Gmünder Weihnachtsmarkt: Stummer Budenzauber wegen GEMA?

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Bleibt der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr stumm? Gmünd soll für Aufführungsrechte an die GEMA statt wie bisher etwa 1200 nun 6500 Euro an die GEMA zahlen. Ursprünglich hatte die Verwertungsgesellschaft mehr als das Doppelte gefordert, berichtet Markt-Organisator Robert Frank. Archivfoto: Tom
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Gmünd soll fast sechsmal mehr als bisher für Musik-Aufführungsrechte bezahlen.

Schwäbisch Gmünd. In knapp einem Monat, am 23. November, wird der Gmünder Weihnachtsmarkt eröffnet. Ob dazu allerdings ein Chor singen oder ein Verein spielen wird, ist noch offen. Das könnte die Stadt nämlich teuer zu stehen kommen. Die Forderung der Verwertungsgesellschaft GEMA für die auf dem Markt aufgeführten Musikstücke liegt um ein Vielfaches über den Summen früherer Jahre.

„Wie auf einem Basar“

Robert Frank, der bei der Touristik- und Marketing GmbH seit vielen Jahren den adventlichen Budenzauber organisiert, musste in den vergangenen Jahren jeweils etwa 1200 Euro für die Darbietungen der Vereine und Gruppen an die GEMA bezahlen. Die leitet dieses Geld an die Komponisten und Rechteinhaber der aufgeführten Stücke weiter. Für dieses Jahr allerdings sei ihm eine wesentlich höhere Rechnung auf den Tisch geflattert, wie er sagt: 14 500 Euro. Die Gesellschaft begründe diesen Aufschlag damit, dass sie anhand von Luftbildern die tatsächliche Größe des Aufführungsraums errechnet habe. Und sie sei auf 4300 Quadratmeter gekommen. Robert Frank hat seither immer 200 Quadratmeter angegeben - seiner Einschätzung nach die Fläche, auf der die auf der Bühne vor dem Rathaus aufgeführten Stücke zu hören sind. Auf dem Johannisplatz zum Beispiel seien die auf dem Marktplatz gesungenen Lieder mit Sicherheit nicht mehr hörbar. Er nahm das Angebot einer „Angemessenheitsprüfung“ der GEMA wahr, mit der die Berechnung überprüft werden sollte. Das neue Ergebnis: 6500 Euro. „Wie auf einem Basar“, nennt Frank das. Die Ratschläge eines Fachanwalts, wie diese Forderungen zu senken seien, sind für ihn indiskutabel: die Marktfläche verkleinern oder den Markt einzäunen und einen symbolischen Eintrittspreis verlangen. Oder er solle dafür sorgen, dass nur Stücke aufgeführt werden, auf die keine GEMA-Abgaben fällig werden - das würde das Repertoire erheblich einschränken. Eine Überlegung des Organisators ist, die Auftritte auf einzelne Markttage zu komprimieren. Und er hofft auf den Deutschen Städtetag, der sich inzwischen eingeschaltet hat. Schließlich betreffe das Problem nicht nur Gmünd, sondern rund 140 weitere Städte. Immerhin, so Frank, arbeite die GEMA für die Kulturschaffenden. Und das seien auch die Sänger und Musiker in Vereinen. ⋌Wolfgang Fischer

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