VonGerhard Königerschließen
Die Kreisärzteschaft warnt davor, politisch zu entscheiden und hat die Sorge, dass die Gesundheitsversorgung im östlichen Teil des Ostalbkreises sich dramatisch verschlechtert.
Ellwangen
Am kommenden Dienstag entscheidet der Kreistag über das Zukunftskonzept der Kliniken Ostalb. Die Sitzungsvorlage hat 280 Seiten. Zwar werden die Mitglieder des Kreisrats lediglich über die Eckpunkte des „Modell Regionalversorgung“ abstimmen. Das Modell mit Zentralklinikum, zwei klinischen Grund/Basisversorgern (in Mutlangen und Ellwangen) sowie einem ambulanten Gesundheitszentrum (Bopfingen) soll weiterverfolgt werden.
So weit, so gut. Das Modell an sich können ja viele mittragen - im Kreistag und auch bei den Vorstandsmitgliedern der Kreisärzteschaft. Kritik kommt aus ihren Reihen aber, wenn es um Details geht. In einer Anlage wird in der Sitzungsvorlage die künftige Ausgestaltung der einzelnen Kliniken skizziert, nach dem Augurtzky-Gutachten - und da legt sich die Stirn von Dr. Walter Hauf in Falten und erklärt: „Für Ellwangen ist eine zentrale Notaufnahme oder Notfallpraxis oder Notfall-MVZ genannt. Das darf aber nicht sein. Nur noch Notfallpraxis hieße, es gibt keine 24/7-Versorgung mehr.“
Dr. Sebastian Hock warnt zudem, dass noch gar nicht klar ist, ob das Land überhaupt drei Kliniken für den Ostalbkreis genehmigt. Aus Ärztesicht seien alle drei Kliniken wichtig, aber sie müssten vom Rettungsdienst angefahren werden können. Auch Ellwangen brauche die zentrale Notaufnahme mit Intensivmedizin und das dafür nötige Personal. „Unsere Bevölkerung muss versorgt sein, auch die in Stödtlen, Tannhausen, Unterschneiheim, Bopfingen“, sagt Dr. Horst Köddermann, der als „letzter Arzt in Baden-Württemberg“ mit Wohnsitz Trochtelfingen seit langem erlebt, wie die Versorgung auch am Rand des benachbarten Bayern immer weiter ausdünnt, wie er sagt. „Ein Haus ohne 24/7-Notaufnahme wäre für den Ellwanger Raum viel dramatischer als für Gmünd, wo man besser eingebettet ist in die regionale Kliniklandschaft“, sagt er.
Dass in der Übergangszeit, also bis zum Bau des neuen Zentralklinikums in vielleicht zehn Jahren, bereits Strukturen abgebaut werden, etwa die Tumorbehandlung, hält Hock für „kompletten Unsinn, weil die Chefärzte ihre Ausbildungsbefähigung verlieren.“ Das urologische Fachpersonal aus Ellwangen lasse sich auch nicht einfach nach Gmünd umsetzen.
Hauf: „Die Unfallchirurgie weg, die Geburtshilfe weg, die Orthopädie weg, die ist nicht mehr explizit aufgeführt. Sollen die Leute mit einem verdrehten Knie, einem gestauchten Handgelenk wirklich alle zum Zentralversorger?“ Eine Reduzierung des Angebots an der Virngrundklinik werde sich negativ auf die niedergelassenen Ärzte auswirken. „Für uns Fachärzte bedeutet das: die Klinik als Backup fällt weg. Die Praxen werden sich um das große Haus gruppieren, die Praxen werden aus der Fläche verschwinden.“ Dass Tumorpatienten zur ambulanten Chemo eine Stunde bis nach Mutlangen fahren sollen, hält er für kaum zumutbar.
Die Überlegung, dass ambulante Behandlung Personalressourcen freisetzen soll, sehen die Ärzte nicht. „Auch Tagespatienten brauchen Personal.“ Für niedergelassene Ärzte werde es aber schwerer, wenn eine Parallelstruktur aufgebaut wird.
