Bürgermeister in Aalen: Schwarzendorfer und Steidle gewählt

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Bernd Schwarzendorfer hat die Wahl zum Sozialbürgermeister gewonnen. Er geht nach vorne ans Rednerpult, um die Wahl anzunehmen und sich für das Vertrauen des Gemeinderats zu bedanken. Foto: Peter Hageneder
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Der Gemeinderat wählt Ersten und Baubürgermeister Wolfgang Steidle (CDU) wieder. Neuer Sozialbürgermeister wird Bernd Schwarzendorfer (parteilos).

Aalen. Ein spannender Wahl-Nachmittag geht am Montag um 17.21 Uhr zu Ende. Oberbürgermeister Frederick Brütting gibt das Ergebnis der Stichwahl zum Sozialbürgermeister bekannt. Auf Ralf Meiser (Grüne) entfallen 21 Stimmen, auf Bernd Schwarzendorfer (parteilos) 24 Stimmen. Damit wird Schwarzendorfer Aalens neuer Sozialbürgermeister. Sein Amt tritt der 52-Jährige am 1. Februar 2024 an. Gewählt ist er für acht Jahre.

Zuvor ist Erster und Baubürgermeister Wolfgang Steidle (CDU) - wenig überraschend - in seinem Amt bestätigt worden. Um 15.58 gibt der OB bekannt, dass 45 von 46 Stimmen auf Steidle entfallen. Ein Mitglied des Gemeinderats hat sich enthalten. Niemand stimmt für den Gegenkandidaten Ronny Ensslin. Steidles erste Amtszeit endet am 6. Januar. Nun ist der 48-jährige Architekt für weitere acht Jahre wiedergewählt.

Der Kommentar zum Thema: Schlappe für die Grünen

Das Interesse an der Sitzung ist riesig. Vor der Zuschauertribüne hat die Verwaltung weitere Stühle aufgestellt. Doch auch die reichen nicht. Mitarbeitende bringen weitere Stühle. Auch die reichen nicht. Die Letzten stehen hinten im Ratssaal. Außerdem wird der Liveticker unserer Redaktion sehr gut angenommen.

Steidle will Arbeit fortsetzen

Der Baubürgermeister ist im Moment der Erste Bürgermeister oder Erste Beigeordnete. Dass beide Ämter verbunden bleiben werden, hat der Gemeinderat im Vorfeld schon entschieden. Steidle verwendet wenig Zeit darauf, sich vorzustellen. Er hat - wie alle anderen auch - 15 Minuten Redezeit und geht kurz auf Werdegang und erste Amtszeit ein. In den letzten acht Jahren sei viel erreicht worden. Das wolle er gerne fortsetzen. Ausführlicher spricht er über Themen, die ihm wichtig sind: starke Teilorte, attraktive Wohnangebote, Aalen als starker Wirtschaftsstandort, Treffpunkte für das soziale Miteinander, Klimaschutz und Investitionen in Bildung und Betreuung. Steidle erntet am Ende langen Applaus.

Ob Frederick Brütting (links), Wolfgang Steidle und dessen Frau Katharina.

Ensslin und sein Projekt

Anschließend wird Ronny Ensslin in den Sitzungssaal gerufen. Er hängt am Rednerpult eine Art Transparent auf. Darauf steht Artikel 3 Grundgesetz, also dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Ensslin beginnt: „Mein Name ist Ronny Ensslin, ich bin 48 Jahre alt.“ Nach einer schweren Jugend sei er mit 18 auf der Straße gelandet. Da habe er Gott gebeten: „Lieber Gott, führe Du mich durchs Leben.“ Er könne kein Studium vorweisen oder Abitur, dafür Lebenserfahrung.

Wenn es nach Ensslin geht, soll der Bauhof Aufgaben abgeben an Menschen, die ihren Lebensunterhalt bislang nicht selbst erwirtschaften können. Er nennt dieses Projekt „Wake up“, also „Wacht auf“. Es sei das Ergebnis seiner langjährigen Recherchen als Clown.

Nach seiner Rede bekommt Ensslin kurzen Applaus und OB Brütting eröffnet den Wahlgang. Die Wahl ist geheim. In alphabetischer Reihenfolge werden die Mitglieder des Rats in die beiden Wahlkabinen gerufen, dann wird ausgezählt. Steidle gewinnt klar. Es gibt stehende Ovationen. Steidle nimmt die Wahl an und bedankt sich für das Vertrauen. Steidle: „Ich freue mich auf acht Jahre weiteres Gestalten und sehr gute Zusammenarbeit.“

Frederick Brütting (links) gratuliert Bernd Schwarzendorfer und seiner Partnerin Heidi Schwartz.

Themen, die Meiser wichtig sind

Mit Spannung wird die Wahl zum Sozialbürgermeister erwartet. Amtsinhaber Karl-Heinz Ehrmann tritt nicht mehr an. Das Rennen um seine Nachfolge ist offen. Als erster Bewerber spricht Ralf Meiser. Als Grünen-Stadtrat ist der 51-Jährige den Kolleginnen und Kollegen im Ratssaal gut bekannt.

Hauptberuflich leitet er die Alemannenschule in Hüttlingen. Er wolle „verwalten und gestalten“, sagt Meiser. Drei Themen sind ihm besonders wichtig: Fachkräfte für die Stadtverwaltung zu gewinnen und zu binden, den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken und die bestmöglichen Bildungs- und Betreuungsmöglichkeiten in der Stadt bieten. „Kein Kind darf verloren gehen“, sagt Meiser. Am Ende seiner Rede folgt langer Applaus.

Das Interesse an der Sitzung ist groß.

Vetter: „Ich habe Feuer in mir“

Als zweiter Bewerber spricht Jan-Peter Vetter (unabhängig). Der 48-jährige Wirtschaftsfachwirt stellt sich ausführlich vor. Im Moment ist er als Dozent in der Bildungs- und Tagungsstätte der Bundesagentur für Arbeit in Aalen tätig.

Vetter spricht verschiedene Themen an, die ihm wichtig sind: Synergien zwischen Vereinen und Schulen, die richtige Ansprache von Jugendlichen, die Frage, ob für Menschen mit Beeinträchtigung oder für Menschen mit viel Lebenserfahrung genug getan wird, Integration, Digitalisierung, Tourismus und die Stadt Aalen als „Arbeitgebermarke“ weiter zu stärken. Vetter: „Ich habe nicht nur Lust, ich habe Feuer in mir für dieses Amt.“ Es folgt Applaus. Als dritter und letzter Bewerber stellt sich Schwarzendorfer vor. Der 52-Jährige verwendet viel Redezeit auf seinen Werdegang. Aktuell ist er Dezernent im Landratsamt Biberach. Er habe 30 Jahre Erfahrung in der Verwaltung. „Für das Amt des Bürgermeisters bin ich bestens vorbereitet. Ich habe aber auch großen Respekt und Demut vor dieser Aufgabe“, sagt er.

Die Stimmen werden ausgezählt.

Viel Beifall für Schwarzendorfer

Schwarzendorfer geht auf Themen ein, die ihm wichtig sind: Bildung und Betreuung, Digitalisierung, eine Verwaltung, die für alle da ist, die sieben, bald acht Ortsteile und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Schwarzendorfer schließt: „Lassen Sie uns gemeinsam die Zukunft angehen!“ Es folgt langer Applaus.

OB Brütting stellt fest, dass 45 stimmberechtigte Mitglieder anwesend sind, Ralf Meiser ist befangen, die absolute Mehrheit liegt damit bei 23. Im ersten Wahlgang schafft keiner der Bewerber diese Marke. Zwei Stimmen entfallen auf Vetter, 21 Stimmen auf Meiser und 22 Stimmen auf Schwarzendorfer.

Sieg in der Stichwahl

Eine Stichwahl zwischen Meiser und Schwarzendorfer wird nötig. Vetter ist raus. Schwarzendorfer gewinnt knapp. Er nimmt die Wahl an und sagt: „Ich bin schon etwas überwältigt.“ Ihm sei klar gewesen, dass es eine enge Wahl wird. Das habe sich so bestätigt. Er bedankt sich für das Vertrauen. „Ich werde alles dafür tun, dass ich dieses Vertrauen nicht enttäuschen werde.“ Er möchte allen die Hand reichen, die ihn nicht gewählt haben.

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