VonMichelle Breyschließen
Ein Wolfsrudel im Südwesten Deutschlands hat offenbar Nachwuchs. Ein Fotofallenbild löst gemischte Reaktionen aus. Wie gefährlich sind die Tiere?
Stuttgart/Freiburg/München – Die Ausbreitung des Wolfs in Deutschland sorgt mehr und mehr für Diskussionen. Erboste Landwirte forderten im Mai den Abschuss eines Wolfsrudels, welches 39 Schafe riss. Indes gibt es nun im Südwesten erstmals einen klaren Nachweis für ein Wolfsrudel. Ein Tier erwartet offenbar Nachwuchs. Ein Fotofallenbild von Anfang Juni zeige eine Wölfin im Südschwarzwald mit einem „erkennbaren Gesäuge“. Das teilte das Umweltministerium am Dienstag (13. Juni) in Stuttgart mit.
Experten überzeugt: Wölfe vermehren sich in Deutschland
Wie eine Sprecherin der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg berichtete, sind Experten aufgrund der Aufnahme davon überzeugt, dass sich die Wölfe vermehrten. Das Bild der FVA zeigt die Wölfin auf einem Weg, aber keine Welpen. Mit „Gesäuge“ werden üblicherweise die Milchdrüsen eines weiblichen Wildtiers beschrieben.
Der Wolf in Deutschland: Fakten
Der Wolf galt seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland nach jahrhundertelanger Verfolgung als ausgerottet, wie das Umweltbundesministerium informiert. „Seit Anfang des 21. Jahrhunderts hat die Wiederausbreitung des Wolfes in Europa und damit auch in Deutschland an Dynamik gewonnen“, heißt es weiter.
Mit der Rückkehr nach Deutschland breitet sich der Wolf auch in Baden-Württemberg aus. Jedoch deutlich langsamer als in vielen anderen Bundesländern. Mindestens 26 Tiere sollen beispielsweise in Bayern leben. In Hessen sind drei Wolfsfamilien bekannt.
Wölfe gelten als streng geschützte Art. Ein Abschuss ist verboten - wenngleich immer wieder diskutiert - außer sie verhalten sich gegenüber Menschen aggressiv. Laut Umweltministerium haben sich drei Wölfe im Schwarzwald niedergelassen.
„Alarmstufe Rot“ wegen Wolfsrudel? - Weidetierhalter vor Herausforderung
Agrarminister Peter Hauk (CDU) zufolge fordert die Rudelbildung Weidetierhalter in der Region heraus. Ein Wolfsrudel sei „höchst problematisch“ – es herrsche nun „Alarmstufe Dunkelrot“, sagte er. Die Entwicklung hänge vom Umgang mit Problemwölfen ab, die demnach auch ausgewachsene Rinder angreifen. Herdenschutz allein reiche nicht mehr aus, erklärte der Politiker. „Niemand will den Wolf mehr ausrotten. Die Wölfe, die mehrfach übergriffig werden, müssen entnommen und bejagt werden“, forderte Hauk.
Wolf-Nachwuchs im Südwesten Deutschlands erwartet
Mit Stand von November 2022 lebten offiziellen Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf (DBBW) in ganz Deutschland:
- 161 bestätigte Rudel
- 43 Paare sowie
- 21 territoriale Einzeltiere.
Fachleute hatten bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass sich der Südwesten auf Nachwuchs bei Wölfen einstellen müsse. Es gab bereits Hinweise auf ein mögliches Wolfspaar im Raum Schluchsee im Südschwarzwald. Die aktuelle Aufnahme wurde nun in der Gemeinde Schluchsee im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gemacht. Der Rüde des Paars trägt den Codenamen GW1129m. Die Wölfin – auch Fähe genannt – heißt laut Bundesministerium GW2407f. Beide seien ausgewachsene Tiere.
„Die im Durchschnitt vier bis sechs Wolfswelpen werden meist Ende April/Anfang Mai geboren und verlassen erst mit mehreren Wochen die Wurfhöhle“, berichtete das Umweltministerium. Im Alter von sechs bis sieben Monaten seien die Welpen dann fast so groß wie ausgewachsene Wölfe.
Reaktionen auf Wolfsrudel und dessen Nachwuchs gemischt
Markus Rösler von der Grünen-Fraktion im Landtag teilte mit, Baden-Württemberg sei das zehnte Bundesland, in dem sich Wolfsrudel bildeten. Das Land sei gut darauf vorbereitet. Mit einem „qualifizierten Herdenschutz“ könnten Weidetiere zwar nicht vollständig, aber weitgehend geschützt werden. Die AfD-Fraktion nannte laut einer Mitteilung die Schutzmaßnahmen der grün-schwarzen Landesregierung hingegen „lächerlich“. Weiter erklärte der Abgeordnete Udo Stein: „Der Wolf muss, um ihn begrenzen zu können, unbedingt ins Jagdrecht!“
Die Umweltverband Nabu begrüßte das Wolfsrudel – es sei das erste seit mehr als 150 Jahren im Südwesten. „Vor dem Hintergrund des dramatischen Artensterbens ist der Nachweis des ersten Wolfsrudels im Land ein besonderer Tag für den Naturschutz“, hieß es in einer Mitteilung. Doch wie sollten Menschen eigentlich reagieren, wenn sie einem Wolf begegnen? Es ist zwar noch immer selten. Kommt es dennoch zu einem Zusammentreffen mit dem Wildtier, gilt es einiges zu beachten. Das Landratsamt Bayern gab Tipps. (mbr mit dpa)

