Umfrage in Stuttgart

Unentschlossenheit, Sorgen, Merz‘ Wortbruch – was Baden-Württemberger vor der Bundestagswahl umtreibt

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Viele Bürger sind sich vor der Bundestagswahl am 23. Februar gerade aufgrund aktueller Debatten in Berlin unschlüssiger denn je, was sie wählen sollen. Andere vertreten eine ganz klare Meinung. IPPEN.MEDIA war auf Stimmenfang in Stuttgart.

Stuttgart – Die Entwicklung der politischen Landschaft in Deutschland ist brisanter denn je. Radikalisierungen in der Wählerschaft sind nicht nur in Statistiken spürbar, auch bei einer IPPEN.MEDIA-Umfrage äußern sich Stuttgarter Bürger teils politisch scharf, teils human. Besorgt sind alle.

Die Brandmauer zwischen CDU und AfD ist gefallen. Wie stehen Stuttgarter mit Blick auf die Bundestagswahl zu dem Thema?

Die Brandmauer fällt und mit ihr die Entschlossenheit vieler Wähler in Stuttgart

Durch den Fall der Brandmauer sind potenzielle CDU-Wähler ins Wanken geraten. So auch Christian Peha. Er sieht einen Wortbruch im Handeln der CDU, die laut ihm in bisherigen Legislaturperioden „ganz ok“ gehandelt hätte. Was seine Stimmabgabe für die Bundestagswahl angehe, ist der junge Stuttgarter nun unschlüssig. „Auf jeden Fall hat es Einfluss genommen, dadurch dass die CDU gesagt hat, sie würde sich niemals mit dieser Partei verbünden, was sie jetzt doch gemacht hat.“ Norbert Hill (69) sieht das ähnlich. „Das, was da abgelaufen ist, geht gar nicht und dann später sagen, die SPD, FDP oder Grünen hätten nur zusagen müssen.“ Der Rentner betitelt das Verhalten von Friedrich Merz als „Hula-Hoop“.

Besonders irritiert in Bezug auf die Debatte zeigt sich Fritzine Hornung. „Tatsächlich hat es mich etwas verunsichert, dass man auf einmal irgendwie in Richtung rechts zugeordnet wird, wo man auf gar keinen Fall hinmöchte.”

Fritzine Hornung möchte mit ihrer Stimmabgabe kein rechtes Gedankengut unterstützen

Anette Wasser hingegen sieht die Entwicklung in der Brandmauer-Debatte ein wenig anders. „Ich fand’s positiv von der CDU, dass sie sich jetzt so positioniert hat.“ Man hätte „dadurch die AfD ins Abseits gedrängt; Migration ist natürlich ein Thema, aber es ist jetzt einfach zu viel.“ Man müsse bewerkstelligen, „dass die Menschen hier auch einen Platz finden.“ Ferner beteuert Frau Wasser: „Ich wähle nicht die AfD.“

IPPEN.MEDIA-Deutschland-Umfrage zur Bundestagswahl

Wie ticken die Deutschen kurz vor der Bundestagswahl? Wie reagieren sie auf Merz‘ harten Migrationskurs und die gemeinsame Abstimmung von Union und AfD im Bundestag? IPPEN.MEDIA fühlt in mehreren deutschen Großstädten den Puls der Wählerinnen und Wähler eine Woche vor der Wahl. Das gesammelte Ergebnis lesen Sie hier und hier geht es zur München-Umfrage, Hamburg-Umfrage, Frankfurt-Umfrage und zur Hamm-Umfrage.

Von leeren Schlagwörtern und Wirtschaft

Auch wenn das Verhalten von CDU und AfD zu Unstimmigkeiten bei der Wahlentscheidung geführt hat, bleiben andere Wählerkreise gänzlich verschont. Für Kilian Acher waren beide Parteien „eh unwählbar... von vornherein!“ Er verlangt „eine nahbare Politik – für den Großteil der Bevölkerung und nicht den Kleinstteil der Bevölkerung.“ Das erreiche man vor allem durch den Versuch, „Menschen zu politisieren, mehr zuzuhören, Themen auch medial mehr so zu formulieren, dass es nicht nur irgendwelche Schlagwörter sind.“

Kilian Acher wünscht sich eine nahbare Politik für alle Teile der Bevölkerung mit klarer Kommunikation.

Eins dieser Schlagworte ist das Thema Wirtschaft. Auch wenn es laut Umfrage zu den Topthemen zählt, ist es das, wozu die wenigsten eine konkrete Meinung äußern können – außer Nam Nguyen. Der junge Vietnamese äußert sich so: „Es ist schwierig durch den Ukraine-Krieg und Corona, dass wir jetzt zur Normalität zurückkehren – vor allem, was die Preise betrifft. Es gab ja jetzt zum Glück eine kurze Deflation. Ich hoffe, dass das jetzt mal so bleibt und nicht durch Zölle oder Ähnliches steigt.“ Das ist eine Anspielung auf die von Donald Trump angekündigten „gegenseitigen Zölle“, die tatsächlich ein Hindernis im wirtschaftlichen Aufschwung darstellen könnten.

Neben der Wirtschaft beschäftigt ihn aber auch die Entwicklung in der Migrationspolitik.

Umwelt und Sozialismus vor allem für junge Wähler wichtige Themen

Gerade die junge Wählerschaft schlägt in ihrem Votum in eine Richtung ein. Für Clara Schiere (24) spielt das Thema elternunabhängiges BAföG eine wichtige Rolle. Zudem wünscht sich die junge Studentin, „dass die Bahngleise ausgebaut werden – und nicht die Autobahn.“ Diese Aspekte sehe sie vor allem im Wahlprogramm der Linken vertreten.

Clara Schiere (24): „BAföG soll nicht mehr vom Einkommen der Eltern abhängen.“

Die Debatte um den ÖPNV unter dem Oberbegriff des Klimaschutzes, den vor allem die Grünen behandeln, ist auch für Amaël Picot (19) von tragender Bedeutung. „Was ich an den Grünen cool finde, ist der Umweltaspekt, weil wir brauchen ja den Planeten, um zu leben.“

Wie Stuttgart und Baden-Württemberg im Allgemeinen letztlich wählen, können Sie am 23. Februar in unserem Live-Ticker verfolgen.

Rubriklistenbild: © Alexander Hofer

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