Wie ein leuchtendes Auge aus der Tiefe

So kommt die Wasserfarbe des Blautopfs in Baden-Württemberg zustande

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Woher der Blautopf seinen Namen hat, ist mit Blick auf die Färbung des Wassers klar. Doch wie kommt das unnatürlich wirkende Blau zustande?

Blaubeuren - Seit vielen Jahrhunderten ist der Blautopf in Baden-Württemberg die Quelle zahlreicher Sagen und Legenden als auch Inspiration für Dichter und Denker. So entdeckte Eduard Mörike in dem „großen runden Kessel eines wundersamen Quells“ eine schier bodenlose Unergründlichkeit, die „mit Worten nicht wohl zu beschreiben“ sei. In seinem Märchen Historie von der schönen Lau erzählt er von einer Wasserfrau, die von ihrem Gemahl, dem Donaunix, in den Blautopf verbannt wurde, weil sie nicht lachen konnte und ihm nur tote Kinder gebar.

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Täglich ein Fass Tinte? Daher hat der Blautopf seine markante Färbung

„Wie ein leuchtendes Auge aus der Tiefe des Erdreiches“ beschreibt die Stadt Blaubeuren, die übrigens zu einer der schönsten im Ländle gehört, ihre wichtigste Touristenattraktion auf der Website. Um das geradezu künstlich wirkende, namensgebende Blau des Wassers zu erklären, wurde früher tief in die fantastische Trickkiste gegriffen. So soll jeden Tag von einem Unbekannten ein ganzes Fass Tinte in den nassen Schlund geleert worden sein. Auch die Tiefe der Karstquelle faszinierte die Leute schon damals. Im Volksglauben galt der Blautopf als bodenlos und alle Versuche, die tatsächliche Tiefe zu ermitteln, seien zum Scheitern verurteilt. Grund dafür sei der Legende zufolge eine Nixe, die jedes Mal das benötigte Bleilot stahl.

Der Blautopf ist eine der beliebtesten Tourismusattraktionen der Schwäbischen Alb.

Auch wenn Sagen und Legenden sicherlich einen Teil der Faszination Blautopf ausmachen; mit übernatürlichen Phänomenen hat die Wasserfarbe wenig zu tun. Heute ist bekannt, dass der kleine See 21 Meter in die Tiefe reicht – was auch der Grund für die Färbung des Wassers ist. Bis auf Blau werden bei einer solchen Wassertiefe alle Spektralfarben des einfallenden Lichts absorbiert; die einzige Farbe, die zurückgeworfen wird, gibt dem Blautopf seinen Namen.

Blautopfhöhle – ein kleiner Teil eines weitverzweigten Höhlensystems

Wichtig für diesen Effekt ist auch die erstaunliche Klarheit des Wassers, die auf die zahlreichen natürlichen Filterschichten im Erdreich in der Umgebung des Blautopfs zurückzuführen ist. Dieser speist sich nämlich aus Regenwasser, das sich in einem weitverzweigten Höhlensystem unter der Schwäbischen Alb sammelt und am Blautopf ausfließt. Die Blautopfhöhle, die direkt an den See anschließt, ist heute auf einer Länge von etwa elf Kilometern erkundet, ein Ende ist noch lange nicht abzusehen. Das gesamte Höhlensystem, das unter anderem den Blautopf speist, wird derweil auf rund 160 Kilometer geschätzt.

Rubriklistenbild: © Imago/imageBROKER/Lilly

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