Kunden trauern

Feinkostkette insolvent: Viele Filialen in Baden-Württemberg stehen vor dem Aus

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Bereits Ende Juli ist Schluss: Schlemmermeyer verschwindet aus der Stuttgarter Innenstadt.
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Im Juni musste der Feinkosthändler Schlemmermeyer Insolvenz anmelden. Nun steht fest: Für einen Großteil der bundesweit 14 Filialen gibt es keine Zukunft mehr. Im Juli schließen elf Standorte – darunter Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe und Heidelberg.

Stuttgart - Seit 1975 steht der Name Schlemmermeyer für hochwertige Wurst-, Käse- und Grillwaren. Bei Kunden ist der Münchner Feinkosthändler vor allem für seine regional erzeugten Delikatessen beliebt. Doch die Inflation und die sinkende Kaufkraft der Kunden ging auch an Schlemmermeyer nicht vorbei. Im Mai musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Nun steht fest: Elf von bundesweit 14 Filialen schließen. Bereits Ende Juli soll Schluss sein – auch für die Filiale in der Stuttgarter Schulstraße.

Von der Schließung betroffen sind in Baden-Württemberg auch die Standorte Mannheim, Karlsruhe und Heidelberg. Potenzielle Investoren gibt es nur für die Standorte München und Augsburg.

Schlemmermeyer-Kunden trauern um Feinkost-Kette: „Wieder ein traditionsreiches Geschäft weniger“

Dass der beliebte Feinkosthändler im Ländle von der Bildfläche verschwindet, lässt Kunden nicht kalt. Im Netz machen sie ihrem Ärger Luft. Zur anstehenden Schließung in Stuttgart schreibt eine Facebook-Nutzerin: „Die Stadt verliert an Potenzial. Es lohnt sich nicht mehr wirklich, hin zu fahren.“ Ein anderer bedauert: „Wieder ein traditionsreiches Geschäft weniger.“ Manche mutmaßen bereits über einen möglichen Nachfolger: „Vielleicht kommt jetzt ein Döner rein.“

„Hier entsteht etwas Neues“, hieß es ein Jahr lang auf Zetteln von Räumlichkeiten der Feinkostkette Schlemmermeyer in Stuttgart. Das darf aber jetzt bezweifelt werden: Die Firma ist pleite.

Auch in Heidelberg, Mannheim und Karlsruhe reagieren Kunden geschockt auf die Schlemmermeyer-Schließung. „Auf den Krustenbraten habe ich mich immer gefreut, wenn ich in Mannheim oder Heidelberg war“, schreibt ein Facebook-Nutzer. Billig sei es allerdings nie gewesen. Auch andere trauern schon jetzt um den Krustenbraten, die „1A Currywurst“ und die „guten Mettbrötchen“. Einige finden die Schließung „sehr schade“ oder sogar „furchtbar“.

Schlemmermeyer: Schließung betrifft 130 Mitarbeiter

Wie die Schlemmermeyer-Geschäftsführung mitteilte, decken die Umsätze seit dem Insolvenzantrag Ende Mai nur einen kleinen Teil der anfallenden Kosten. Die Löhne und Gehälter der rund 130 betroffenen Mitarbeiter seien durch das Insolvenzgeld noch bis Ende Juli gesichert, heißt es. Danach müsste das Unternehmen sie wieder selber bezahlen, wozu es aber nicht in der Lage sei. Ein Teil der Arbeitnehmer habe bereits von sich aus gekündigt oder sei von der Konkurrenz abgeworben worden.

Bereits im Jahr 2019 war Schlemmermeyer in eine finanzielle Schieflage geraten. So hatte das Unternehmen damals schon ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchlaufen. Seit März 2022 sei die Lage zunehmend kritischer geworden, so der Insolvenzverwalter Michael Jaffé. Schuld sei die Inflation, die sich in der Kaufzurückhaltung der Kunden bemerkbar gemacht habe.

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