VonJulia Müllerschließen
Jana Marie Link verkauft ihre selbst genähte Kleidung ab 10. Juni im Showroom in der Bocksgasse 16. Die 24-Jährige erzählt von ihrem zum Teil schwierigen Weg bis zur heutigen Selbstständigkeit.
Schwäbisch Gmünd/Hohenstaufen
Jana Marie Link gehört zu denen, die keine halben Sachen machen. Dass die 24-Jährige aus Hohenstaufen zum Perfektionismus neigt, wird jedem klar, der eine von ihr genähte Jacke oder einen Overall in Händen hält. Sorgfältig wählt sie die Stoffe aus und fertigt mit ihrer Overlock-Nähmaschine mit Liebe zum Detail vor allem Kleidung für Babys und Kinder an. Kleine süße Sachen, denn die 24-Jährige will einmal selbst vier Kinder haben. Das hat allerdings noch Zeit. Momentan gibt es nur einen festen Partner in ihrem Leben: ihren Hund Sky.
35 Produkte mit Muschel im Repertoire
Der wird bald öfter auf sein Frauchen verzichten müssen: Jana wird ab 10. Juni Mützchen, Jacken mit Blumen- oder Bärchenmuster, T-Shirts, Hosen, Pullover, Walkoveralls, Söckchen, Decken und vieles mehr im Showroom der Stadt Schwäbisch Gmünd in der Bocksgasse 16 präsentieren und verkaufen. Insgesamt hat sie 35 Produkte im Repertoire, die alle ein kleines Fähnchen mit einer Muschel tragen. Das ist das Markenzeichen von Handmade by Jana und ein Hinweis darauf, dass die 24-Jährige wahnsinnig gerne reist.
Wo gibt es die Sachen zu kaufen?
Mit dem Wunsch, sich nebenher etwas für ihre Reisen dazu zu verdienen, hat ihr Geschäft Handmade by Jana im Grunde begonnen. Nach ihrem Realschulabschluss an der Gmünder Waldorfschule hat Jana eine Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen gemacht, um anschließend als Praxismanagerin in einer Physiopraxis zu arbeiten. Schon in der Berufsschule hat sie jede Pause genutzt, um zu häkeln. Mal einen Hasen, mal ein Bärchen, das ein Schnuffeltuch für Babys hält. Bald kamen genähte Spieluhren in Wolkenform hinzu. Als sie Fotos davon auf Instagram veröffentlichte, ließen Anfragen nicht lange auf sich warten: Wo gibt es die Sachen zu kaufen? 2018 meldete Jana ihr eigenes Gewerbe an und konnte fortan antworten: bei ihr auf der Internetseite www.handmadebyjana.de.
Tagsüber arbeitete sie in der Physiopraxis, nachts an der Nähmaschine in ihrer Werkstatt bei sich daheim, um alle Aufträge abzuarbeiten. Immer pünktlich, immer perfekt – das konnte nicht ewig gut gehen. Ihr Arzt schrieb sie schließlich krank. Diagnose: Burnout.
Ohne Stillstand keinen Ausstieg
„Ich konnte das gar nicht glauben“, erzählt sie heute. „Ich hielt Burnout für eine Krankheit, die Manager ab 40 trifft, doch nicht mich mit damals 23.“ Doch „mir ging es richtig schlecht, ich konnte nicht mehr aufstehen, nicht mehr gehen“, erzählt sie, wie der Burnout sie im vergangenen Sommer zwang, grundlegend etwas in ihrem Leben zu ändern. So verbrachte sie zwei Monate in einer Klinik im Allgäu, fernab von der Arbeit, der Familie, den Freunden. „Aus einem fahrenden Zug kann man nicht aussteigen.“ Dieser Satz einer Ärztin kommt Jana auch heute noch immer wieder ins Gedächtnis: Ohne Stillstand gibt es keinen Ausstieg. Der Klinikaufenthalt gab ihr die nötige Ruhe für den Entschluss, ihren Hauptberuf zu kündigen und sich künftig ganz auf Handmade by Jana zu konzentrieren. Sie habe schon Angst davor gehabt, ihren Lebensunterhalt, ihren Tagesablauf, einfach alles selbst zu managen, erzählt sie. Doch „heute kann ich es mir gar nicht mehr anders vorstellen“, sagt Jana. Und über ihren Burnout: „Das war das Beste, was mir passieren konnte.“
Sich Hilfe zu suchen, lohnt sich
Daher geht sie offen damit um, um auch anderen zu zeigen: Sich Hilfe zu suchen, lohnt sich. „Ich bin so glücklich heute“, sagt Jana, die nun gut von ihrem eigenen Geschäft leben und ab und zu auch verreisen kann. Sie nimmt sich die Freiheit, morgens viel Zeit mit Sky zu verbringen und setzt sich dann eben abends länger an die Nähmaschine, um mit Hingabe und Freude die vielen Aufträge zu erfüllen, die sie bekommt. Sie ist gespannt, ob es bald aus dem Gmünder Raum noch ein paar mehr werden.
Jana Marie Link ist mit ihren Kleidern ab 10. Juni im Showroom präsent
Jana Marie Link wird ihre Produkte Handmade by Jana ab Samstag, 10. Juni, bis Samstag, 2. September, im Showroom der Stadt Schwäbisch Gmünd in der Bocksgasse 16 zeigen und verkaufen.
Die Gmünder Stadtverwaltung hat die Räume, in denen früher das Café Oh Mother war, seit Ende Februar 2023 angemietet, die zu diesem Zeitpunkt leer standen, erzählt Gmünds Leerstandmanagerin Inga Adam. Den Großteil der Miete finanziere die Stadt über das Förderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ (ZIZ) des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung, das bis 30. Juni 2024 läuft. Bis dahin vermittelt die Stadt den Showroom an Start-ups, Vereine und Initiativen. Diese können ihre Geschäftsidee dort bis zu drei Monate ausprobieren, ohne dafür etwas zu bezahlen. Eine Chance ohne Risiko, bevor Leute den eigenen Laden eröffnen. Der Einzelhandel sei nach wie vor sehr wichtig für die Attraktivität der Innenstadt, sagt Inga Adam, neben Kunst und Bürgerengagement, die ebenfalls ihren Platz in der Bocksgasse 16 finden.
Die Nachfrage nach der Ausstellungsfläche im Showroom sei so groß, dass die Leerstandsmanagerin und Wirtschaftsförderer Alexander Groll planen, einen weiteren Leerstand in der Innenstadt für einen Showroom anzumieten. Wo genau, sei noch nicht spruchreif, sagt Inga Adam. ⋌
Die Öffnungszeiten des Showrooms können die Nutzer selbst festlegen. Jana Marie Link will mittwochs bis samstags da sein.
Die Produkte und mehr Infos über Handmade by Jana gibt es auf www.handmadebyjana.de. ⋌jul









