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In der Geschichte von Stuttgart liegen viele spannende, aber auch überraschende Fakten verborgen, die die Stadt zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Kaum einer weiß wohl etwa, welche glorreichen Erfindungen aus der Schwaben-Metropole hervorgingen.
Stuttgart - Die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart ist für viele Dinge in Deutschland und dem Rest der Welt bekannt. Wer an die Schwaben-Metropole denkt, denkt etwa an Maultaschen und Käsespätzle, den VfB Stuttgart, den Cannstatter Wasen – das zweitgrößte Volksfest der Welt – oder aber auch an einen starken Wirtschaftsstandort. Viele große Unternehmen haben in Stuttgart ihren Sitz, die wohl bekanntesten sind die Automobilhersteller Mercedes-Benz und Porsche.
Was jedoch kaum einer weiß: Stuttgart ist für weit mehr als Mercedes, VfB oder Maultaschen bekannt. In vielen Bereichen hat die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg eine Pionierrolle eingenommen. Es gibt viele überraschende Geschichten und Erfindungen aus dem Kessel, wie ein Blick in die Vergangenheit der Stadt zeigt. BW24 hat 10 Dinge zusammengefasst, die kaum einer über Stuttgart weiß.
1. Schon gewusst? In Cannstatt wurde der BH erfunden
Einen BH zu tragen, ist für viele Frauen inzwischen selbstverständlich. Doch dass der Büstenhalter aus Stuttgart stammt, weiß wohl kaum einer. In der Korsettfabrik S. Lindauer & Co. in Cannstatt entstand kurz vor dem Ersten Weltkrieg der erste industriell hergestellten Büstenhalter. Sigmund Lindauer ließ etwa um das Jahr 1912 den Brusthalter, der „ohne Versteifung auf der Haut zu tragen“ war, patentieren. Das bedeutete gleichzeitig das Ende des unbequemen Korsetts.
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2. Der Stuttgarter Fernsehturm ist ein Vorbild für die ganze Welt
Der Fernsehturm in Stuttgart ist noch heute eine bekannte Sehenswürdigkeit, ein beliebtes Ausflugsziel und das Wahrzeichen der Stadt. Das Interessante an dem 217 Meter hohen Bau: Nach seiner Einweihung am 5. Februar 1956 wurde er auf der ganzen Welt nachgebaut und weiterentwickelt. Der Stuttgarter Fernsehturm war quasi der Prototyp für diese Bauweise. Seit Mai 1956 sendet der Fernsehturm über den Mast Radio-Programme. Im Jahr 2000 wurde eine leistungsfähigere DAB-Antenne angebracht. Die Fernsehantenne ist dagegen stillgelegt.
3. In Stuttgart-Feuerbach wurde der erste VW Käfer hergestellt
Bevor Porsche sich zu einem der größten Sportwagenhersteller entwickelte, fing auch diese Weltmarke einmal klein an. Denn zunächst entwarf Gründer Ferdinand Porsche in den 1930er Jahren ein Automobil für jedermann: den VW Käfer. In einer Garage am Feuerbacher Weg auf dem Killesberg arbeitete Porsche an dem Fahrzeug. Etwa 1936, zwei Jahre nachdem er den Auftrag bekommen hatte, das Auto serienfähig zu konstruieren, präsentierte er die ersten drei Modelle.
Bis der VW Käfer schließlich in die Produktion gehen konnte, dauerte es aufgrund des Krieges jedoch noch eine Weile. Der Start erfolgte erst nach Kriegsende. Das Auto war bei den Menschen dennoch beliebt und erfolgreich: Bis 2003 rollten 21,5 Millionen Exemplare vom Band.
4. Wer hätte es gedacht: Der Teddybär ist ein Stuttgarter
Auf dem Wappen der baden-württembergischen Landeshauptstadt ist zwar ein Pferd abgebildet, das Tier, für das Stuttgart eigentlich steht, ist allerdings der Teddybär. Das beliebte Kuscheltier hat seinen Ursprung in der Schwaben-Metropole. Eine Version zur Entstehung des Teddys geht auf Richard Steiff zurück, den Neffen der Spielwarenherstellerin Margarethe Steiff. Der Student der Kunstgewerbeschule in Stuttgart verbrachte seine Freizeit gerne im „Nill’schen Tiergarten“, damals ein Privatzoo im Stuttgarter Norden. Am liebsten zeichnete er dort die Bären und gab diese Bilder an seine Tante weiter.
Margarethe Steiff produzierte nach dieser Vorlage den ersten Steiff‐Bären und stellte den Prototyp 55 PB (Bezeichnung für 55 Zentimeter, Plüsch, beweglich) schließlich bei der Spielwarenmesse in Leipzig vor. Zunächst habe dort kaum einer Interesse an den Teddybären gezeigt. Kurz vor Schluss kaufte jedoch ein Amerikaner alle 100 Exemplare und bestellte noch 3.000 weitere – so eroberte der Teddy die Welt.
5. In der Schwaben-Metropole wachsen amerikanische Mammutbäume
Imposante amerikanische Mammutbäume mitten in Stuttgart? Tatsächlich wachsen diese Kolosse im Ländle. König Wilhelm I. war ein großer Fan der Mammutbäume und ließ kurz vor seinem Tor 5.000 Setzlinge aus Nordamerika importieren. Sie wurden im ganzen Land eingepflanzt. In der schwäbischen Metropole lassen sich mehrere Exemplare an der Weinsteige, in der Wilhelma und auch im Schlossgarten finden. Einer Geschichte zufolge wollte König Wilhelm eigentlich nur eine Handvoll Samen und bestellte „ein Löt Samen“. Der Amerikaner verstand jedoch „a lot“ (dt. sehr viel) und schickte deshalb statt 15 Gramm ein ganzes Pfund der Samen.
6. Die erste Waldorfschule wurde in Stuttgart-Ost gegründet
Mittlerweile gibt es die Waldorfschulen und Waldorfkindergärten nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt. Die erste Einrichtung, in der die Waldorf-Pädagogik praktiziert wurde, wurde in Stuttgart-Ost gegründet. An der Uhlandshöhe eröffnete sie im September 1919 und richtete sich zunächst in einem neuen Konzept an die Arbeiterkinder der Zigarettenfabrik Waldorf‐Astoria. Die Pädagogik, die vom Anthroposophen Rudolf Steiner entwickelt wurde, stellt ein menschenfreundliches Bildungswesen in den Vordergrund. Die Kinder sollten die Möglichkeit haben, ihre Talente zu entwickeln. Das Konzept hat sich jedenfalls durchgesetzt.
7. Keine Einbildung: In Bad Cannstatt leben tatsächlich wilde Papageien
Vogelwild geht es in Stuttgarts größtem Stadtteil Bad Cannstatt zu, denn dort leben seit etwa 1984 sogenannte Gelbscheitelamazonen. Die Papageien mit dem grünen Gefieder und dem gelben Kopf sind normalerweise in den tropischen Regenwäldern Lateinamerikas heimisch, doch eben auch in der Landeshauptstadt haben sich einige niedergelassen. Es ist sogar die einzige frei lebende Population außerhalb Amerikas. Die Vögel versammeln sich nachts an einem gemeinsamen Schlafplatz im Zentrum von Bad Cannstatt, tagsüber sind sie am Himmel zu sehen.
8. Stuttgart hat eine der größten Bibelsammlungen der Welt
In der Sammlung der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart befinden sich über 20.000 gedruckte Exemplare der Bibel in über 650 Sprachen – eine der größten Sammlungen der Welt. Begonnen hatte es damit, dass Karl Eugen von Württemberg zwei Bibelsammlungen für seine öffentliche Bibliothek kaufte. Es folgten weitere durch die Pflichtexemplare der Württembergischen Bibelanstalt. Vieles wurde zudem übernommen, getauscht oder geschenkt. Noch heute werden Bibeln zugekauft.
9. Die Zündkerze ist eine der wichtigsten Erfindungen aus der Landeshauptstadt
Die Jungfernfahrt des ersten Automobils machte Bertha Benz im August 1888 in Mannheim. Ohne eine Erfindung aus Stuttgart hätte diese jedoch nie stattfinden können. 1887 entwickelte Robert Bosch in seiner „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ den Vorläufer der heutigen Zündkerze. Das kleine Bauteil förderte den Weg zu immer schneller laufenden Benzinmotoren. 1914 eröffnete Bosch die erste Fabrik, in der ausschließlich die Produktion von Zündkerzen erfolgte. Heute ist der Konzern noch immer ein wichtiger Zulieferer in der Automobilbranche.
10. Nicht in Marbach, sondern in Stuttgart stand die erste Statue des berühmten Dichters Friedrich Schiller
Neben Johann Wolfgang von Goethe ist auch Friedrich Schiller einer der bekanntesten Dichter Deutschlands. Schiller wurde 1759 in Marbach (Kreis Ludwigsburg) geboren und besuchte später die Militärakademie Karlsschule in Stuttgart. Zu seinen Ehren wurde im Jahr 1839 das erste Schillerdenkmal Deutschlands auf dem Alten Schlossplatz, heute Schillerplatz, enthüllt – das dürfte die Marbacher ziemlich geärgert haben. Etwa 30.000 Interessierte strömten damals zu der Enthüllung. Ein wahres Spektakel, denn noch nie zuvor hatte eine Veranstaltung in Stuttgart so viele Menschen angelockt.
Rubriklistenbild: © Fotomontage BW24/IMAGO/McPHOTO/Götz Schleser/Michael Weber




