VonKuno Staudenmaierschließen
Einrichtung des Museums Ott-Pausersche-Fabrik aufgewertet. Wiedereröffnung mit Schätzen aus der Vergangenheit.
Schwäbisch Gmünd. Er gilt als einer der Väter des Museums Ott-Pausersche-Fabrik: Ulrich Majocco, Vorsitzender des Gmünder Museumsvereins und in den 1980er-Jahren Mitgründer der Initiative für den Erhalt der Fabrik als Museum. Mit der jetzt präsentierten Wiedereinrichtung von Musterzimmer und Direktorenbüro, davon ist er überzeugt, gewinnt das Museum an Authentizität.
Historische Aussagekraft und Substanz erhalten
Das entspreche der ursprünglichen Museumskonzeption, sagt Ulrich Majocco und damit „der Zielsetzung der Bürgerinitiative Ott-Pausersche-Fabrik und des Museumsvereins, so viel wie möglich historische Aussagekraft und Denkmalsubstanz zu erhalten“. In der Vergangenheit wurde darauf zeitweise verzichtet, die Räume wurden für Wechselausstellungen leergeräumt. Die Möblierung hat aber in den Depots des Museums überdauert. Die Rückbesinnung auf die originale Museumskonzeption biete die Chance, das Spektrum der Gold- und Silberindustrie, des einstigen Hauptgewerbes der Stadt, in seiner ganzen Breite darzustellen. Dazu gehören neben dem Design und dem Vertrieb auch die Nebengewerbe, etwa die Etuifabrikation oder die Perlstrickerei.
Die Eröffnung von Musterzimmer und Chefbüro ist für ihn ein Schritt in die richtige Richtung. Bei der Präsentation am Freitagabend erinnert Ulrich Majocco an die Entstehungsgeschichte, an die in den 1980er-Jahren weit verbreitete Meinung in Bürgerschaft und Gemeinderat, „das alte Glomb abzubrechen“. Ein gesichtsloser Neubau wäre vielleicht die Alternative gewesen, vermutet er. Für ihn ist klar: „Die Ott-Pausersche-Fabrik als unverfälschtes Dokument der Industrialisierung im 19. Jahrhundert ist ein Juwel unserer Stadt.“
Ein Juwel, das auch Museumsdirektor Dr. Max Tillmann begrüßt. Das Museum schätze es sehr, das einzigartige Denkmal Ott-Pausersche Fabrik unter seiner Obhut zu haben, sagt er. Im musealen Rundgang seien zuvor die Themen Design und Gestaltung sowie Vertrieb nicht wirklich nachvollziehbar gewesen. Nun aber werde die Wahrnehmung der Abläufe im gesamten früheren Fabrikalltag deutlich.
Mehr noch: Mit der Neueinrichtung werden auch die Musterbücher der Firma Deyle, die der Museumsverein bei der Liquidation des Unternehmens erworben hat, erstmals dauerhaft präsentiert. Ulrich Majocco: „Diese Musterbücher und Musterzeichnungen sind von hoher künstlerischer und handwerklicher Qualität und stellen einen Schatz für sich dar.“ Ulrich Majocco nutzt die Gelegenheit, auf den Sanierungsstau hinzuweisen, der sich in den letzten Jahren in der Ott-Pauserschen-Fabrik aufgebaut habe. „Seit Eröffnung des Museums hat keine nachhaltige Bauunterhaltung stattgefunden“, so der Vorsitzende des Museumsvereins. Seine Bitte an die Stadt ist es, in den nächsten Jahren die dringende Bauunterhaltung der Ott-Pauserschen-Fabrik nicht aus den Augen zu verlieren. Erste Maßnahmen seien erfreulicherweise angelaufen.
Dass die Stadt ohne das Engagement der damaligen Bürgerinitiative und des Museumsvereins ärmer dastehen würde, daran erinnert Museumschef Dr. Max Tillmann. Er dankt dem Gmünder Museumsverein und seinem Vorsitzenden Ulrich Majocco nicht nur dafür, dass er sich vor bald 40 Jahren für die Erhaltung der Fabrik eingesetzt hat, sondern auch für die Geschenke an das Museum, „die dazu beitragen, die Tradition der Gold- und Silberwarenindustrie zu visualisieren“.
Ein Juwel und ein großer Schatz für die Stadt
Ähnlich äußert sich auch Gmünds Erster Bürgermeister Christian Baron in seinem Grußwort. Er verweist auf den unschätzbaren Wert eines solchen musealen Industriedenkmals für die Stadt. „Ein großer Schatz, der Einblick gibt in die Handwerkskunst der Gold- und Silberstadt Schwäbisch Gmünd. Die neue eingerichteten Räume seien wie ein Fenster in die Vergangenheit. Man erlebe hautnah Vertrieb und Design der damaligen Zeit, das Chefbüro verrate viel über die damalige Rollenverteilung. Heute zu sehen, „weil sich der Museumsverein seit fast vier Jahrzehnten so engagiert dafür einsetzt“, sagt Christian Baron und dankt Ulrich Majocco für dessen Einsatz einst und heute.
Das Museum Ott-Pausersche-Fabrik ist von Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 19 Uhr geöffnet. Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.
