VonKatharina Scholzschließen
Der CDU-Stadtrat und Ortschaftsrat hat sich 35 Jahre lang in der Kommunalpolitik engagiert. 2024 hört er auf. Worauf er stolz ist und was er bis heute nicht verwunden hat.
Aalen-Waldhausen
Als kleiner Bub hat Herbert Brenner nicht gedacht, dass er das erreicht. Er ist 1947 in Aalen geboren, etwa 100 Meter vom Rathaus entfernt. In seiner Jugend beobachtete er, wer dort aus und ein ging. Er erinnert sich an die Stadträte, wer mit dem Fahrrad kam, wer einen besonderen Hut trug und an alle Namen. „Da kommst Du niemals hin“, dachte Brenner. Doch er hat es geschafft. 1989 wurde er das erste Mal für die CDU in den Gemeinderat und in den Ortschaftsrat Waldhausen gewählt. Dorthin ist er gezogen. Der günstigen Bauplätze wegen. Knapp 15 Jahre war er Ortsvorsteher.
2024 ist Schluss für Brenner, den alle „Joe“ nennen. Bei der Kommunalwahl im Juni will der 76-Jährige nicht mehr antreten. Nach 35 Jahren wird sein ehrenamtliches Engagement in der Kommunalpolitik zu Ende gehen. An diesem Nachmittag im August sitzt er auf seiner Terrasse in Waldhausen und blickt zurück. Bei der Erinnerung helfen zwei dicke Aktenordner, in denen Brenner Zeitungsausschnitte, Fotos, Flugblätter und Wahlprospekte gesammelt hat.
Das Thema Windkraft spaltet den Ort
Er spricht von der guten alten Zeit und vom früheren Oberbürgermeister Ulrich Pfeifle. „Der beste OB, unter dem ich dienen durfte.“ Auch im Ort war aus seiner Sicht alles gut. „Waldhausen war noch ein Dorf“, sagt er und fügt an: „Es wurden viele Feste gefeiert.“ Der Zusammenhalt sei dagewesen. „Und dann kam eines Tages die Windkraft.“ Da sei ein Riss durch Waldhausen gegangen. Die Auswirkungen seien bis heute zu spüren. „Als die erste Vorlage in den Ortschaftsrat kam, habe ich geahnt, dass das schief geht“, erzählt Brenner, der damals Ortsvorsteher war. 270 Hektar habe der Regionalverband für die Windkraft bei Waldhausen ausgewiesen. „27 Windräder wären somit möglich gewesen“, sagt Brenner. Er setzt sich damals für die Windkraft in Waldhausen ein, allerdings in reduziertem Ausmaß. 27 Anlagen hält er für zu viel.
Trotzdem gefällt das nicht allen im Ort. Eine Bürgerinitiative gründet sich. Brenner steht in der Kritik. Weder er noch seine Frau Christel hätten irgendwo hingehen können, ohne auf das Thema angesprochen zu werden. Und die Kritik wird nicht immer sachlich vorgebracht. Brenner bekommt böse Briefe und Anrufe nachts um 3 Uhr. „Hau ab aus Waldhausen, du Sau“, hätte ihm jemand am Telefon gesagt. Dass er damals einen Herzinfarkt bekommt, führt er auf diese anstrengende Zeit zurück.
Doch letztlich hat Brenner Erfolg. Im ersten Schritt werden sieben Windkraftanlagen gebaut - keine 27. Mit der Firma Uhl Windkraft handelt Brenner eine Abgabe an den Ort aus. Damit seien Vereine und die Schule unterstützt worden.
Zahlreiche Projekte werden unter Brenners Ägide verwirklicht
Auch in anderen Dingen hat er Erfolg. Unter anderem setzt er sich dafür ein, dass das Bürgerhaus gebaut und das Rathaus saniert wird. Zahlreiche weitere Projekte unter seiner Ägide zählt er auf: die Sanierung der Turnhalle, die Sanierung des katholischen Kindergartens, das neue gemeinsame Feuerwehrhaus in Ebnat und noch mehr. Für mehrere Baugebiete hat er sich eingesetzt. Außerdem für das Gewerbegebiet Geißberg und die Ansiedlung von Kampa. Als der damalige OB Thilo Rentschler (SPD) ihn dafür öffentlich lobt, freut sich Brenner. Sonst ist er nicht gut auf Rentschler zu sprechen. Ihn macht er verantwortlich dafür, dass er 2014 nicht mehr als Ortsvorsteher wiedergewählt wird.
Bei der Kommunalwahl 2014 ist Brenner wieder einmal Stimmenkönig im Ortschaftsrat. Aber den Ortsvorsteher wählen nicht die Bürgerinnen und Bürger, sondern die Ortschaftsräte. Der Gemeinderat folgt dessen Wille in aller Regel. Die ausschlaggebende Stimme von Harald Wörner (SPD) bekommt Brenner im Ortschaftsrat nicht. „Rentschler sitzt daneben und grinst“, sagt Brenner. Viel habe er inzwischen verziehen, sagt Brenner. „Das habe ich aber nicht verwunden.“ Dass Wörner und er keine Freunde sind, ist bis heute in den Ortschaftsratssitzungen zu spüren.
Nach der Schlappe 2014 wird er stiller
Brenner findet, dass der Ortschaftsrat damals den Wählerwillen nicht respektiert hat. Derjenige mit den meisten Stimmen - also er - hätte Ortsvorsteher bleiben sollen. „Die Grundlage der Demokratie ist der Wähler, also der Bürger“, sagt er. Danach habe er stets gehandelt. „Ich fühle mich nicht als Politiker, ich bin Bürgervertreter.“ Nach der Schlappe 2014 wird Brenner stiller. Im Ortschaftsrat vertritt er seine Positionen zwar bis heute mit Nachdruck. Im Gemeinderat ist seine Stimme nur noch selten zu hören. „Ich war kein Hinterbänkler, ich bin einer geworden“, sagt Brenner. Eine Anspielung auf einen Meinungsbeitrag in der SchwäPo, der Mitglieder der CDU-Fraktion, die sich selten zu Wort melden, so bezeichnet hatte. Aber, wenn ihn etwas aufregt, dann ist seine Stimme im Aalener Rat deutlich zu hören. Zuletzt 2021, als es Probleme auf der Baustelle der neuen Kindertagesstätte im Ort gab.
Wenn andere, die weniger Erfahrung haben als er, ihre Meinung sagen, gefällt ihm das nicht immer. Zum Beispiel wenn jemand, der nicht aus Aalen stammt, große Reden über die Wiederherstellung des Gaulbads schwingt. Brenner dagegen kenne die Kocherbucht noch aus der Kindheit. „Ich bin einmal fast hineingefallen und ertrunken“, sagt er. Oder wenn jemand, der neu ins Gremium gewählt wurde, gleich Ideen für große Projekte hat. „Da hört man doch erst einmal zu und schaut, wie es da läuft“, sagt Brenner.
Er war nicht nur in der Kommunalpolitik aktiv, sondern auch im Sportverein. Dort war er lange Vorsitzender und hat den Nachumzug initiiert. Wenn er ab Sommer 2024 kürzer tritt, hat er mehr Zeit für seinen Garten und Motorradtouren.
Als Jugendlicher macht Herbert Brenner einen Ferienjob und fällt auf einer Baustelle vom Gerüst. Die Kollegen bringen ihn ins Krankenhaus. Dort sagt er: „Old Joe stirbt nie“. Warum er das gesagt hat, weiß er nicht mehr genau. Aber seitdem wird er so genannt. Bei der Firma bleibt Brenner nach dem Schulabschluss und schließt in nur eineinhalb Jahren eine Lehre zum Gas- und Wasserinstallateur ab. Später geht er zur Bereitschaftspolizei, wo er den Wehrersatzdienst leistet, und bleibt bei der Polizei. Lange ist er Jugendsachbearbeiter. Seit 16 Jahren ist er in Rente.


