VonKuno Staudenmaierschließen
Weshalb die Schwäbisch Gmünder Eisenbahn-Belvedere-Pergola als Zeitdokument so bedeutend ist. Zuschüsse ermöglichen jetzt den Wiederaufbau.
Schwäbisch Gmünd. Der Wiederaufbau der Eisenbahn-Belvedere-Pergola in Schwäbisch Gmünd ist fast in trockenen Tüchern: 500.000 Euro will das Amt für Denkmalpflege beisteuern, 125.000 Euro die Denkmalstiftung. Jetzt gibt es eine Zusage über weitere 600.000 Euro aus dem Denkmalschutz-Programm des Bundes. Amtlich eine „Inaussichtstellung“, der eigentliche Bewilligungsbescheid muss vor Baubeginn abgewartet werden.
Bis zu 90 Prozent der für den Aufbau nötigen Gelder dürften nach Einschätzung von Udo Eckloff, Sprecher des Vereins „Freunde und Förderer der Eisenbahn-Belvedere-Pergola“, damit so gut wie sicher sein. Ganz ohne Spenden wird es am Ende aber nicht gehen.
Innovative Umsetzung internationaler Strömungen
Die Bedeutung: Dazu äußert sich das Amt für Denkmalpflege auf Nachfrage dieser Redaktion. „Die beiden durch Laubengänge verbundenen Pavillons über einer hohen Stützmauer sind nicht nur ein Beleg für den qualitativ hochwertigen Villenbau und die hochwertige Gartengestaltung im 19. Jahrhundert in Baden-Württemberg, die internationalen Strömungen folgt und diese innovativ umsetzt. Viel mehr sind sie Zeugnis der Eisenbahngeschichte und der Industrialisierung und geben einen Einblick in das vielseitige Schaffen des herausragenden Oberbaurates Georg von Morlock, der als Architekt und Eisenbahningenieur überregionale Bedeutung erlangte“, sagt Lisa Tempus von der Pressestelle. Es handle sich um eine herausragende Gartenarchitektur, über die Grenzen Schwäbisch Gmünds und Baden-Württembergs hinaus und habe durch ihre Entstehungsgeschichte eine zusätzliche historische Dimension.
Pavillonanlage als eine Art Reparationsleistung
Die Geschichte: Die Entstehung der Pavillons, lässt das Amt für Denkmalschutz wissen, sei untrennbar mit der Geschichte der Eisenbahn und damit der Remstalbahn verbunden. Der Bau der Strecke sei mit massiven Geländeeingriffen verbunden gewesen. Bei dem Besitzer der Liegenschaft handelte es sich um den Gmünder Fabrikanten Johann Baptist Ott (Ott-Pausersche-Fabrik). „Durch den von Morlock durchgeführten Eisenbahnbau verlor Ott einen Teil seines Grundstücks.“ Wohl als eine Art Reparationsleistung, so vermutet die Behörde, entwarf Morlock eine Pavillonanlage, die deutlich repräsentativer und größer war als entsprechende Bauten jener Zeit. Wörtlich heißt es: „Die Wertschätzung, die der Anlage schon früh entgegengebracht wurde, findet Ausdruck in der Tatsache, dass zur Eröffnung der Remstalbahn am 18. Juli 1861 die vereinigten Liederkränze aus diesem Anlass genau an dieser Stelle sangen.“
Ereignisse überstürzen sich
Der Schaden: Vor gut eineinhalb Jahren überstürzen sich die Ereignisse. Anwohner bemerken unterhalb des Eisenbahn-Belvedere fließendes Wasser auf der Lindenfirststraße. Dort ist eine Leitung gebrochen. Niemand weiß, wie lange das Wasser unkontrollierte Wege ging. Dann wird deutlich, dass der gesamte Bau in Schieflage gerät. Ein Not-Abbruch ist die Folge. Die historischen Einzelteile liegen jetzt nummeriert und vor der Witterung geschützt unter Dach. Um eine Rettung zu ermöglichen, wird der Verein „Eisenbahn-Belvedere-Pergola“ gegründet, der nun Grundstückseigentümer ist.
Sicherung - Schritt für Schritt
Die Restaurierung: Erst mal großer Aufwand, wenig Sichtbares, sagt Münsterbaumeister Architekt Paul Waldenmaier, der sich um das Eisenbahn-Belvedere kümmert. Zunächst muss der Untergrund gesichert werden. Dazu braucht es Bohrpfähle unter der Sandsteinmauer an der Lindenfirststraße. Das geht nur in Ein-Meter-Abschnitten, um die Sicherheit zu gewährleisten. Auf Höhe der wieder aufzubauenden Pergola folgen Bohrpfähle zur Hangsicherung. Im Anschluss entsteht das eigentliche Fundament für das Bauwerk. Rund 450.000 Euro könnte die Gründung kosten.
Morsches Holz wird ersetzt
Danach soll die Münsterbauhütte den Auftrag erhalten, die Mauer zu sanieren. Verwendet wird seiner Farbe wegen Donzdorfer Sandstein. Nun kann die Pergola aufgebaut werden. Ob manche Steine erneuert werden muss, soll geprüft werden. Beim Holzwerk für die Dachkonstruktion sind manche Neuteile erforderlich, morsches Holz darf ersetzt werden. Der Start der Arbeiten hängt jetzt vom endgültigen Bewilligungsbescheid für den Bundeszuschuss ab.
