Schock für Standort Gmünd: Bosch will weitere 1300 Stellen streichen

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Firma Bosch im Schießtal
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Der Lenkungshersteller verschärft seinen Sparkurs. Der Standort in Gmünd soll bis 2030 massiv schrumpfen. „Ein Schlag ins Gesicht“.

Schwäbisch Gmünd. Der Bosch-Konzern verschärft seinen Sparkurs. Deutschlandweit will das Unternehmen weitere 3800 Stellen abbauen. Besonders schwer trifft es den Standort Schwäbisch Gmünd: Dort sollen 1300 Arbeitsplätze gestrichen werden – zusätzlich zum ohnehin beschlossenen Abbau, der bis 2026 die Reduzierung auf 2850 Beschäftigte vorsieht.

Schwäbisch Gmünd besonders betroffen

„Die Ankündigung des Unternehmens, Personal in diesem Ausmaß zu reduzieren, ist für die Mitarbeiter ein Schlag ins Gesicht“, sagt Frank Sell, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats des Unternehmensbereichs Mobility Solutions von Bosch. Für den Standort Gmünd bedeutet das: Von den einstmals mehr als 5000 Arbeitsplätzen würden im Jahr 2030 rund 1500 Stellen übrigbleiben.

Gespräche mit Arbeitnehmervertretern geplant

Der Bosch-Konzern will nun die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern aufnehmen. Das Unternehmen bestätigt auf Anfrage die von der IG Metall genannten Zahlen. Es argumentiert mit dem gestiegenen Kostendruck im Markt für Fahrzeuglenkungen und verweist auf die schwierige Lage im Automobilmarkt. „Die globale Fahrzeugproduktion wird in diesem Jahr voraussichtlich bei rund 93 Millionen Einheiten stagnieren oder sogar leicht gegenüber dem Vorjahr zurückgehen“, so Bosch. „Die Automobilbranche leidet unter erheblichen Überkapazitäten.“

„Der Wettbewerb und der Preisdruck haben sich spürbar verschärft“, sagt Bosch-Pressesprecherin Andisheh Feuerstein. Der Standort in Gmünd, wo Lenkungen für Pkw und Nutzfahrzeuge hergestellt werden, konkurriere mit Wettbewerbern, die ihre Standorte in kostengünstigeren Ländern und damit deutliche Vorteile hätten.

Verlagerung nach Ungarn

„Wir haben zwar die Kostenposition unserer Lenkungssparte in den vergangenen Jahren durch verschiedene Maßnahmen verbessern können, allerdings reichen diese unter den heute verschärften Marktbedingungen nicht aus, um nachhaltig auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu kommen“, erläutert Götz Nigge, Bereichsvorstandsmitglied des Geschäftsbereichs mit Zuständigkeit für kaufmännische Aufgaben. Der bisherige Plan, die Zahl der Stellen bis 2026 auf 2850 zu reduzieren, reiche nicht aus. „Wir brauchen eine Neuaufstellung bei der Lenkung. Wir bedauern die erforderlichen Maßnahmen, sehen aber keine andere Möglichkeit zum Erhalt unserer Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Nigge. Man wolle Funktionen bündeln und Kosten senken.

Die Produktion der Nutzfahrzeuglenkungen soll nach Maklar in Ungarn verlagert werden, die Produktion von Pkw-Lenkungen in Gmünd verbleiben. Bedeutet: Am Standort Gmünd soll auch nach dem Jahr 2030 produziert werden, allerdings beinhalten die Pläne auch die Verlagerung von Funktionen (und damit wohl auch Stellen) nach Abstatt. Dort soll langfristig der noch junge Bosch-Bereich Vehicle Motion, zu der die frühere Robert Bosch Automotive Steering und die Chassisparte des Konzerns seit Beginn des Jahres gehören, seinen Sitz haben. In Abstatt will Bosch AS die zentralen Funktionen von Vehicle Motion bündeln.

Kritik von IG Metall und Betriebsrat

Die IG Metall

kritisiert das Vorgehen des Konzerns scharf. „Der zusätzliche Personalabbau innerhalb kürzester Zeit lässt das Vertrauen in die Geschäftsführung schwinden“, so Sell. „Wir werden unseren Widerstand zu diesen Plänen nun auf allen Ebenen organisieren.“ Es gelte, ein neues und belastbares Konzept für Chancen, Innovationen und Investitionen in Deutschland zu entwickeln.

Tamara Hübner von der IG Metall Schwäbisch Gmünd/Aalen sagt: „Es ist ein absoluter Schock für die Beschäftigten am Standort Schwäbisch Gmünd.“ Zuletzt seien sie noch vom Arbeitgeber informiert worden, dass 2024 endlich der Turn-Around ins Positive gelungen sei. „Die Beschäftigten haben in den letzten Jahren viel gegeben: neben unablässigem Engagement auch harte Beiträge“, so Hübner. „Die Pläne des Unternehmens sind ein Affront gegen die Beschäftigten.“ Bosch habe insbesondere als Stiftungsunternehmen und den eigenen Statuten eine besondere Verantwortung; diese lasse sich bei diesem Verhalten gänzlich vermissen: „So sieht keine Zukunft aus.“

Weitere Stellenstreichungen in Deutschland

Nicht nur in Schwäbisch Gmünd baut Bosch weitere Stellen ab. Wie die IG Metall mitteilt, gibt es auch im Hildesheimer Werk, wo Bosch Produkte für die Elektromobilität fertigt, einen Abbau von 750 Stellen, auch an den Standorten Leonberg, Abstatt, Renningen und Schwieberdingen sollen 1750 Arbeitsplätze auf der Kippe stehen.

Die Meldung wurde am Freitag, 22.11., um 18:10 Uhr aktualisiert.

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