Heikle Gerüchte

Bosch will seine Werke in Russland verkaufen – nach China

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Der Technologiekonzern Bosch will seine Werke nahe der russischen Stadt St. Petersburg verkaufen. Abnehmer ist offenbar ein Unternehmen aus China.

Stuttgart/St. Petersburg - Nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine im Februar 2022, der nach wie vor anhält, haben sich viele westliche Unternehmen als Reaktion aus Russland zurückgezogen oder zumindest die dortigen Aktivitäten unterbrochen. Autokonzern Mercedes-Benz hat die Exporte nach Russland frühzeitig gestoppt und sich Ende 2022 ganz aus dem Land zurückgezogen und auch Porsche-Chef Oliver Blume hatte erklärt: „Solange Krieg herrscht, wird nicht geliefert.“ Das Russlandgeschäft des weltgrößten Autozulieferers Bosch kam zwar ebenfalls zum Erliegen, der Stuttgarter Technologiekonzern hatte jedoch angekündigt, die Bevölkerung weiterhin zu versorgen – beispielsweise mit Heizkesseln.

Der Konzern aus Stuttgart geriet im Rahmen des Ukraine-Krieges in die Kritik, weil die Schwaben laut dem ukrainischen Außenminister Komponenten für russische Panzer geliefert haben sollen. Bosch-Chef Stefan Hartung, der von den Anschuldigungen per SMS erfuhr, wies diese jedoch entschieden zurück. Obwohl Bosch angekündigt hatte, sich nicht vollständig aus Russland zurückziehen zu wollen, sucht der Konzern offenbar seit einiger Zeit nach Abnehmern für seine Werke außerhalb der Stadt St. Petersburg. Laut der russischen Wirtschaftszeitung Kommersant soll ein Verkauf an ein chinesisches Elektronikunternehmen bereits feststehen.

Bosch verkauft Werke bei St. Petersburg offenbar an chinesischen Elektronikkonzern

Bosch betreibt in Russland mehrere Werke, nahe St. Petersburg werden beispielsweise Haushaltsgeräte produziert. Im vergangenen Jahr haben die Stuttgarter ihre Tätigkeiten in dem Land allerdings immer weiter heruntergefahren. In der „Hall of Shame“ eines Yale-Professors bekam Bosch im April 2022 jedoch nur die Note „befriedigend“. Ein Verkauf der beiden Werke nahe St. Petersburg ist offenbar ein weiterer Schritt, sich von Russland zu lösen, der angebliche Abnehmer dürfte jedoch zu Kritik führen. Laut Kommersant verhandelte die Bosch-Führung für den Verkauf mit mehreren Unternehmen, darunter zwei aus China und einem nicht näher genannten türkischen Investor.

NameRobert Bosch GmbH
Gründungsjahr1886
GründerRobert Bosch
HauptsitzStuttgart, Baden-Württemberg
BrancheAutomobilzulieferer, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte
ProdukteBremsen, Einspritzsysteme, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte, Fahrerassistenzsysteme, Industrietechnik
Mitarbeiter 420.300 (2022)
Umsatz 88,4 Milliarden Euro (2022)

Der Elektronikkonzern Hisense aus Tsingtau (China), der auch eine deutsche Niederlassung in Garching bei München betreibt, soll laut dem Bericht unter den Mitbewerbern die günstigste Rückkaufoption angeboten haben. Demnach hält sich Bosch eine eventuelle Rückkehr auf den russischen Markt nach Ende des Krieges offen. Auch Mercedes-Benz hatte lange an einer solchen Option festgehalten, im Oktober 2022 jedoch erklärt, die Standorte vollständig an einen Investor verkaufen zu wollen. Heikel an einem Verkauf der Bosch-Werke an ein chinesisches Unternehmen ist der Umstand, dass die Volksrepublik und Russland enge wirtschaftliche Beziehungen führen.

Bosch widerspricht Berichten: Verkauf der russischen Werke noch nicht abgeschlossen

Im Rahmen der Sanktionen gegen Russland haben viele westliche Unternehmen ihre Werke und Standorte an russische Investoren verkauft. Die Baumarktkette Obi gab ihre Russland-Filialen komplett auf, ein Unternehmer kaufte sie für umgerechnet zehn Euro. Auch Bosch hatte in den vergangenen Monaten mehrere Produktions- und Forschungsstandorte in dem Land an Investoren verkauft, im Falle der Werke bei St. Petersburg liegt laut der Bosch-Vertretung aber noch keine Einigung vor.

Technologiekonzern Bosch hat für seine beiden Werke nahe der russischen Stadt St. Petersburg offenbar einen Abnehmer gefunden.

Eine nicht näher benannte Quelle, die offenbar mit den Verhandlungen vertraut ist, hatte Kommerant zufolge dagegen erklärt, Hisense habe die Vermögenswerte der Bosch-Werke bereits gekauft.

Rubriklistenbild: © imago stock&people

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