VonJulian Baumannschließen
Der Softwarekonzern SAP gilt als beliebter Arbeitgeber. Ein neues System sorgt jedoch für massive Kritik und Unsicherheiten in der Belegschaft.
Walldorf - Die SAP mit Sitz im baden-württembergischen Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) ist das mit Abstand wertvollste börsennotierte Unternehmen Deutschlands. Das schlägt sich auch bei den Gehältern nieder, die beim Softwarekonzern sehr hoch einzustufen sind. Dennoch hatte der SAP-Betriebsrat in der Vergangenheit eine „Gerechtigkeitslücke“ bei den Gehältern bemängelt und meinte damit den Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Mitarbeitern des Konzerns bei der Bezahlung. Im Rahmen eines neuen Bewertungssystems will die SAP Mitarbeiter ebenfalls unterscheiden, allerdings nicht nach dem Geschlecht, sondern nach der Leistung.
Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg




Wie zuerst das Handelsblatt in Bezug auf Managementkreise der SAP berichtet hatte, sollen Manager des Softwarekonzerns ihre Mitarbeiter künftig in drei Kategorien einteilen. Während die am besten eingeteilten Angestellten in den Genuss von Bonusleistungen kommen, wird die Luft für die am schlechtesten bewerteten Mitarbeiter dünn. Der SAP-Betriebsrat läuft gegen die Pläne der Konzernspitze Sturm und befürchtet die Rückkehr zu einem System, mit dem in den 1980er Jahren systematisch schlechte Mitarbeiter aussortiert wurden. Zuletzt musste bei der SAP auch der langjährige Personalchef Cawa Younosi gehen.
SAP will Mitarbeiter in „Performer“, „Achiever“ und „Improver“ einteilen
Dass in erfolgreichen DAX-Konzernen ein gewisser Leistungsdruck herrscht, dürfte wohl kaum jemanden verwundern. Eine Einteilung in gute und schlechte Mitarbeiter im Rahmen eines Systems hat dann aber doch einen bitteren Beigeschmack. Laut Handelsblatt sind die drei Kategorien, in die die Mitarbeiter eingeteilt werden sollen, zum einen „Performer“, die besonders von Bonuszahlungen profitieren sollen, „Achiever“, die die Erwartungen des Konzerns erfüllen, und „Improver“, die sich weiter verbessern müssen. Laut den Informationen aus Managerkreisen sollen drei bis fünf Prozent der Belegschaft in die letztere Kategorie fallen, das Unternehmen kommentierte solche Zahlen nicht.
| Name | SAP SE |
|---|---|
| Gründung | April 1972 |
| Hauptsitz | Walldorf, Baden-Württemberg |
| Branche | Software |
| CEO | Christian Klein |
| Mitarbeiter | 111.961 (2022) |
| Umsatz | 30,9 Milliarden Euro (2022) |
Die SAP ist nicht nur für gute Gehälter bekannt, sondern auch für Bonuszahlungen und -leistungen. So bietet der Softwarekonzern frisch gebackenen Vätern nach der Geburt ihres Kindes ein besonderes Benefit. Von solchen und vielen weiteren – wie beispielsweise dem Meeting-freien Freitag – profitieren derzeit alle Beschäftigten. Das könnte sich mit dem neuen System aber ändern. Gerade für die „Improver“, die sich verbessern müssen, dürfte es ungemütlich werden. Vorgesehen ist nämlich, dass sie durch einen „Performance Improvement Plan“ konkrete Vorgaben erhalten, wie sie sich zu verbessern haben.
SAP-Betriebsratsboss kritisiert Pläne: „Halte ich für sehr problematisch“
Wie zu erwarten war, treffen die Pläne der SAP auf der Arbeitnehmerseite auf massive Kritik. „Ein Bewertungssystem, welches systematisch vermeintliche Minderleister identifiziert, halte ich für sehr problematisch“, erklärte Konzern-Betriebsratschef Eberhard Schick. „Irgendwelche Quoten für Abteilungen würden das noch verschärfen. Solche Maßnahmen würden das Arbeitsklima bei SAP nachhaltig verschlechtern.“ Arbeitnehmervertreter erinnert die geplante Maßnahme offenbar an das sogenannte „Stack Ranking“, mit dem Firmen in den 1980er Jahren, hauptsächlich in den USA, jedes Jahr die vermeintlich schlechtesten Mitarbeiter aussortiert hatten. Diese Managementmethode ist inzwischen stark umstritten.
Ob das umstrittene System in dieser Form umgesetzt werden kann, ist offen, da bei der SAP ein Mitbestimmungsrecht gilt und somit auch die Sozialpartner zustimmen müssen. In der Vergangenheit hatte der Softwarekonzern aus Baden-Württemberg Mitarbeitern entsprechend ihren Leistungen Noten erteilt. Die Mitarbeiter konnten auch die Führungsebene benoten, diese Maßnahme wurde vor einigen Jahren jedoch abgeschafft. Abgeschafft hatte die SAP in diesem Jahr zudem auch den zusätzlichen Urlaubstag für Mitarbeiter.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Schoening

