VonUlrike Wilpertschließen
Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen hält erstmals seinen politischen Aschermittwoch in Aalen ab. Co-Kreisvorsitzender Alexander Asbrock teilt aus.
Aalen. Eine Premiere in der Kocherstadt: Erstmals ein Aschermittwoch des Kreisverbands von Bündnis 90/Die Grünen in Aalen. In der Bierhalle, dem einstigen Stammlokal des politischen Feuerkopfs Christian Daniel Friedrich Schubart, rückten rund 40 Anhänger der Grünen am Mittwoch eng zusammen, als ob sie eine Wagenburg schließen wollten aufgrund der zunehmenden verbalen Angriffe auf ihre Partei.
Ulrike Richter vom Vorstand des Grünen-Stadtverbands begrüßte zu diesem zweistündigen rhetorischen Schlagabtausch Landtagsabgeordneten Martin Grath und Co-Kreisvorsitzenden Alexander Asbrock. Anders als zur gleichen Zeit in Biberach, wo die Grünen ihren politischen Aschermittwoch wegen aggressiver Demonstrationen von Landwirten im Umfeld absagten, verlief der Grünen Aschermittwoch in Aalen jedoch ohne Zwischenfälle.
Alexander Asbrock: „Das ist eine reine Angstreaktion“
Als Erster stieg Alexander Asbrock in die Bütt und begann gefühlt aus der Opferperspektive heraus über „politische Desinformationskampagnen“ zu wettern. Diese Häme diene nur dem Ziel, die „Grünen, die die Zukunftsthemen besetzen, klein zu halten und die eigene Macht zurückzuerhalten.“ Asbrock weiter: „Das ist eine reine Angstreaktion. Man will die Grünen demontieren aus der Furcht heraus, dass sie in Deutschland stärkste politische Kraft werden.“
Sehr persönliche Attacken des Aalener Grünen-Stadtrats
Dann wurde der Aalener Grünen-Stadtrat sehr persönlich und zog vier Monate vor den Kommunalwahlen über die anderen Gemeinderatsfraktionen her. So rügte er beispielsweise den SPD-Fraktionssprecher Hermann Schludi, seinen persönlichen Traum zu träumen, statt die SPD-Linie zu vertreten. Den CDU-Fraktionschef Thomas Wagenblast bezeichnete Asbrock als „Besitzstandswahrer des unflexiblen Konservatismus“, die Freien Wähler nannte er einen „uneinigen wilden Haufen aus lauter Egos“ und die beiden Gemeinderatsvertreter FDP Plus müssten laut Asbrock eigentlich „FDP minus 2“ heißen, weil ihnen zur Fraktionsbildung ein Mitglied fehle und zudem ihr „Aushängeschild“ Manuel Reiger aus der FDP ausgetreten sei.
„Goldkehlchen Arnold“ avanciert zum Hahn
Der Gmünder OB Richard Arnold ist in den Augen Asbrocks ein Goldkehlchen, das nicht leise wird, Aalen als Klinikstandort zu verunglimpfen. Das „Goldkehlchen Arnold“ lässt Asbrock dann zum Hahn avancieren, der nur seinen eigenen Misthaufen mit „hässlichem Gekrächze“ verteidigen wolle.
Wenn Landtagsabgeordneter Martin Grath aiwangert
Landratsabgeordneter Martin Grath dagegen verzichtete fast ganz auf persönliche Seitenhiebe. Nur den auf Hubert Aiwanger (FW), der Grüne und Bürgergeldempfänger schon Taugenichtse genannt hat, wollte er sich nicht verkneifen und imitierte eingangs Aiwangers gewohnt deftige Redeattacken auf politische Gegner.
Ein Hauptkritikpunkt ist der Bürokratismus
Einer von Graths Hauptkritikpunkten an der Politik ist der Bürokratismus, der wichtige Prozesse ausbremse. „Bürokratie ist wichtig, aber Bürokratismus müssen wir wegbekommen, ohne den Wettbewerbsschutz zu verlieren“, meinte er sinngemäß. In diesem Zuge kritisierte er unter anderem die Verwaltungsdigitalisierung, die an institutionellen Hürden zu scheitern drohe. Deutschland verfehle die Ziele des Onlinezugangsgesetzes bei Weitem. Graths Aussage nach seien von 575 Verwaltungsdienstleistungen bislang nur 153 online zugänglich.
Martin Grath zur Lage der Landwirte
Zur Lage der Landwirte meinte Grath: „Ich kann ihre Proteste verstehen.“ Die regionale Landwirtschaft werde nur überleben können, wenn sie sich mit den regionalen Einzelhändlern, Metzgern und Gastronomiebetrieben zusammen tut.
Die Redepausen füllte Felix Bönhof mit seinem Akkordeon, für die rund 40 Gäste gab's je eine Brezel und ein Getränk kostenfrei.

