde man dort nun einen Fahrradhandel zulassen, müssten die schon bestehenden Fahrradhändler in Aalen mit Umsatzeinbußen von 20 Prozent rechnen. „Wenn wir zustimmen, frage ich mich, wie der Aalener Einzelhandel dann auf die Verlässlichkeit dieses Gremiums blickt“, schloss Albrecht.

Dr. Frank Gläser, Fraktionssprecher der AfD, widersprach Albrecht und sagte: „Ich bin Radfahrer.“ Ihm zufolge hat sich die Nachfrage nach Rädern und Service massiv erhöht. Die Gefahr, dass andere Händler Umsatzeinbrüche zu befürchten hätten, sah er daher nicht.

Für die Linken signalisierte Christa Klink Zustimmung. Oberbürgermeister Frederick Brütting sagte: „Weniger Baumarkt und mehr Fahrrad: Da bin ich dabei.“ Wer sich die aktuelle Verteilung der Filialen von B.O.C. ansehe, würde erkennen, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis der Händler eine Filiale in Ostwürttemberg aufmache. Der OB schloss: „Dann bitte in Aalen.“

Am Ende stimmten sieben Mitglieder des Gemeinderats (alle vier Freien Wähler und drei von den Grünen) gegen die Änderung des Bebauungsplans. Alle anderen, also die Mehrheit, stimmten dafür. Damit ist der Aufstellungsbeschluss für die Änderung des Bebauungsplans gefasst. Das ist der erste Schritt in einem mehrstufigen Verfahren hin zu einem neuen Bebauungsplan.

Der Baywa-Markt an der Aalener Gartenstraße.
Der Baywa-Markt an der Aalener Gartenstraße.
Der Baywa-Markt an der Aalener Gartenstraße.

Kommentare