VonJürgen Steckschließen
Die Parteien im Ostalbkreis bereiten sich auf die Bundestagswahl am 23. Februar vor. Während einige schon ihre Kandidaten nominiert haben, hinken andere noch hinterher.
Aalen. Am 23. Februar soll der neue Bundestag gewählt werden. Gut drei Monate sind es nur noch bis dahin. Und vorher muss ja noch einiges getan werden. Vor allem braucht es dafür: Kandidatinnen und Kandidaten.
Die CDU hat die Hausaufgaben gemacht
Ihre diesbezüglichen Hausaufgaben hat die CDU im Ostalbkreis bereits erledigt und ist nach eigenen Angaben "gut aufgestellt". Die beiden Direktkandidaten, Inge Gräßle in Schwäbisch Gmünd und Roderich Kiesewetter in Aalen, wurden bereits im Juli nominiert – und hatten dabei jeweils 99 Prozent der Stimmen erhalten. Beide, Kiesewetter und Gräßle, sind nicht über die Landesliste der CDU abgesichert. Das bedeutet, sie können ein Bundestagsmandat nur dadurch gewinnen, dass sie jeweils ihren Wahlkreis gewinnen. Im Kreisverband ist man sehr zuversichtlich, dass beiden Kandidaten das gelingt. Ein bisschen spannend wird es dennoch. Denn nach der Wahlreform zur Verkleinerung des Bundestages ist nicht mehr gewährleistet, dass jeder Kandidat, der einen Wahlkreis gewinnt, auch automatisch ein Mandat für den Bundestag erhält.
Auswirkungen der Wahlrechtsreform
Hintergrund: Eine Partei bekommt jetzt nur noch so viele Sitze, wie ihr nach dem Zweitstimmenergebnis zustehen. Hat sie mehr Wahlkreise gewonnen, als ihr Sitze zustehen, bekommen die Wahlkreissieger mit den schlechtesten Wahlergebnissen keinen Platz im Bundestag. Allein der Sieg in einem Wahlkreis bedeutet also nicht automatisch, dass man ein Mandat errungen hat. Für Kiesewetter und Gräßle geht es also darum, den Wahlkreis zu gewinnen und zudem ein im Vergleich möglichst gutes Ergebnis zu erzielen.
Die Grünen haben bereits nominiert
Nominiert ist ebenso Ricarda Lang (Bündnis 90/Die Grünen). Sie wurde im Oktober mit aus Sicht des Kreisverbandes "beeindruckenden 91 Prozent" der Stimmen zur Bundestagskandidatin für den Wahlkreis Schwäbisch Gmünd gewählt. Im November hat dann der Wahlkreis Aalen/Heidenheim nachgezogen: In einer Kampfabstimmung in der Festhalle in Unterkochen setzte sich Dr. Jeanette Behringer aus Kösingen gegen Hauke Ott aus dem Raum Heidenheim durch. Behringer ist Politikwissenschaftlerin und hat ihren Dienstsitz an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Lang wie Behringer schaffen es wahrscheinlich nur über die Landesliste in den Bundestag. Also ist eine Platzierung weit vorne auf der Liste entscheidend. Ricarda Lang ist zwar nicht mehr Bundesvorsitzende. Aber sie verfügt nach Informationen aus Parteikreisen immer noch über eine entsprechende Hausmacht, die ihr einen guten Listenplatz ermöglichen könnte.
Die Genossen müssen sich anstrengen
Die Sozialdemokraten im Ostalbkreis hingegen müssen sich sputen. Bislang gibt es keine Nominierten. Und auch die entsprechenden Nominierungsversammlungen müssen erst noch terminiert werden. Der Kreisvorsitzende der SPD, Jakob Unrath, kündigt auf Anfrage der Redaktion an, dass an diesem Mittwoch Termine und mögliche Kandidatinnen und Kandidaten bekannt gegeben werden.
Ostalb-AfD mit Aussichten auf Mandat
Die AfD hat landesweit ihre Liste erstellt – und beim AfD-Kreisverband ist die Freude groß: Man spricht von einem "richtungsweisenden Parteitag" und von einem "klaren Signal der Einheit". Der bisherige Landtagsabgeordnete Ruben Rupp wurde auf den Listenplatz 5 gewählt und wird aus Sicht des AfD-Kreisverbandes "unseren Kreis daher alsbald in Berlin vertreten". Von Direktkandidaten im Wahlkreis war bislang nichts zu erfahren. Derzeit entsendet die AfD zehn Abgeordnete aus Baden-Württemberg nach Berlin. Der fünfte Platz von Rupp dürfte daher als sehr sicher gelten, wenn die AfD ein ähnliches Ergebnis wie bei der Wahl im Jahr 2021 erzielt. Aus dem Aalener Raum findet sich kein Bewerber auf der Landesliste.
Von der FDP gibt es bislang weder eine Landesliste, noch ist etwas von Direktkandidaten bekannt. Ebenso schaut es aus mit dem Bündnis Sarah Wagenknecht (BSH). Roland Hamm aus Aalen, der dem BSW nahesteht, dementiert auf Anfrage, dass er eine Kandidatur erwägt. Auch von den Linken gibt es noch keine veröffentlichte Landesliste.
