Mercedes-Chef warnt vor AfD-Politik

Ola Källenius: „2024 würde ohne Menschen mit Migrationshintergrund kein einziges Auto vom Band laufen“

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In einem Interview ruft Mercedes-Chef Ola Källenius seine Beschäftigten dazu auf, bei der Europawahl gegen Extremismus zu stimmen. Auch für den Anti-AfD-Brief von Reinhold Würth findet er lobende Worte.

Baden-Württemberg – Für seinen Brief an seine Mitarbeiter, in dem er dazu aufruft, nicht die AfD zu wählen, erhielt der schwäbische Unternehmer Reinhold Würth unzählige Reaktionen. Auf X tobte ein Shitstorm, doch viele Menschen lobten den „Schraubenkönig“ auch für seine klaren Worte. Im Interview mit dem ZDF erklärt der 89-Jährige: „Wir machen normalerweise keine Politik im Unternehmen. Im Fall der AfD ist das eine Ausnahme, weil eben das Grundgesetz angegriffen wird.“

Anlässlich des 75. Geburtstags des Grundgesetzes (23. Mai) haben sich nun auch Mercedes-Chef Ola Källenius und Siemens-Chef Roland Busch zu den politischen Entwicklungen in Deutschland geäußert – und zeigen klare Kante gegen Extremismus. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung rufen ihre Mitarbeiter dazu auf, bei der Europawahl am 9. Juni keine extremistischen Parteien zu wählen. Wäre ein Aufruf an die Mitarbeiter wie bei Würth auch bei Mercedes und Siemens denkbar?

„Verdient Respekt“: Ola Källenius lobt Aktion von Reinhold Würth

Ola Källenius findet lobende Worte für den Anti-AfD-Brief von Reinhold Würth.

„Ich habe den Brief von Reinhold Würth gelesen“, sagt Ola Källenius. „Ich finde das ganz stark, dieses Engagement verdient Respekt.“ Einen solchen Mitarbeiterbrief bei Mercedes gab es zwar nicht, allerdings würdigt der schwäbische Autobauer mit seiner Kampagne „Freiheit ist ein starker Motor“ das Grundgesetz. „Wir rufen dazu auf, wählen zu gehen“, so Källenius. „Dieser Aufruf ist parteipolitisch neutral, jeder wählt seine Richtung, aber die Werte des Grundgesetzes dürfen nicht infrage gestellt werden.“

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Wie Källenius betont, wolle Mercedes „im Rahmen seiner Möglichkeiten“ im Unternehmen deutlich machen, auf welchem Fundament das deutsche Erfolgsmodell beruhe. Auch Siemens-Chef Roland Busch kann das nur unterstreichen – und verweist auf die Allianz „Wir stehen für Werte“, in der sich 30 deutsche Firmen und Organisationen zusammengeschlossen haben und sich klar zu einem geeinten Europa bekennen.

„2024 würde kein einziges Auto vom Band laufen ohne Menschen mit Migrationshintergrund“

Dass die AfD, die in Teilen als rechtsextremistisch unter Beobachtung steht, bei den kommenden drei Landtagswahlen im Herbst in einigen Bundesländern zur stärksten Kraft werden könnte, beunruhigt Källenius. „Wir haben in Deutschland 114.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 121 Nationen“, sagt er der FAZ. Die Stadt Sindelfingen, das Mercedes-Werk und die Region hätten enorm von Zuwanderung profitiert. „2024 würde bei uns kein einziges Auto vom Band laufen ohne Menschen mit Migrationshintergrund. Ohne sie wären diese Autos auch nicht entwickelt worden.“

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

„Ein Austritt aus der EU, wie die AfD ihn zum Teil fordert, wäre eine wirtschaftliche Katastrophe“, sagt Källenius. Werte wie Toleranz, Offenheit, Demokratie und Freiheit seien extrem hohe Güter. „Ich frage mich oft, ob die handelnden Personen, die mit ihren Parolen diese Werte negieren, tatsächlich verstehen, was die Konsequenzen sind. Wir müssen deutlich machen, wie gefährlich eine solche Politik wäre.“

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

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