Der Rost nagt am Schwäbisch Gmünder Marktplatz-Wahrzeichen

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Alfred Duijm und Rolf-Dieter Blumer zeigen die Schäden am oberen Umlauf des Marienbrunnens.⋌
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Der Marienbrunnen muss saniert werden. Fachleute schätzen den Schaden auf mehr als 100 000 Euro. Warten auf Zuschüsse beginnt.

Schwäbisch Gmünd. Seit fast 250 Jahren steht der Marienbrunnen auf dem Gmünder Marktplatz. Sollen weitere Jahre dazu kommen, ist eine Sanierung unumgänglich. Nicht nur die Denkmalbehörde der Stadt beschäftigt sich deshalb mit der Sanierung. Seit gut einem Jahr kümmern sich Fachleute um den Zustand des Denkmals. Restauratorin Martina Fischer hat inzwischen ein Gutachten erstellt. Auch wenn der Brunnenkasten nicht undicht ist, „sind umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen nötig“, sagt die städtische Denkmal-Beauftragte Sandra Bosch. Das große Problem: Die Korrosion ist an wichtigen Stellen weit fortgeschritten.

Geduld gefragt

Mit einem raschen Sanierungsbeginn ist aber nicht zu rechnen, auch wenn inzwischen ein Zuschussantrag beim Landesdenkmalamt läuft. Bis es dort zu einer Entscheidung kommt, könne durchaus ein Jahr vergehen. Ein Jahr, in dem sich auch die Bürgerstiftung Schwäbisch Gmünd Gedanken über eine mögliche Bezuschussung machen kann. „Das Thema Marienbrunnen ist auf der Tagesordnung der Stiftung“, sagt Gmünds Erster Bürgermeister Christian Baron. Man werde auf jeden Fall darüber beraten. Erfahrung in Sachen Brunnen-Restaurierung hat die Bügerstiftung schon gesammelt: Sie hat 2017 einen Großteil der notwendigen 90 000 Euro für den Löwenbrunnen am Münster aufgebracht. Eine Summe, die diesmal möglicherweise nicht ausreichen wird. Fachleute rechnen mit über 100 000 Euro.

Korrosion vorprogrammiert

Nicht ganz fachmännisch waren vermutlich Reparaturen in der Vergangenheit. Da wurden Edelstahl und Eisen mit unterschiedlicher Legierung zusammengeschweißt. „Das verträgt sich nicht“, sagt Rolf-Dieter Blumer, viele Jahre im Landesamt für Denkmalpflege Fachmann für Metallobjekte. Die Korrosion sei damit vorprogrammiert.

Fachleute im Boot

Inzwischen sieht man schon oberflächlich Risse im Umlauf an der Brüstung. Und die hat nach Worten von Sandra Bosch auch eine statische Funktion für den Marienbrunnen. Verdeckt unter vielen Farbschichten sei der Rost. Immer wieder habe man früher Malerbetriebe mit der Verschönerung beauftragt, „das war nicht immer hilfreich“. Diesmal will sich die Stadt nur auf die Fachkenntnisse von Restauratorinnen und Restauratoren verlassen. Auch das Forschungsinstitut fem ist im Boot. Dort gibt es viele Spezialisten für Metalloberflächen.

Schäden wurden jetzt auch an der Brunnensäule festgestellt. Vor allem die Wasserspeier sind nach Worten von Sandra Bosch sanierungsbedürftig. Die Konstruktion ist wohl wegen der dort angebrachten Blumenkästen dauerfeucht und damit gefährdet. Arbeiten sind auch an der Marienstatue nötig. Der Strahlenkranz muss neu befestigt werden.

Einen Sanierungsbeschluss soll es erst geben, wenn Zuschüsse des Denkmalamts zugesagt sind.

Der Marienbrunnen war wie der Löwenbrunnen früher Teil der Wasserversorgung in Schwäbisch Gmünd. Heute ist der Brunnen auf dem Marktplatz beliebtes Fotomotiv. Denkmalforscher Richard Strobel hat den Marienbrunnen in den Gmünder Bänden der Serie „Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg“ ausführlich beschrieben. „Die Madonna fällt auf wegen ihrer zwei Bildseiten, die verschiedene Typen darstellen“, heißt es dort. Nach Norden die „Maria Lauretana“, nach dem in Loreto verehrten Gnadenbild. Nach Süden ist das die „Immaculata“ mit gefalteten Händen. Sie tritt auf den Kopf der Schlange, die die Erdkugel umwindet. Die Statue sei „wahrzeichenhaft als gegenreformatorischer Impuls der Altgläubigkeit und Weihe der Stadt an Maria errichtet worden“. Die Doppelfigur habe Seltenheitswert, als Brunnenstatue sei sie einmalig. Geschaffen wurde sie im frühen 18. Jahrhundert. Die Brunnensäule ist nach dem Original von Kaspar Vogt d.Ä. (spätes 16. Jahrhundert) 1983 kopiert worden. Der eiserne Brunnenkasten stammt aus dem Jahr 1776. Immer wieder wurde der Marienbrunnen restauriert, zuletzt 1961 und 1983.

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