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Das älteste archäologische Freilichtmuseum Deutschlands befindet sich in Baden-Württemberg

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Das älteste archäologische Freilichtmuseum Deutschlands ist zwar nicht so alt wie die Epoche, die es abbildet, kann aber dennoch auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken.

Unteruhldingen - Wer an den Fachbereich Archäologie denkt, dem kommt meist die Ausgrabung von Menschen- und Tierknochen oder die Freilegung längst vergessener Städte und Bauwerke in den Sinn. Auch in Baden-Württemberg wurden in den vergangenen Jahren so einige interessante archäologische Funde gemacht. 2020 beispielsweise bargen Forscher in Tuttlingen einen 1.500 Jahre alten Sarg, der große Fragen aufwirft. Im selben Jahr entdeckten Archäologen am Bodensee die Überreste einer Hinrichtungsstätte aus der Zeit zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert.

Am Bodensee befindet sich mit dem Pfahlbaumuseum Unteruhldingen zudem das älteste und eines der größten Freilichtmuseen Deutschlands. Das Museum umfasst 23 Pfahlbauten aus der Stein- und Bronzezeit sowie einen angeschlossenen Museumsbau. Ganz so alt wie die Zeit, die das Museum mit archäologischen Funden im Inneren und den Nachbauten der Pfahldörfer zum Leben erweckt, ist das Freilichtmuseum am Bodensee zwar nicht. Es ist aber seit mehr als 100 Jahren eine beliebte Anlaufstelle für Jung und Alt.

Das 1922 eröffnete Pfahlbaumuseum Unteruhldingen ist das älteste archäologische Freilichtmuseum Deutschlands.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen zeigt Bauwerke und Gegenstände aus der Stein- und Bronzezeit

In Baden-Württemberg zeugen viele imposante Burgen, Schlösser und auch die größte Burgruine Deutschlands von der Vergangenheit des südwestdeutschen Bundeslandes. Was im bereits 1922 in Unteruhldingen (Bodenseekreis) eröffneten Pfahlbaumuseum gezeigt wird, datiert allerdings noch viele tausende Jahre weiter zurück. Detailgetreue Nachbildungen von Dörfern und Bauten aus der Stein- und Bronzezeit, rund 1.000 archäologische Fundstücke und ein Steinzeitparcours, der die Bauweise der Pfahlbauer veranschaulicht, erwecken eine Zeit von vor rund 10.000 Jahren zum Leben.

Das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen umfasst mehrere Nachbauten historischer Siedlungen aus der Stein- und Bronzezeit.

Das Freilichtmuseum umfasst mehrere Rekonstruktionsabschnitte, die seit der Eröffnung mehrfach umgebaut und erweitert wurden. Die einzelnen Abschnitte sind mit hölzernen Stegen verbunden und gliedern sich vom Eingang aus gesehen wie folgt:

  • Die Häuser von 1922: Die zwei ersten im Freilichtmuseum erbauten Häuser sind Nachbauten der jungsteinzeitlichen Siedlung Riedschachen bei Bad Schussenried. Sie beherbergen heute die Ausstellung „100 Jahre Pfahlbauten“.
  • Das bronzezeitliche Dorf „Wasserburg Buchau“: Das Dorf ist ein Nachbau der spätbronzezeitlichen Siedlung Wasserburg Buchau aus der Zeit um 1050 vor Christus, die im heutigen Kreis Biberach lag. Der Nachbau wurde in den Jahren 1923 bis 1931 errichtet.
  • Das bronzezeitliche Dorf „Uhldingen-Stollenwiesen“: Das Dorf besteht aus fünf Gebäuden und greift die Themen Wohnen, Handwerk, Umwelt, Tiere sowie Kult und Religion in der Bronzezeit auf. Ein real existierendes Vorbild hat das Dorf nicht. Stattdessen wurde versucht, ein Abbild eines Bronzezeitdorfes von vor rund 3.000 Jahren zu schaffen.
  • Das steinzeitliche Dorf „Sipplingen“: Das Dorf steht direkt am Seeufer und besteht aus sechs Pfahlhäusern, die von einer hölzernen Palisade umgeben sind. Erbaut wurde es zwischen 1938 und 1940 nach dem Vorbild der Ausgrabungen vor der Gemeinde Sipplingen. Das Dorf ist demnach einer Siedlung aus der Jungsteinzeit (circa 3.500 vor Christus) nachempfunden.
  • SWR-Steinzeitdorf: Dieser Nachbau einer Siedlung aus der Steinzeit entstand im Rahmen einer Koproduktion zwischen dem Südwestrundfunk (SWR) und dem Bayerischen Rundfunk (BR). Bei dieser wurde eine Gruppe von 13 Personen für zwei Monate zurück in das Leben der Steinzeit versetzt. Daraus entstand der Dokumentarfilm „Steinzeit – Das Experiment“.
  • Hornstaad-/Arbonhaus: Die beiden Häuser entstanden 1996 und 1998 und sind Nachbauten von Steinzeithäusern, die zur Prüfung der Haltbarkeit solcher Bauwerke errichtet wurden. Das Hornstaadhaus ist einer steinzeitlichen Siedlung aus dem Jahr um 3912 vor Christus nachempfunden, die am Ufer der Höri, einer Halbinsel im Bodensee, ausgegraben wurde. Das Arbonhaus wurde nach der steinzeitlichen Siedlung Arbon-Bleiche II im Kanton Thurgau (Schweiz) modelliert.

    Quelle: pfahlbauten.de
Auch im Inneren der Pfahlbauten wird mit viel Liebe zum Detail das Leben in der Stein- und Bronzezeit veranschaulicht.

Neben dem Freilichtmuseum umfasst das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen zwei Museumsgebäude. Im sogenannten Alten Museum werden historische Werkzeuge und andere Gegenstände im Rahmen der Ausstellung „Pfahlbauten rund um die Alpen“ ausgestellt. Das Neue Museum befindet sich in der Entstehung und soll im Mai 2024 bezugsfertig sein.

Pfahlbaumuseum am Bodensee ist ein beliebtes Ausflugsziel für Schulklassen und Reisegruppen

Das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen ist seit seiner Eröffnung ein beliebtes Ausflugsziel für Schulklassen und andere Reisegruppen und wurde von 1922 bis 2013 von mehr als 13 Millionen Menschen besucht. Das Freilichtmuseum ist in den Monaten Januar und Februar sowie Dezember nur für Gruppen und nur nach Voranmeldung geöffnet. Vom 1. bis zum 22. März und vom 4. bis zum November ist es am Wochenende von 10 bis 17.30 Uhr geöffnet und im restlichen Jahr (23. März bis 3. Oktober) täglich von 10 bis 18 Uhr. Letzter Einlass für Besucher ist laut der Website 30 Minuten vor Schließung.

Das Pfahlbaumuseum am Bodensee ist ein beliebtes Ausflugsziel und wurde von 1922 bis 2013 von über 13 Millionen Menschen besucht.

Preislich liegt das älteste Freilichtmuseum Deutschlands bei 12 Euro für einen Erwachsenen und 8 Euro für Kinder von 5 bis 15 Jahren. Kinder unter vier Jahren erhalten in Begleitung ihrer Eltern freien Eintritt. Für Studenten und Schüler sowie Besucher mit Handicap gibt es durch Vorlage eines entsprechenden Nachweises einen Euro Rabatt. Einen Besuch wert sind auch einige wirklich kuriose Museen in Baden-Württemberg.

Rubriklistenbild: © IMAGO/imageBROKER/Michael Nitzschke

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