VonJulian Baumannschließen
Die größte Fabrikanlage in Baden-Württemberg hat gigantische Ausmaße und trägt maßgeblich zur äußerst starken und global agierenden Wirtschaft des Bundeslands bei.
Stuttgart/Sindelfingen - In Baden-Württemberg sind sowohl viele große Familienunternehmen, als auch Weltmarktführer beheimatet. Die Wirtschaft als Wohlstandsmotor wird vor allem von den großen Konzernen wie Mercedes-Benz, Bosch oder auch der Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland und von vielen sehr erfolgreichen Mittelständlern getragen. Logischerweise sind auch die Produktionsstätten der großen Unternehmen aus der Autoindustrie und dem Maschinenbau mitunter riesig. Man denke zum Beispiel an das Stammwerk der Würth-Gruppe im beschaulichen Künzelsau im Hohenlohekreis oder an das ZF-Forum, dem Hauptsitz des Autozulieferers ZF in Friedrichshafen am Bodensee.
Die größte Fabrikanlage in Baden-Württemberg befindet sich allerdings im sogenannten Speckgürtel der Landeshauptstadt Stuttgart und gehört dem wohl bekanntesten Unternehmen aus dem Ländle: Mercedes-Benz. Das Mercedes-Werk in Sindelfingen im Kreis Böblingen ist nach dem VW-Stammwerk in Wolfsburg und der Audi-Zentrale in Ingolstadt die drittgrößte Fabrik der Bundesrepublik und kann auf eine über einhundertjährige Geschichte zurückblicken. Am Standort Sindelfingen befindet sich zudem das hochdigitalisierte Zukunftswerk von Mercedes-Benz, die Factory 56.
Mercedes-Benz in Sindelfingen: 2,9 Quadratkilometer, 35.000 Mitarbeiter
Die nackten Zahlen zum Mercedes-Benz-Werk Sindelfingen sind beeindruckend. Gegründet im Jahr 1915, erstreckt sich die Fabrikanlage auf einer Fläche von über 2,9 Quadratkilometern und ist damit das größte Entwicklungswerk des schwäbischen Weltkonzerns. Derzeit sind rund 35.000 Mitarbeiter in Sindelfingen angestellt, also rund 10.000 mehr, als beispielsweise die baden-württembergische Mittelstadt Freudenstadt Einwohner hat. Freudenstadt hat dafür aber den größten Marktplatz Deutschlands. Die Wichtigkeit des Mercedes-Stammwerks in Sindelfingen zeigt sich auch in den dort produzierten Fabrikaten mit dem Stern:
- E-Klasse Limousine
- E-Klasse T-Modell
- CLS
- EQS
- GLC
- S-Klasse
- Mercedes-Maybach S-Klasse
- Mercedes-AMG GT
- Mercedes-AMG GT 4-Türer
- Sonderschutzfahrzeuge
(Quelle: Mercedes-Benz)
Mit der Luxus-Limousine S-Klasse, dem elektrischen Pendant EQS oder dem Sportwagen Mercedes-AMG GT werden im Werk in Sindelfingen die mitunter wichtigsten Modelle endmontiert. Das Werk Sindelfingen umfasst neben der reinen Fahrzeugproduktion aber noch viele weitere Bereiche. Dazu gehören beispielsweise die Konzernforschung, die die gesamte Entwicklung und das Design umfasst, das Mercedes-Kundencenter Sindelfingen oder auch ein 2016 eröffnetes Kompetenzzentrum für Fahrzeugsicherheit. Dort hatte der Konzern bei einem ersten Frontal-Crash-Test zweier E-Autos bewiesen, dass die elektrischen Modelle so sicher sind wie die Verbrenner.
Mercedes-Benz produzierte im Februar in Sindelfingen das 22-millionste Fahrzeug
Die Geschichte des Mercedes-Benz-Werks Sindelfingen ist theoretisch älter als der Konzern selbst. Im Jahr 1915 wurde der Standort nämlich von der damaligen Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) als Produktionsort für Flugzeuge und Flugzeugmotoren gegründet. Erst im Jahr 1926 fusionierte die DMG mit der von Autopionier Carl Benz mitgegründeten Benz & Cie und legte so den Grundstein für den heutigen Konzern. Nach dieser Fusion wurde der gesamte Karosseriebau in das Werk Sindelfingen verlagert, das damit zum Stammwerk des neu gegründeten Konzerns wurde. Im Jahr 2015 überschritt Sindelfingen die Marke von 20 Millionen dort produzierten Fahrzeugen.
Die eingangs erwähnte Zukunftsfabrik „Factory 56“ wurde im Jahr 2020 im Westen des Standorts eröffnet, um die aktuelle Generation der S-Klasse zu fertigen. In dem Werk, das vollkommen digitalisiert und vernetzt ist, läuft seit 2021 auch das E-Auto-Flaggschiff EQS vom Band. Das Werk Sindelfingen war bis 2015 das absatzstärkste Werk von Mercedes-Benz, bevor es knapp vom Standort in Bremen überholt wurde. Im Februar 2023 feierte Mercedes-Benz die High-End-Fertigung in Sindelfingen mit dem 22-millionsten dort produzierten Fahrzeug. Mercedes hat für 135 Millionen Euro zudem auch das teuerste Auto aller Zeiten versteigert
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