VonFranziska Schusterschließen
Wie der Name schon vermuten lässt, ist der Japankäfer nicht in Baden-Württemberg beheimatet. Doch der Schädling könnte für die Pflanzenwelt im Südwesten zur Gefahr werden, warnen Forscher.
Karlsruhe - Manch einer mag den kleinen Käfer mit seinen metallisch grünen Farben und den kleinen weißen Haarbüscheln entlang des Körpers niedlich finden. Doch der Japankäfer könnte in naher Zukunft der Endgegner der Landwirte hierzulande werden. Ursprünglich stammt das grüne Krabbeltier aus Ostasien, wurde jedoch in Nordamerika und Europa eingeschleppt. Seit einigen Jahren taucht der Käfer immer wieder auch in Europa auf, wurde schon in Italien, der Schweiz und Österreich entdeckt. 2021 wurde schließlich auch ein Exemplar in Basel nahe der deutschen Grenze gefunden. Nun droht der Schädling auch in Baden-Württemberg Fuß zu fassen.
In Freiburg sowie in Weil am Rhein (Landkreis Lörrach) waren in diesem Juli erneut männliche Japankäfer in Fallen des Pflanzenschutzdienstes geraten. Auch in der benachbarten Schweiz, genauer gesagt in Kloten bei Zürich, nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, konnte sich offenbar eine kleine Population des Japankäfers etablieren. „Mit der ersten Population des Japankäfers nördlich der Alpen hat sich die Gefährdungslage für Baden-Württemberg deutlich verschärft“, teilte das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit.
Japankäfer hinterlassen Schneise der Verwüstung: Landwirtschaft und Gärten im Südwesten bedroht
Bei den Fachleuten herrscht seit der erneuten Funde der Japankäfer „Alarmstimmung“. Und das nicht ohne Grund. Der Japankäfer mag im ersten Moment kaum von seinen Artgenossen, den Maikäfern, zu unterscheiden zu sein. Lediglich die weißen Haarbüschel am Körper weisen darauf hin, dass es sich um die asiatische Gattung handelt. Der Plagegeist ist jedoch um einiges gefräßiger als der Maikäfer. Dass er nun auch in mehreren Fällen in Baden-Württemberg nachgewiesen werden konnte, ist vor allem für Landwirte und Gärtner ein großes Problem. Zunächst waren es vor allem männliche Exemplare gewesen, die vermutlich als „blinde Passagiere“ nach Baden-Württemberg gekommen waren. Im Juli vergangenen Jahres wurde erstmals ein Japankäfer-Weibchen in Baden-Württemberg nachgewiesen.
Merkmale des Japankäfers:
- zwischen 0,8 und 1,1 Zentimeter lang
- grün schimmernder Kopf und Halsschild
- braune Flügeldecken
- fünf weiße Haarbüschel an jeder Hinterleibsseite und zwei weiße Haarbüschel am Ende des Hinterleibs
(Quelle: ltz.landwirtschaft-bw.de)
Das Insekt ernährt sich von einer Vielzahl von Pflanzen, darunter Obstbäume, Gemüsepflanzen und Zierpflanzen. Die erwachsenen Käfer fressen an den Blättern, während die Larven im Boden die Wurzeln der Pflanzen beschädigen. Aufgrund ihrer aggressiven Fressgewohnheiten und der Fähigkeit, sich schnell zu vermehren, können Japankäfer erhebliche Schäden in landwirtschaftlichen Flächen und Gärten anrichten. Die Käfer können Forschern zufolge mehr als 300 Wirtspflanzen befallen, es blieben dann oft nur die Gerippe der Blätter zurück, „die Pflanze wird stark geschwächt oder stirbt sogar ab“.
Auch Grasflächen können dem Schädling zum Opfer fallen. Die weiblichen Käfer legen ihre Eier vorzugsweise im feuchten Gras ab. Nach dem Schlüpfen machen sich die Larven über die Graswurzeln her. Die Folge: Die Graspflanzen sterben, es bleibt brauner Rasen zurück. Der Japankäfer ist nicht die einzige invasive Art, mit der Baden-Württemberg zu kämpfen hat. Die aus Südeuropa und Nordafrika stammende Nosferatu-Spinne wurde bereits in Pforzheim und Karlsruhe nachgewiesen.
Bevölkerung zur Mithilfe aufgerufen: Wer Japankäfer findet, soll Foto an Experten schicken
Eine Ansiedlung des Japankäfers müsse verhindert werden, schreibt das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg in einer Pressemitteilung mit. Dies sei am ehesten möglich, „wenn die Käfer möglichst früh – bevor sie sich vermehrt haben – gefunden werden“, heißt es weiter. Daher haben die Forscher ein Netz aus insgesamt 57 Fallen in ganz Baden-Württemberg aufgestellt. Diese liegen vor allem entlang der Hauptverkehrsadern im Südwesten. In den Grenzgebieten tausche man sich mit Kollegen aus Frankreich und der Schweiz aus.
Landwirte und Gärtner setzen verschiedene Methoden ein, um diese Schädlinge zu bekämpfen, einschließlich Fallen, Insektiziden und biologischen Kontrollmaßnahmen. Bei der Bekämpfung der invasiven Art sind die Forscher auch auf Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen. Wer mögliche Japankäfer sieht oder gar gefangen hat, soll diese fotografieren oder auch einfrieren. Unter Angabe des Fundortes kann das Foto dann per Mail pflanzengesundheit-kaefer@ltz.bwl.de an die Experten in Karlsruhe weitergeleitet werden. Diese prüfen dann die Fotos und leiten bei Bestätigung des Fundes gegebenenfalls weitere Maßnahmen ein.
Auch bei anderen invasiven Arten bitten Forschende oftmals um Hinweise aus der Bevölkerung, so etwa beim „tödlichsten Tier der Welt“, der Tigermücke. Drei weitere exotische Mückenarten breiten sich in Baden-Württemberg aus.
Der Japankäfer
Der Japankäfer (Popillia japonica) ist ein Insekt aus der Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae). Ursprünglich stammt er aus Ostasien, insbesondere aus Japan, China und Korea. Der Käfer ist jedoch inzwischen zu einem invasiven Schädling geworden und wurde in verschiedene Teile der Welt, einschließlich Nordamerika und Europa, eingeschleppt. Der Japankäfer ist durch seine metallisch grüne Färbung und seine markanten weißen Haarbüschel entlang der Seiten des Körpers leicht zu erkennen. Er hat eine kurze Lebensdauer von etwa 30 bis 45 Tagen.
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