VonSina Alonso Garciaschließen
In einem Interview ruft Mercedes-Chef Ola Källenius seine Beschäftigten dazu auf, bei der Europawahl gegen Extremismus zu stimmen. Auch für den Anti-AfD-Brief von Reinhold Würth findet er lobende Worte.
Baden-Württemberg – Für seinen Brief an seine Mitarbeiter, in dem er dazu aufruft, nicht die AfD zu wählen, erhielt der schwäbische Unternehmer Reinhold Würth unzählige Reaktionen. Auf X tobte ein Shitstorm, doch viele Menschen lobten den „Schraubenkönig“ auch für seine klaren Worte. Im Interview mit dem ZDF erklärt der 89-Jährige: „Wir machen normalerweise keine Politik im Unternehmen. Im Fall der AfD ist das eine Ausnahme, weil eben das Grundgesetz angegriffen wird.“
Anlässlich des 75. Geburtstags des Grundgesetzes (23. Mai) haben sich nun auch Mercedes-Chef Ola Källenius und Siemens-Chef Roland Busch zu den politischen Entwicklungen in Deutschland geäußert – und zeigen klare Kante gegen Extremismus. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung rufen ihre Mitarbeiter dazu auf, bei der Europawahl am 9. Juni keine extremistischen Parteien zu wählen. Wäre ein Aufruf an die Mitarbeiter wie bei Würth auch bei Mercedes und Siemens denkbar?
„Verdient Respekt“: Ola Källenius lobt Aktion von Reinhold Würth
„Ich habe den Brief von Reinhold Würth gelesen“, sagt Ola Källenius. „Ich finde das ganz stark, dieses Engagement verdient Respekt.“ Einen solchen Mitarbeiterbrief bei Mercedes gab es zwar nicht, allerdings würdigt der schwäbische Autobauer mit seiner Kampagne „Freiheit ist ein starker Motor“ das Grundgesetz. „Wir rufen dazu auf, wählen zu gehen“, so Källenius. „Dieser Aufruf ist parteipolitisch neutral, jeder wählt seine Richtung, aber die Werte des Grundgesetzes dürfen nicht infrage gestellt werden.“
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Wie Källenius betont, wolle Mercedes „im Rahmen seiner Möglichkeiten“ im Unternehmen deutlich machen, auf welchem Fundament das deutsche Erfolgsmodell beruhe. Auch Siemens-Chef Roland Busch kann das nur unterstreichen – und verweist auf die Allianz „Wir stehen für Werte“, in der sich 30 deutsche Firmen und Organisationen zusammengeschlossen haben und sich klar zu einem geeinten Europa bekennen.
„2024 würde kein einziges Auto vom Band laufen ohne Menschen mit Migrationshintergrund“
Dass die AfD, die in Teilen als rechtsextremistisch unter Beobachtung steht, bei den kommenden drei Landtagswahlen im Herbst in einigen Bundesländern zur stärksten Kraft werden könnte, beunruhigt Källenius. „Wir haben in Deutschland 114.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 121 Nationen“, sagt er der FAZ. Die Stadt Sindelfingen, das Mercedes-Werk und die Region hätten enorm von Zuwanderung profitiert. „2024 würde bei uns kein einziges Auto vom Band laufen ohne Menschen mit Migrationshintergrund. Ohne sie wären diese Autos auch nicht entwickelt worden.“
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„Ein Austritt aus der EU, wie die AfD ihn zum Teil fordert, wäre eine wirtschaftliche Katastrophe“, sagt Källenius. Werte wie Toleranz, Offenheit, Demokratie und Freiheit seien extrem hohe Güter. „Ich frage mich oft, ob die handelnden Personen, die mit ihren Parolen diese Werte negieren, tatsächlich verstehen, was die Konsequenzen sind. Wir müssen deutlich machen, wie gefährlich eine solche Politik wäre.“
Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

