Kinderkliniken im Ostalbkreis zusammenlegen? Grüne rudern zurück

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Eine Intensivpflegerin versorgt auf der Kinder-Intensivstation einen kleinen Patienten. Symbolfoto: dpa-Bildfunk
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Heftige Kritik gab's wegen Überlegungen zur Fusion der Kinderkliniken in Mutlangen und Aalen. Wie die Grünen im Kreistag jetzt darauf reagieren.

Aalen. Sie sind überrascht von der starken, auch emotionalen Reaktion auf ihren Vorschlag, die beiden Kinderkliniken im Ostalbkreis zusammenlegen: Veronika Gromann, Volker Grab und Dr. Rolf Siedler von der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen erklärten am Dienstag, dass sie diesen Vorschlag „im Moment nicht weiterverfolgen“ möchten.

Warum es keinen Antrag geben soll

Vorgeschichte: In der Haushaltsdebatte im Kreistag hatten die Grünen dies formuliert, als „Anregung“, wie Volker Grab es nannte. „Dass wir dadurch Ängste ausgelöst haben bei unterschiedlichen Gruppen, zuallererst bei Eltern“, das habe in der Fraktion niemand gewollt. Vielmehr plädieren die Grünen nun dafür, über das Thema Kinderkliniken innerhalb des „Gesamtprozesses“ zur Zukunft der Kliniken zu sprechen – unter Einbeziehung der Kinderärzte. Gromann, Grab und Siedler möchten nicht, dass aus der Anregung ein Antrag wird, über den im Kreistag debattiert wird. „Darüber werden wir den Landrat informieren“, sagte Grab.

Veronika Gromann, Volker Grab und Dr. Rolf Siedler im Pressegespärch zur Kinderklinik.

Warum überhaupt das Ganze?

Warum die Grünen den Vorschlag überhaupt gemacht haben, erklärte Siedler. „Wir wollten eine faktenbasierte Diskussion für die bestmögliche Lösung“, sagte Siedler, räumt aber ein: „Die Debatte ist emotional davon galoppiert.“ In der Tat: Mittlerweile hat eine Petition für den Erhalt beider Kliniken rund 30 000 Unterzeichner. Und der Aalener Gemeinderat soll sich am Donnerstag auf Antrag der SPD für den Erhalt beider Kinderkliniken aussprechen. Und kreisweit gingen Kinderärzte gegen den Vorschlag in Stellung.

Verantwortung übernehmen

Hätte man damit rechnen können? „Wir waren vielleicht blauäugig“, räumte Grab ein. Eigentlich sei es den Grünen darum gegangen, „Verantwortung als Kreisräte zu übernehmen“. Denn die Drei sehen die Gefahr, dass es im Ostalbkreis nicht mehr um die Frage gehe, ob es eine oder zwei Kinderkliniken gibt, sondern „eine oder keine“, wie Gromann ergänzte. Sie beziehen sich dabei auf ein internes Papier der Kreisverwaltung vom März 2023, indem eine Zusammenlegung im Bereich der Kinderkliniken geraten werde – und zwar aus Gründen des Personals. Auch Zahlen würden darin genannt. So sei die Auslastung in der Allgemeinen Pädiatrie (ohne Frühchen) in Mutlangen bei gerade 43 Prozent, in Aalen bei 75 Prozent. Mit ein Grund: fehlendes Personal.

Personal und gesetzliche Vorgaben

Ebenso sorgen sie sich, ob in Mutlangen weiter eine Level-1-Versorgung für Frühchen erhalten werden könne. Schon jetzt gebe es Probleme, weil die laut Gesetz notwendigen Fallzahlen kaum eingehalten werden können. Angesichts dieser Fakten sehen Gromann, Siedler und Grab „schon Anlass, uns damit intensiv zu beschäftigen“, um Synergien zu heben. Patientenwohl, Mitarbeiterwohl und dass die Kliniken in öffentlicher Trägerschaft bleiben, darum gehe es nach wie vor. Und Siedler ist sich sicher, dass der Ostalbkreis, trotz aller Emotionalität, insgesamt in der Klinikdebatte „ohne Entscheidungen kein Land“ sieht.

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