Zunehmender Druck macht Eindruck

IG Metall erzielt Inflationsausgleich für Leiharbeiter – er fällt jedoch geringer aus

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Die IG Metall hat im Streit um eine Inflationsausgleichsprämie eine Einigung erzielt. Die Summe fällt jedoch niedriger aus, als bei den Festangestellten.

Stuttgart - Im Zuge des Ukraine-Krieges sind auch in Deutschland die Preise in nahezu allen Bereichen massiv gestiegen. Um dem entgegenzuwirken, hat die IG Metall im November 2022 die einmalige Zahlung einer Inflationsausgleichsprämie über 3.000 Euro in der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg durchgesetzt. Die Leiharbeiter, von denen es gerade bei den großen Konzernen wie Mercedes-Benz oder Bosch viele gibt, gingen bislang jedoch leer aus. Um auch für Leiharbeiter einen Inflationsausgleich zu erwirken, hat die IG Metall den Druck auf die Arbeitgeber massiv erhöht.

Im Zuge des Konflikts um eine Inflationsausgleichsprämie für Leiharbeiter gab es bei vielen Betrieben der Metall- und Elektroindustrie in den vergangenen Wochen Demonstrationen und andere Aktionen. Auch in Wörth, dem größten Produktionsstandort des schwäbischen Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, solidarisierten sich die Mitarbeiter mit den Leihbeschäftigten. Nachdem ein Inflationsausgleich für Leiharbeiter Mitte Juni erneut abgewiesen würde, vermeldet die IG Metall nun einen Erfolg im Tarifstreit. Der zunehmende Druck auf die Arbeitgeber hat sich demnach ausgezahlt.

IG Metall erzielt Tarifabschluss: Inflationsausgleich über 2.300 Euro für Leiharbeiter

Wie die IG Metall Baden-Württemberg in einer Pressemitteilung verkündet, wurde am Freitag (16. Juni), wenige Tage nach der erneuten Abweisung des Antrags, ein Tarifabschluss erzielt. Demnach erhalten die Leihbeschäftigten der Metall- und Elektroindustrie eine Ausgleichsprämie von 2.300 Euro, die ab Januar 2024 von den Arbeitgebern in monatlichen Raten ausgezahlt werden kann. Voraussetzung für den Erhalt der Prämie sind fünf Monate Beschäftigung bei der entsprechenden Leihfirma und mindestens einen Monat Einsatz in einem Betrieb der Metall- und Elektroindustrie. Allein in dieser sind in Deutschland rund 180.000 Menschen als Leiharbeiter beschäftigt.

Die Arbeitnehmergewerkschaft hatte ursprünglich die gleiche Summe als Inflationsausgleich für Leiharbeiter gefordert, die auch die Festangestellten erhalten. „Leihbeschäftigte arbeiten oft in den unteren Entgeltgruppen und benötigen angesichts der gestiegenen Preise die Inflationsprämie genauso dringend“, hatte Dirk Becker, Geschäftsführer der IG Metall Bruchsal, nach den zuvor gescheiterten Handlungen erklärt. „Das ist eine Frage der Gerechtigkeit.“ Die nun erstrittene Prämie liegt zwar 700 Euro unter der Summe, die die Festangestellten der Betriebe erhalten, dafür bekommen Leiharbeiter ab dem 1. September 2023 aber Branchenzuschläge – und das bereits ab dem ersten Einsatztag.

Branchenzuschläge auf Tarif für Leiharbeiter in Metall- und Elektroindustrie

Leiharbeiter werden in der Industrie im Regelfall deutlich schlechter eingestuft, als die festangestellten Mitarbeiter. Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz erhalten Leihbeschäftige zwar mehr Geld, als in vielen anderen Betrieben, die Löhne liegen dennoch unter denen des Stammpersonals. Mit der Einigung erhalten die Leiharbeiter ab 1. September nun aber Zuschläge auf den Branchentarif, die in der ersten Stufe 15 Prozent betragen und sofort gezahlt werden, nicht wie bisher erst nach sechs Wochen Einsatzzeit. Laut der Mittelung muss die gewählte Tarifkommission der IG Metall für die Leiharbeit noch über die Annahme des Ergebnisses abstimmen, die erste Diskussion sei am Dienstag (20. Juni) positiv verlaufen.

Die IG Metall hat einen Inflationsausgleich für Leiharbeiter erwirkt. Dieselbe Summe wie die Festangestellten erhalten sie jedoch nicht. (Archivfoto)

Die Zahlung der Inflationsausgleichsprämie von einmalig 3.000 Euro ist für die Arbeitnehmer freiwillig, die Angestellten haben theoretisch also keinen Anspruch darauf. Im Tarifvertrag Inflationsausgleichsprämie der IG Metall Baden-Württemberg ist die Prämie allerdings verbindlich festgelegt. Die Mitarbeiter der Halbleiterfabrik von Bosch in Dresden fordern ebenfalls einen Inflationsausgleich, die Bosch an vielen anderen Standorten auszahlt. Wie der Stuttgarter Technologiekonzern auf BW24-Anfrage mitteilte, habe man sich aufgrund einer vorangegangenen Gehaltserhöhung aber gegen eine solche Einmalzahlung entschieden.

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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