VonJulian Baumannschließen
Die Weltsportart selbst wurde zwar in England erfunden, doch auch in Baden-Württemberg wird bereits seit 1905 Fußball gespielt – heute im Schatten eines Wahrzeichens.
Stuttgart - Am 6. Dezember schaute Fußballdeutschland nach Bad Cannstatt und wurde aus schwäbischer Sicht alles andere als enttäuscht: Der VfB Stuttgart setzte erneut ein Ausrufezeichen und schmiss den BVB aus dem DFB-Pokal. Der größte Sportverein Baden-Württembergs spielt auch im größten Stadion des Bundeslandes, das seit diesem Jahr MHPArena heißt. Das älteste Stadion Deutschlands steht allerdings nur wenige Kilometer vom ehemaligen Neckarstadion entfernt: im Stuttgarter Stadtteil Degerloch.
Wer von der Aussichtsplattform des Stuttgarter Wahrzeichens, dem Fernsehturm, auf die Schwaben-Metropole blickt, sieht in nicht allzu weiter Distanz zwar auch die MHPArena, direkt zu den Füßen des Turms liegt mit dem Gazi-Stadion jedoch eine Fußballarena, die eine noch längere Geschichte aufweist. Seit dem Jahr 1905, der Einweihung des Stadions, tragen die Stuttgarter Kickers ihre Heimspiele im ehemaligen Waldau-Stadion aus. Es ist damit das älteste Stadion Deutschlands, in dem noch Fußball gespielt wird.
Die sieben schönsten Aussichtspunkte in Stuttgart




Das Gazi-Stadion auf der Waldau ist das älteste Fußballstadion Deutschlands
Die Grundfeste des heutigen Gazi-Stadions auf der Waldau, oftmals weiterhin nur Waldau-Stadion genannt, war ein lediglich von einem Zaun umfasster Platz im Stadtteil Degerloch. Dieser erste geschlossene Sportplatz der Stadt Stuttgart wurde am 18. Juni 1905 mit dem Spiel zwischen den Stuttgarter Kickers, damals noch FC Stuttgarter Cickers, und dem inzwischen im Karlsruher SC aufgegangenen Verein Phönix Karlsruhe eröffnet. Zu dem Zeitpunkt hieß der Platz noch schlicht Kickers-Platz, auf dem 1911 das erste Länderspiel der Geschichte in Stuttgart (Deutschland gegen die Schweiz (6:2)) stattfand.
| Name | Gazi-Stadion auf der Waldau |
|---|---|
| Adresse | Guts-Muths-Weg 4, Stuttgart, Baden-Württemberg |
| Eigentümer | Stadt Stuttgart |
| Stadtteil | Degerloch |
| Kapazität | 11.468 Plätze |
| Oberfläche | Naturrasen |
| Erstes Spiel | Stuttgarter Kickers – Phönix Karlsruhe (18. Juni 1905) |
| Heimspielbetrieb | Stuttgarter Kickers (seit 1905) |
| Stuttgart Scorpions (seit 1995) | |
| Stuttgart Surge (seit 2021) | |
| vorherige Namen | Kickers-Platz/Kickers-Stadion, Waldau-Stadion |
Wie die Stuttgarter Kickers auf ihrer Website schreiben, besaß der Kickers-Platz bis 1975 eine Holztribüne, die der des Premier-League-Clubs FC Arsenal im Maßstab 3:1 nachempfunden war. Aufgrund von Auflagen des Deutschen Fußballbunds (DFB) musste die Konstruktion aber 1976 weichen. Das eigentliche Stadion, in dem neben den Kickers auch die American-Football-Mannschaften Stuttgart Scorpions und Stuttgart Surge beheimatet sind, wurde laut Angaben des Vereins im Jahr 1976 erbaut. Von 1987 bis 2004 hieß das Stadion nach dem gleichnamigen Wildpark „Waldau-Stadion“.
Fußballstadion in Stuttgart-Degerloch wurde mehrfach modernisiert und erweitert
Nachdem die Stadt Stuttgart das Fußballstadion auf der Waldau im Jahr 1998 übernommen hatte, wurde es grundlegend ausgebaut. Zusätzlich zur Haupttribune entstanden hinter beiden Toren Stehtribünen für jeweils rund 2.500 Zuschauer, zudem wurde eine Flutlichtanlage installiert und die Gegengerade überdacht. Da das seit 2004 nach der bekanntesten Marke des Stuttgarter Molkerei-Unternehmens Garmo, offiziell Gazi-Stadion auf der Waldau, heißende Stadion dennoch nicht allen Anforderungen des DFB für die dritte Liga entsprach, wurde es 2014/2015 komplett modernisiert und erweitert.
Die Stadt Stuttgart investierte laut einer Pressemitteilung aus dem Jahr 2015 14,6 Millionen Euro in die Modernisierung des ältesten Fußballstadions in Deutschland. Im Jahr 2018 wurde die Heimat der Kickers erneut renoviert. Der damalige Nationaltrainer Jogi Löw hielt den Rasen im Gazi-Stadion im Jahr 2020 dennoch für zu schlecht und verlagerte das Training im Vorfeld eines Spiels gegen Spanien deshalb zum VfB Stuttgart.
Das Gazi-Stadion, in dem seit bald 120 Jahren Fußball gespielt wird, hat seit Februar 2015 aber eine Rasenheizung. Das ist gerade in den Wintermonaten auch notwendig, da das Stadion mit seiner Höhenlage von knapp 500 Metern über dem Meeresspiegel auch eines der höchstgelegenen in Deutschland ist.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Baumann

