Kontroverses Konzept

SAP will Mitarbeiter in „Performer“ und „Nicht-Performer“ einteilen - das trifft auf massive Kritik

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Der Softwarekonzern SAP gilt als beliebter Arbeitgeber. Ein neues System sorgt jedoch für massive Kritik und Unsicherheiten in der Belegschaft.

Walldorf - Die SAP mit Sitz im baden-württembergischen Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) ist das mit Abstand wertvollste börsennotierte Unternehmen Deutschlands. Das schlägt sich auch bei den Gehältern nieder, die beim Softwarekonzern sehr hoch einzustufen sind. Dennoch hatte der SAP-Betriebsrat in der Vergangenheit eine „Gerechtigkeitslücke“ bei den Gehältern bemängelt und meinte damit den Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Mitarbeitern des Konzerns bei der Bezahlung. Im Rahmen eines neuen Bewertungssystems will die SAP Mitarbeiter ebenfalls unterscheiden, allerdings nicht nach dem Geschlecht, sondern nach der Leistung.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Wie zuerst das Handelsblatt in Bezug auf Managementkreise der SAP berichtet hatte, sollen Manager des Softwarekonzerns ihre Mitarbeiter künftig in drei Kategorien einteilen. Während die am besten eingeteilten Angestellten in den Genuss von Bonusleistungen kommen, wird die Luft für die am schlechtesten bewerteten Mitarbeiter dünn. Der SAP-Betriebsrat läuft gegen die Pläne der Konzernspitze Sturm und befürchtet die Rückkehr zu einem System, mit dem in den 1980er Jahren systematisch schlechte Mitarbeiter aussortiert wurden. Zuletzt musste bei der SAP auch der langjährige Personalchef Cawa Younosi gehen.

SAP will Mitarbeiter in „Performer“, „Achiever“ und „Improver“ einteilen

Dass in erfolgreichen DAX-Konzernen ein gewisser Leistungsdruck herrscht, dürfte wohl kaum jemanden verwundern. Eine Einteilung in gute und schlechte Mitarbeiter im Rahmen eines Systems hat dann aber doch einen bitteren Beigeschmack. Laut Handelsblatt sind die drei Kategorien, in die die Mitarbeiter eingeteilt werden sollen, zum einen „Performer“, die besonders von Bonuszahlungen profitieren sollen, „Achiever“, die die Erwartungen des Konzerns erfüllen, und „Improver“, die sich weiter verbessern müssen. Laut den Informationen aus Managerkreisen sollen drei bis fünf Prozent der Belegschaft in die letztere Kategorie fallen, das Unternehmen kommentierte solche Zahlen nicht.

Name SAP SE
Gründung April 1972
Hauptsitz Walldorf, Baden-Württemberg
Branche Software
CEOChristian Klein
Mitarbeiter 111.961 (2022)
Umsatz 30,9 Milliarden Euro (2022)

Die SAP ist nicht nur für gute Gehälter bekannt, sondern auch für Bonuszahlungen und -leistungen. So bietet der Softwarekonzern frisch gebackenen Vätern nach der Geburt ihres Kindes ein besonderes Benefit. Von solchen und vielen weiteren – wie beispielsweise dem Meeting-freien Freitag – profitieren derzeit alle Beschäftigten. Das könnte sich mit dem neuen System aber ändern. Gerade für die „Improver“, die sich verbessern müssen, dürfte es ungemütlich werden. Vorgesehen ist nämlich, dass sie durch einen „Performance Improvement Plan“ konkrete Vorgaben erhalten, wie sie sich zu verbessern haben.

SAP-Betriebsratsboss kritisiert Pläne: „Halte ich für sehr problematisch“

Wie zu erwarten war, treffen die Pläne der SAP auf der Arbeitnehmerseite auf massive Kritik. „Ein Bewertungssystem, welches systematisch vermeintliche Minderleister identifiziert, halte ich für sehr problematisch“, erklärte Konzern-Betriebsratschef Eberhard Schick. „Irgendwelche Quoten für Abteilungen würden das noch verschärfen. Solche Maßnahmen würden das Arbeitsklima bei SAP nachhaltig verschlechtern.“ Arbeitnehmervertreter erinnert die geplante Maßnahme offenbar an das sogenannte „Stack Ranking“, mit dem Firmen in den 1980er Jahren, hauptsächlich in den USA, jedes Jahr die vermeintlich schlechtesten Mitarbeiter aussortiert hatten. Diese Managementmethode ist inzwischen stark umstritten.

Softwarekonzern SAP will seine Mitarbeiter im Rahmen eines neuen Systems nach Leistung einteilen. Das stößt auf Kritik.

Ob das umstrittene System in dieser Form umgesetzt werden kann, ist offen, da bei der SAP ein Mitbestimmungsrecht gilt und somit auch die Sozialpartner zustimmen müssen. In der Vergangenheit hatte der Softwarekonzern aus Baden-Württemberg Mitarbeitern entsprechend ihren Leistungen Noten erteilt. Die Mitarbeiter konnten auch die Führungsebene benoten, diese Maßnahme wurde vor einigen Jahren jedoch abgeschafft. Abgeschafft hatte die SAP in diesem Jahr zudem auch den zusätzlichen Urlaubstag für Mitarbeiter.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Schoening

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