VonJulian Baumannschließen
Der schwäbische Autozulieferer Allgaier ist in die Insolvenz gerutscht. Der zuständige Gewerkschafter der IG Metall sieht das als Chance, um wieder in die Spur zu kommen.
Uhingen - Knapp ein Jahr nach dem Verkauf an einen chinesischen Investor hat der Autozulieferer Allgaier aus Uhingen (Kreis Göppingen) Insolvenz angemeldet. Genaue Gründe für die Zahlungsunfähigkeit nannte das Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg zunächst zwar nicht, die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete jedoch von massiven Problemen durch die Folgen des Ukraine-Krieges – vorrangig den hohen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal – unter denen Allgaier bereits in jüngerer Vergangenheit zu leiden hatte. Vor rund einem Monat hatte deshalb auch ein Traditions-Versandhaus aus Baden-Württemberg Insolvenz angemeldet.
Mit diesen Herausforderungen hatten und haben auch deutlich größere Unternehmen zu kämpfen. Beispielsweise rutsche der Autozulieferer Mahle aus Stuttgart tiefer in die roten Zahlen. Der erste Bevollmächtigte der IG Metall Göppingen-Geislingen sieht in der Insolvenz von Allgaier dagegen kein Ende des Traditionsunternehmens, sondern sogar große Chancen, wieder in die Spur zu kommen. Das Unternehmen wird derzeit vom Stuttgarter Rechtsanwalt Fritz Zanker verwaltet, der angekündigt hatte, dass der Betrieb und auch die Lieferungen an die Kunden zunächst aufrechterhalten werden sollen.
Allgaier-Insolvenz: IG Metall-Gewerkschafter sieht „große Chancen für eine Weiterentwicklung“
Die ursprünglich 1906 in der baden-württembergischen Gemeinde Hattenhofen gegründeten Allgaier-Werke hatten schon seit einigen Jahren mit deutlichen Problemen zu kämpfen. Die Folgen der Corona-Pandemie für die Wirtschaft und die nahtlos daran anschließenden Herausforderungen durch den Ukraine-Krieg haben die Probleme noch weiter verschärft. Allein in Deutschland arbeiten aktuell 1.600 Menschen für den Autozulieferer, weltweit gab Insolvenzverwalter Zanker die Zahl der Mitarbeiter mit rund 2.000 an. Nach der Bekanntgabe des Insolvenzverfahrens wurde bereits befürchtet, dass die 1.600 Mitarbeiter von Allgaier in Deutschland ihren Job verlieren könnten.
| Name | Allgaier Werke |
|---|---|
| Gründung | 1906 |
| Hauptsitz | Uhingen, Baden-Württemberg |
| Branche | Maschinenbau, Automobilindustrie |
| Produkte | Landmaschinen, Traktoren, Automobilteile, Maschinen und Anlagen für die Industrie |
| Leitung | Achim Agostini, Vorsitzender der Geschäftsführung |
| Mitarbeiter | 1.600 (Deutschland), 2.000 (weltweit) |
Das wies Gewerkschafter Martin Purschke im Interview mit der WirtschaftWoche aber entschieden zurück. „Wir sehen diese Stellen im Moment nicht als bedroht an“, sagte der Geschäftsführer der IG Metall Göppingen-Geislingen. „Im Gegenteil: Wäre jetzt nicht die Insolvenz eingetreten, dann wäre das ganze Unternehmen massiv gefährdet worden.“ Zuletzt hätten sich beispielsweise auch Probleme mit den Lieferanten abgezeichnet. „Die Insolvenz sehen wir nun als eine große Chance auch für eine Weiterentwicklung von Allgaier.“ Purschke sieht den Autozulieferer nach eigenen Angaben nach wie vor als solides Unternehmen an, das gut wirtschaften kann.
Autozulieferer Allgaier kämpft nicht mit Transformation, sondern mit strukturellen Problemen
Derzeit haben viele Autozulieferer mit der Transformation zur E-Mobilität zu kämpfen, da sie jahrzehntelang Komponenten für den Verbrennungsmotor gefertigt hatten. Das geht selbst an den drei größten Zulieferer-Konzernen aus Baden-Württemberg nicht spurlos vorbei, weswegen Bosch, ZF und Mahle bereits in Berlin um Staatshilfen gebeten haben. Bei Allgaier ist die Transformation laut Martin Purschke aber kein Grund für die aktuelle Schieflage. „Es ist keiner der Zulieferer, deren Geschäft der Wandel zum E-Antrieb gefährdet“, erklärte er. Natürlich gebe es Probleme, die es zu beheben gilt, ein Transformationsproblem habe Allgaier aber nicht. „Nur strukturelle Probleme im Haus, die sich sicherlich beheben lassen.“
Der Geschäftsführer der IG Metall Göppingen-Geislingen nennt als Grund für die Insolvenz für Allgaier aber, dass der chinesische Investor keinerlei Investitionen getätigt habe, obwohl es bereits im vergangenen Sommer deutlich gewesen sei, dass das Unternehmen saniert werden müsse. „Wenn jetzt der Insolvenzverwalter die Firma in die Hand nimmt, kann es endlich gelingen, das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen“, sagte Purschke im Interview mit der WirtschaftsWoche. Insolvenzverwalter Fritz Zanker hatte bereits angekündigt, in den kommenden Tagen mit seinem Team Gespräche mit Kunden und Lieferanten führen sowie die finanzielle Situation und alle Sanierungsoptionen analysieren zu wollen. Zudem soll auch ein Investorenprozess gestartet werden.
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