Zukunft ungewiss

Mitarbeitergehälter von insolventem Unternehmen aus Baden-Württemberg nur für kurze Zeit gedeckt

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Der Raumausstatter TTL aus Heidenheim ist insolvent, doch der Betrieb soll weiter laufen. Die Gehälter der rund 400 Mitarbeiter sind aber nur temporär gedeckt.

Heidenheim - Der Raumausstatter TTL mit Sitz in Heidenheim an der Brenz hat Insolvenz angemeldet, wie mehrere Medien am vergangenen Freitag (16. Februar) in Bezug auf das Amtsgericht Aalen übereinstimmend berichteten. Bereits im Vorfeld gab es Meldungen über geschlossene Filialen, Kunden, die teilweise bezahlte Waren nicht erhalten und Mitarbeiter, die mitunter seit Dezember auf ihre Löhne warten. Die Anwaltskanzlei PLUTA aus Ulm erklärte bereits am Freitag, dass der Stuttgarter Rechtsanwalt Steffen Beck zum vorläufigen Insolvenzverwalter des Unternehmens ernannt wurde.

Bereits im vergangenen Jahr mussten vergleichsweise viele Unternehmen aus Baden-Württemberg aufgrund der wirtschaftlichen Herausforderungen Insolvenz anmelden. Darunter der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier, der ebenfalls von PLUTA-Anwälten vertreten wird und sich inzwischen auf einem guten Weg befindet. Beim Raumausstatter TTL, der in Süddeutschland 27 Filialen mit insgesamt rund 400 Mitarbeitern betreibt, soll der Geschäftsbetrieb weitergeführt werden. Die Gehälter der Mitarbeiter sind laut Mitteilung durch das Insolvenzgeld aber nur maximal für drei Monate gedeckt.

Gehälter der Mitarbeiter für maximal drei Monate gedeckt – Angst vor Stellenabbau wächst

Für die rund 400 Mitarbeiter des Unternehmens war die offizielle Verkündung der Insolvenz von TTL - Mein Raumausstatter wohl zunächst ein Grund zum Aufatmen. Mehrere Angestellte hatten sich unter anderem auf der Plattform kununu darüber beschwert, dass vom Unternehmen keinerlei Informationen zur Lage kommuniziert worden sei. Nun sind die Gehälter der Mitarbeiter immerhin durch das Insolvenzgeld gedeckt, allerdings auch nur temporär. Der vorläufige Insolvenzverwalter Beck prüft laut Mitteilung in Zusammenarbeit mit seinem Team und der Bundesagentur für Arbeit die Möglichkeit einer Insolvenzgeldvorfinanzierung.

Der Raumausstatter TTL aus Heidenheim ist insolvent. Die Gehälter der Mitarbeiter sind für maximal drei Monate gedeckt.

TTL OP, TTL Nord und TTM

Wie der TTL/TTM-Verbund mit Sitz im bayerischen Hallstadt mitteilte, hat sich das Unternehmen TTL - Mein Raumausstatter, offiziell TTL OP GmbH, im Jahr 2022 aus eigenem Wunsch aus dem Verbund herausgelöst und betreibt die 27 Filialen in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz seitdem selbstständig. Der Verbund betont, dass die Schieflage nur TTL OP mit Sitz im baden-württembergischen Heidenheim betreffe.

„Wir möchten festhalten, dass es sich hierbei ausschließlich um Märkte der TTL Tapeten-Teppichboden Süd HGmbH (jetzt TTL OP GmbH) handelt, die sich schon vor über zwei Jahren auf eigenen Wunsch aus dem Verbund TTL Nord / TTM mit Sitz in Hallstadt herausgelöst hatte“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Entsprechend sind die 66 Filialen in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die vom Verbund TTL Nord / TTM betrieben werden, in keiner Weise von den aktuellen Berichten betroffen.“

Wenn ein Arbeitnehmer aufgrund einer Schieflage keine Gehälter mehr bezahlen kann, können Arbeitnehmer bei der Agentur für Arbeit Insolvenzgeld für den ausbleibenden Lohn beantragen. Da dieses aber gedeckelt ist, gibt es die sogenannte Insolvenzgeldvorfinanzierung, bei der ein Dritter – meistens ein Geldinstitut – einsteigt, der ein Darlehen zahlt, um die Gehälter weiter finanzieren zu können. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird in der laufenden Woche gerechnet, an mehreren Standorten besteht aktuell aber die Befürchtung, dass aufgrund der Zahlungsunfähigkeit Stellen abgebaut werden könnten.

Geschäftsbetrieb bei TTL soll trotz Insolvenz weiterlaufen

In der vergangenen Woche hatte zuerst die Heidenheimer Zeitung über eine Schieflage beim Raumausstatter TTL berichtet. Demnach waren mehrere Filialen, der Großteil der insgesamt 27 befindet sich in Baden-Württemberg, aus „betrieblichen Gründen“ geschlossen und mehrere Mitarbeiter berichteten anonym von fehlenden Lohnfortzahlungen. Dem Bericht zufolge hatte sich zudem auch das Polizeipräsidium Ulm eingeschaltet, das aufgrund von Insolvenzverschleppung ermittelt. Da das Unternehmen inzwischen offiziell Insolvenz angemeldet hat, konnte das Amtsgericht einen vorläufigen Insolvenzverwalter ernennen.

Der Raumausstatter TTL mit Sitz in Heidenheim ist insolvent. Der Geschäftsbetrieb soll dennoch weiterlaufen.

„Zusammen mit meinem Team werde ich mir nun umgehend einen umfassenden Überblick über die aktuelle wirtschaftliche und finanzielle Situation verschaffen“, erklärt Steffen Beck in der Mitteilung von PLUTA. „Zudem werden wir kurzfristig Gespräche mit den Lieferanten, Vermietern und sonstigen Geschäftspartnern führen.“ Da der Geschäftsbetrieb weitergeführt werden soll, prüfe der Anwalt und sein Team derzeit, welche der Filialen trotz Insolvenz weiter geöffnet bleiben könnten.

TTL-Fililalen in Baden-Württemberg:

Standort Adresse
Aalen Robert-Bosch-Straße 19
Albstadt Kientenstraße 61
Balingen Schrötenen 3
Biberach Im Biber-Center (Hubertus-Liebrecht-Straße 36)
Bruchsal Im Langnick-Center (Kammerforststraße 7)
Crailsheim Rotebachring 2
Ellwangen Anton-Doser-Straße 4
Geislingen Grube-Karl-Straße 6
Göppingen Ulmer Straße 93
Heidenheim (Hauptsitz) In den Tieräckern 11
Heilbronn Austraße 61
Mosbach Hohlweg 18
Öhringen Austraße 19
Pfullingen Marktstraße 152
Rastatt Rauentaler Straße 48
Schwäbisch GmündFreimühle 3
Sinsheim beim Pischinger (Carl-Benz-Straße 7)
Tuttlingen Nendinger Allee 99
Ulm Blaubeurer Straße 20
Villingen-Schwenningen Neuer Markt 16

(Quelle: ttl-raumaustatter.de)

BW24 berichtete zuletzt von einer Bäckereikette aus Baden-Württemberg, die ihre Filialen aufgrund wiederholter Hygienemängel schließen musste. Auch in diesem Fall wurde die PLUTA-Anwaltskanzlei als Insolvenzverwalter beauftragt, eine Fortführung des Geschäftsbetriebs ist aber nicht möglich.

Rubriklistenbild: © IMAGO/imageBROKER/Katharina Hild

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