VonJan Sigelschließen
Nach einem ausführlichen Austausch hat der Gemeinderat Essingen am Dienstagabend in einer außerordentlichen Sitzung eine Entscheidung in Sachen möglichem Klinik-Neubau getroffen.
Essingen
Sollte sich der Kreistag für den Neubau eines geplanten Zentralklinikums auf der „grünen Wiese“ entscheiden, könnte dieser im Stockert bei Essingen entstehen. Das hat der Gemeinderat am Dienstagabend in einer außerordentlichen Sitzung im Ostalbforum einstimmig beschlossen.
Vorausgegangen war ein Austausch darüber, ob sich der Gemeinderat ein Zentralklinikum auf Essinger Gemarkung überhaupt vorstellen könne. Denn wie Bürgermeister Wolfgang Hofer informierte, hatte die Kreisverwaltung die Gemeinde aufgefordert, sich am Bieterverfahren zu beteiligen. Bis einschließlich 10. November können sich hierbei Kommunen mit einem potenziellen Klinikstandort bewerben.
"Eine Klinik und kein Atomkraftwerk"
Dies sei eine Entscheidung mit „enormer Tragweite“, betonte Holger Franke (SPD). Denn „natürlich wird das Auswirkungen auf Essingen haben“, sagte Stefanie Endig (FWV). Doch letztlich gehe es um eine Klinik und um kein Atomkraftwerk, so Gerhard Brüning (SPD).
„Wir machen uns die Entscheidung nicht leicht“, wandte sich Helmut Borst (FWV) an die rund 100 anwesenden Bürger. Doch trotz aller berechtigter Kritik, so Johannes Blank (CDU), müsse man ein mögliches Zentralklinikum auch als „Chance für die Gemeinde“ sehen.
Argumente für und gegen ein Klinik-Neubau
Argumente dafür sind dem Gemeinderat zufolge unter anderem, dass Essingen sich weiter entwickle, im Kreis an Bedeutung gewinne, eine optimale medizinische Versorgung bekomme und der Bahnhalt reaktiviert werden könnte.
Gegen einen möglichen Neubau spreche der „enorme Flächenverbrauch“, waren sich die Gemeinderäte einig. Auch das zu erwartende höhere Verkehrsaufkommen, die steigenden Grundstückspreise und dass Essingen mit einem Klinikum keine zusätzliche Gewerbesteuer einnehmen würde, sah das Gremium als weitere Nachteile. „Das ist keine gesunde und maßvolle Entwicklung der Gemeinde“, kritisierte Dr. Dieter Bolten (CDU/Freie Wähler). Er monierte zudem, dass die Essinger Bürger nicht entsprechend mitgenommen worden seien und das Thema nun „im Schnellverfahren“ abgewickelt werde.
Gemeinderat stimmt geheim ab
Auf Antrag von Margit Huber (FWV) stimmte das Gremium anschließend in geheimer Wahl darüber ab, ob sich Essingen am Bieterverfahren des Kreises beteiligen soll. Das Ergebnis: 13 Gemeinderäte stimmten dafür, vier dagegen.
Blieb die Frage nach einem möglichen Standort. Hierfür hatte die Essinger Verwaltung im Vorfeld mehrere Grundstücke geprüft. Vier davon wurden nun am Dienstagabend vorgestellt. Potenzielle Flächen sah die Gemeinde im Stockert, zwischen Brühl und Galgenweg, im Bereich Saukopf/Blümle/Galgenweg sowie bei Forst.
Einstimmige Standortwahl
Letztlich entschied sich der Gemeinderat einstimmig für das rund 21,5 Hektar große Areal im Stockert, wobei für einen möglichen Klinik-Neubau etwa 11,5 Hektar – also etwa 16 Fußballfelder – vorgesehen wären. Das gesamte Gebiet, so die Verwaltung, verfüge unter anderem über eine verkehrsgünstige Lage, liege innerhalb des Radwegenetzes und des ehemaligen Bahnhalts und biete entsprechende Erweiterungsmöglichkeiten. Zudem liege es in dem vom Landratsamt vorgegebenen Fünf-Kilometer-Umkreis, dessen Mittelpunkt in Essingen liegt. Diesen von Experten ermittelten Punkt können dem Landratsamt zufolge 255 000 der 318 000 Einwohner des Ostalbkreises nach dem B-29-Ausbau in 30 Minuten erreichen.
Die drei anderen potenziellen Flächen waren aufgrund ihrer Lage und ökologischen Beschaffenheit, schlechter Erreichbarkeit und fehlender Erweiterungsmöglichkeiten ausgeschieden.
Entscheidung wohl erst 2024
Ob in Essingen aber überhaupt gebaut werden soll, entscheidet letztlich der Kreistag. Und nach derzeitigem Stand wird wohl erst Anfang 2024 mit einer Entscheidung zu rechnen sein.
Sollte sich der Kreistag für einen Klinik-Neubau auf der „grünen Wiese“ bei Essingen entscheiden, müsse die Gemeinde in das weitere Verfahren miteingebunden werden, ein Mitspracherecht erhalten und der Bahnhalt reaktiviert werden, so die Bedingungen des Gemeinderats.
Mehr über die Klinik-Diskussion im Ostalbkreis lesen Sie hier.

