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Der Stauferfries als letztes großes Werk des Künstlers ist noch unvollendet.
Schwäbisch Gmünd. Es war vor knapp einem Jahr: Am 26. August 2022 übergab Dr. Helmut Gruber-Ballehr mit seiner Familie und Freunden die ersten 35 Meter seines Stauferfrieses an die Stadt Gmünd. 48 von 100 Figuren sind seitdem an der Backsteinwand der Remsgalerie zu sehen. Für Gruber-Ballehr war dieser Tag ein „Freudentag“. Nun, ein knappes Jahr danach, ist der Künstler nach langer Krankheit im Alter von 84 Jahren gestorben.
Helmut Gruber-Ballehr ist 1939 in München geboren und in Neumarkt-Sankt Veit aufgewachsen. Von 1962 an hat er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart studiert und im Jahr 1966 das Staatsexamen absolviert. Danach hat er bis 1972 an der Universität Tübingen Kunstgeschichte studiert. Mit einer Dissertation über „Die Bauten der Museums- und Harmoniegesellschaften in Südwestdeutschland“ hat er promoviert. Von 1972 bis 1980 hat Gruber-Ballehr an der Pädagogischen Hochschule in Gmünd gelehrt. Danach arbeitete er an verschiedenen Schulen als Lehrer, parallel immer auch als Künstler. Seit 2004 war Helmut Gruber-Ballehr als freischaffender Maler, Grafiker und Kunsthistoriker tätig. Den Gmündern ist er durch Ausstellungen mit monumentalen Werken im Münster oder in der Johanniskirche mit dem Schöpfungszyklus bekannt. Vor allem seine Serie „Ecce Homo“ mit kraftvollen und gleichzeitig melancholischen Bildern mit starken Kontrasten zwischen Hell und Dunkel bleibt in Erinnerung.
Immer wieder war Helmut Gruber-Ballehr zu Studienreisen im Ausland unterwegs. Längere Aufenthalte hatte er in Tadschikistan und als „Artist in Residence“ in Gmünds amerikanischer Partnerstadt Bethlehem und in Gmünds ungarischer Partnerstadt Székesfehérvár. Die Idee zum Stauferfries hatte Gruber-Ballehr nach Gmünds Stadtjubiläum im Jahr 2012. Die Staufersaga, bei der er und seine Frau mitgewirkt hatten, inspirierte ihn dazu. Der Fries erzählt vom Einzug des letzten Staufers Konradin zu Weihnachten 1266 in Gmünd. Seit 2013 arbeitete Helmut Gruber-Ballehr an dem Kunstwerk, das nun an der Fassade der Remsgalerie Gestalt gewinnt. 48 von 100 aus Edelstahl geschnittene Figuren sind realisiert. Und damit etwa 55 Prozent oder 35 von 60 Metern. Konradins Einzug ist bereits zu sehen. Die Figuren sind in geringem Abstand zur Wand montiert. So sind sie am Tag helle Formen vor dunkler Wand. Je nach Sonnenstand werden sie durch wandernde Schatten belebt.
Helmut Gruber-Ballehr hinterlässt seine Frau Almuth und drei Kinder. Der Förderverein Stauferfries, der Spenden für die Finanzierung des Frieses sammelt, kümmert sich nun um die Vollendung seines wohl markantesten Werks, das die Gmünder in schöner Weise an ihn erinnern wird.
