Zukunft für Fortschritt

„Friedrichshafen wird elektrisch“: Autozulieferer ZF bekennt sich zum Hauptsitz – aber ohne Jobgarantie 

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Der ZF-Standort am Hauptsitz in Friedrichshafen soll das Leitwerk für Nutzfahrzeuge bleiben. Eine definitive Jobgarantie für die rund 10.000 Mitarbeiter in der Zeppelin-Stadt gibt es aber noch nicht.

Friedrichshafen - Der nach Bosch zweitgrößte schwäbische und inzwischen auch deutsche Autozulieferer ZF Friedrichshafen hat seit einiger Zeit mit deutlichen Herausforderungen zu kämpfen. Im zurückliegenden Krisenjahr 2022 ist der Umsatz des Stiftungskonzerns vom Bodensee spürbar zurückgegangen, woraufhin der Betriebsrat einen radikalen Stellenabbau in den kommenden Jahren prophezeite. Für die meisten Standorte des Autozulieferers gibt es in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft IG Metall jedoch sogenannte Zielbilder, ausgerechnet für den ZF-Hauptsitz in Friedrichshafen gab es bisher keine Jobsicherung, da die Verhandlungen stockten. Dass der Standort der Transformation zum Opfer fallen könnte, ist jedoch ausgeschlossen.

Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, haben sich der Konzern und der Betriebsrat nun auf Eckpunkte für einen Zukunftsvertrag für den ZF-Standort in Friedrichshafen geeinigt, allerdings bislang nur für den Produktionsbereich N mit seinen 5.500 Mitarbeitern. Der Produktionsbereich N bezeichnet bei der ZF die Produktion von Komponenten für Nutzfahrzeuge, die Konzernzentrale in der Zeppelin-Stadt und die Abteilungen für Forschung und Entwicklung wird unter der Division Z zusammengefasst. Für die in diesen Bereichen angestellten 4.500 Angestellten in Friedrichshafen laufen die Verhandlungen noch. Bosch hat nahezu zeitgleich eine Einigung mit der IG Metall für alle deutschen Mobility-Standorte geschlossen.

ZF und Betriebsrat einigen sich auf Eckpunkte für Zukunftsvertrag – Jobgarantie gibt es nicht

Die ZF Friedrichshafen befindet sich wie die anderen Unternehmen der Autoindustrie mitten in der Transformation, was vor allem den Zulieferern zusetzt. Die Betriebsräte von Bosch, ZF und Mahle baten deshalb bereits in Berlin um Staatshilfen. Befürchtet wurde zudem, dass der Konzern die Ansiedlung von Zukunftstechnologien zunehmend ins europäische Ausland verlagern wird. Zumindest für die Komponenten für Nutzfahrzeuge gibt die ZF aber diesbezüglich Entwarnung. „Friedrichshafen ist und bleibt bei ZF der Leitstandort für Nutzfahrzeugantriebe“, sagt Vorstandsmitglied Peter Laier. „Ob heute konventionell oder morgen elektrisch.“ Aktuell beschleunigt ZF die Transformation und stellte kürzlich eine Technologie vor, die die Reichweite von E-Autos erhöhen kann.

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr1915
HauptsitzFriedrichshafen, Baden-Württemberg
BrancheAutomobilzulieferer, Mobilitätssysteme
GeschäftsbereicheAutomobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl164.869 (Stand: 2022)
Produktionsstandorte168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte\t19 in neun Ländern
Umsatz43,8 Milliarden Euro (2022)
Geschäftsführung\tHolger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Ausgearbeitet ist der Vertrag für den Nutzfahrzeug-Standort der ZF in Friedrichshafen laut der Schwäbischen Zeitung aber noch nicht und auch eine definitive Jobgarantie umfassen die Eckpunkte bislang nicht. Eine „langfristig orientierte Beschäftigungsentwicklung“ solle sichergestellt werden, die die Einflüsse von Transformation und Marktveränderungen „antizipiert und berücksichtigt“, hieß es. Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich zeigte sich dennoch überzeugt, dass ZF den Menschen in der Region durch die Einigung auch in Zukunft sichere und interessante Arbeitsplätze anbieten könne. „Friedrichshafen wird elektrisch“, sagte er. Für den Z-Bereich steht eine Einigung allerdings noch aus, die Verhandlungen sollen bis Oktober aber ebenfalls abgeschlossen werden.

ZF Friedrichshafen: Zielbilder für die meisten Traditionsstandorte – zwei Werke stehen weiter vor dem Aus

Für die größte Umstrukturierung in der über einhundertjährigen Firmengeschichte der ZF Friedrichshafen hat das Unternehmen bereits 2020 mit der IG Metall den sogenannten „Tarifvertrag Transformation“ geschlossen, in dem verankert ist, dass Konzern und Betriebsrat gemeinsam Zukunftsperspektiven für die Standorte aushandeln müssen. An den meisten der Traditionsstandorte sind diese Zielbilder bereits ausformuliert und nun zumindest auch in Form von Eckpunkten für den N-Bereich in Friedrichshafen. „Im Moment erreichen uns viele Hiobsbotschaften aus anderen Betrieben der Automobilbranche“, so Betriebsratschef Dietrich. „Umso mehr freut es uns, dass wir bei ZF ein klares Bekenntnis zum Standort Friedrichshafen erhalten.“

Für das Werk für Nutzfahrzeugantriebe der ZF in Friedrichshafen wurden Eckpunkte für einen Zukunftsvertrag festgelegt.

Eine Hiobsbotschaft aus der Autoindustrie war jüngst die Insolvenz von Autozulieferer Allgaier, die jedoch nicht unmittelbar mit der Transformation zusammenhängt. Für zwei Standorte der ZF Friedrichshafen sieht es angesichts des Wandels jedoch weiterhin düster aus und dort sind auch keine Zielbilder vereinbart. Im Oktober 2022 hatte ZF verkündet, das Werk im nordrhein-westfälischen Eitdorf schließen zu wollen, die Mitarbeiter kämpfen seitdem um ihre Jobs. Inzwischen heißt es jedoch, man suche nach einem Käufer, der die Arbeitsplätze bewahren könne. Das Werk in Brandenburg an der Havel könnte noch deutlicher von der Transformation betroffen sein. ZF produziert dort 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe – vorrangig für Porsche.

Rubriklistenbild: © Felix Kästle/ZF Friedrichshafen

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