VonJulian Baumannschließen
Ein ICE entgleist durch einen Erdrutsch in Schwäbisch Gmünd. Während Einsatzkräfte und freiwillige Helfer gegen die Fluten kämpfen, drohen weitere Schauer und Gewitter.
Stuttgart - Zwei Waggons eines ICE sind in Schwäbisch Gmünd aufgrund eines Erdrutsches, der durch anhaltenden Regen verursacht wurde, entgleist. Ein Bahnsprecher bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass alle 185 Passagiere bei dem Vorfall am späten Samstagabend unversehrt blieben und aus dem Zug evakuiert wurden. In der Nacht zum Sonntag waren Einsatzkräfte und freiwillige Helfer im Südwesten des Landes aufgrund von Hochwasser und drohenden Überflutungen im Einsatz. Obwohl der Deutsche Wetterdienst (DWD) vorhersagt, dass der Dauerregen am Sonntag etwas nachlassen wird, sind ab dem Vormittag erneut starke Schauer und Gewitter zu erwarten.
Die ersten beiden Waggons des ICE sprangen laut dem Bahnsprecher gegen 23.20 Uhr aus den Gleisen, kippten jedoch nicht um. Aufgrund des Hochwassers in Süddeutschland war der Zug zuvor auf eine alternative Strecke umgeleitet, auf der das Unglück schließlich passierte. Da die Bahnstrecke und eine Kreisstraße parallel zum Ort des Erdrutsches verlaufen, war auch ein Auto vom Erdrutsch betroffen, dessen Fahrer ebenfalls unverletzt blieb. Schwäbisch Gmünd, das etwa 50 Kilometer östlich von Stuttgart liegt, hatte wie viele Teile Baden-Württembergs seit Freitag erhebliche Niederschläge erlebt.
Hunderte Helfer in Baden-Württemberg im Einsatz - noch keine Entwarnung für Sonntag
In anderen Gebieten Baden-Württembergs waren Hunderte von Feuerwehrleuten, Technischem Hilfswerk und Deutschem Roten Kreuz damit beschäftigt, Sandsäcke zu verbauen, Keller auszupumpen oder Straßen zu sperren. Besonders betroffen waren Oberschwaben und der Bodenseekreis. Laut DWD zeichnete sich in den von Hochwasser betroffenen oder bedrohten Gebieten eine leichte Entspannung beim Niederschlag ab. Ein Meteorologe sagte am Samstagabend, dass der Dauerregen im Laufe der Nacht nachlassen würde. Zuvor hatte der Deutsche Wetterdienst für mehrere Landkreise im Südwesten vor „Gefahr für Leib und Leben“ gewarnt.
Entwarnung geben können die Experten allerdings noch immer nicht, da von Norden her neue Schauer und Gewitter aufziehen, die vor allem am Sonntagnachmittag erneut die Gefahr lokaler Überflutungen mit sich bringen könnten. Die Schauer könnten heftig sein und sich nur langsam bewegen. „Wenn das auf die gesättigten Böden trifft, dann hat man dort auch wieder schnell Überflutungen“, warnte der Meteorologe. Bereits am Samstag hatte der Dauerregen im Südwesten für Pegelstände gesorgt, die statistisch gesehen nur einmal in mehr als hundert Jahren erreicht werden.
Schule und Kita überflutet - Feuerwehr rechnet mit sinkenden Pegelständen im Bodenseekreis
Der Bodenseekreis erwartet laut Angaben vom Samstag weitere starke Regenfälle. Insbesondere an der Schussen ist die Situation weiterhin angespannt. Auch für Argen, Rotach und Seefelder Aach konnte bislang keine Entwarnung gegeben werden. In Meckenbeuren (Bodenseekreis) wurde eine Schule überflutet. Ein Sprecher sagte am Samstag, dass die Bildungsstätte im Ortsteil Kehlen nicht mehr zu halten gewesen sei und auch die verbauten Sandsäcke das Wasser nicht aufhalten konnten. Am Freitag wurde rund 1.300 Bewohner der Gemeinde geraten, aufgrund der akuten Überflutungsgefahr ihre Häuser zu verlassen.
Ein Feuerwehrsprecher sagte, dass sich die Lage zwischenzeitlich etwas entspannt habe. Man ging generell davon aus, dass die Pegelstände wieder etwas sinken könnten, da viel Wasser bereits abgeflossen sei, etwa in den Bodensee. In Wollmatingen, einem Stadtteil von Konstanz, stand eine Kita unter Wasser, wie die Stadt mitteilte. Die Einrichtung wird am Montag nicht öffnen können, es wird nach einem alternativen Ort für die Kinderbetreuung gesucht. In Weingarten bei Ravensburg sprach die Stadt am Samstagabend von einer „weitestgehend stabilen“ Lage. Eine Sprecherin teilte mit, dass weniger Niederschläge erwartet würden. (dpa/jul)
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