VonUlrike Schneiderschließen
Was in einer Sondersitzung des Verwaltungsrats der Kliniken Ostalb besprochen wird und wie das Grobkonzept die drei Klinikstandorte Aalen, Mutlangen und Ellwangen bewertet.
Aalen
Mit einem flammenden Plädoyer hat Landrat Dr. Joachim Bläse am frühen Dienstagabend am Ende der Sitzung die Mitglieder des Verwaltungsrats der Kliniken Ostalb eingeschworen, mit Mut und Verantwortungsbewusstsein den Vorschlag für den nächsten, konsequenten Schritt hin zu einer zukunftssicheren Klinikstruktur mitzutragen. „Das heute ist noch kein Beschluss über ein fertiges Konzept“, unterstrich der Landrat. Es gehe aber um die klinische Versorgungssicherheit auf der Ostalb und darum, wie es mit den drei Kliniken im Kreis weitergeht. „In dieser Sondersitzung geht es darum, das Thema öffentlich zu machen“, sagte er.
Die Ist-Analyse
Davor hatte die Vorständin der Kliniken Ostalb, Sylvia Pansow, die Ist-Analyse, Übergangsmaßnahmen und die Grobkonzeption des Zukunftskonzepts der Kliniken Ostalb vorgestellt. Dabei sparte die Vorständin unliebsame Wahrheiten nicht aus.
Aber der Reihe nach. Pansow stellte zunächst die sich ändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wie Demografie, Technologie und Fachkräftemangel in Zusammenhang mit den drei Kliniken in Aalen, Mutlangen und Ellwangen und der dort angesiedelten Versorgung. Beispielsweise sprach sie von 65 000 Notfallpatienten pro Jahr auf alle drei Klinikstandorten verteilt, von denen 60 Prozent ambulant behandelt werden, und von „einer bestmöglichen Versorgung für alle“.
Welches Modell wird präferiert?
Doch wie sieht die optimale Struktur der Kliniken im Ostalbkreis aus? Sylvia Pansow zeigte in ihrer Präsentation auf, dass das Modell „Regionalversorgung“ zu präferieren sei. Was das bedeutet? Das Konzept sieht einen klinischen Regionalversorger und zwei klinische Grundversorger in Mutlangen und Ellwangen vor. Die Mutlanger Klinik sieht das Grobkonzept mit einer Notfallversorgung und Geburtshilfe; die Ellwanger mit einer Notfallversorgung und als Gesundheitsakademie, die noch zu entwickeln sei. Ergänzend soll ein ambulantes Gesundheitszentrum in Bopfingen weiterverfolgt werden. Den künftigen Standort des Grundversorgers müsse man, so die Vorständin, im Übrigen noch in einem Auswahlverfahren ermitteln.
Vorteile dieser Variante sind laut Pansow stabile „Mindestmengen“, keine Doppelstrukturen und eine bestmögliche Zentralisierung aller stationären Leistungen. Nachteilig seien die Personalgewinnung für die Gesundheitszentren und die Umsetzbarkeit einer flächendeckenden Notfallversorgung.
Wo Nachteile überwiegen
Einem Modell der „2 starken Häuser“ mit Regionalversorgern in Mutlangen und Aalen sowie einem Gesundheitscampus in Ellwangen und einem ambulanten Gesundheitszentrum in Bopfingen erteilte sie argumentativ eine Absage. „Hier gibt es keine Empfehlung durch die Arbeitsgruppe“, sagte sie und sprach zudem von Doppelstrukturen und Konkurrenz.
Nicht ganz so vehement, doch auch deutlich stellte das Grobkonzept beim Modell „2D“ mit einem zentralen Regionalversorger und einem Grundversorger in Ellwangen – plus Bopfingen – Nachteile heraus: bei der Personalgewinnung für den Grundversorger und der Wirtschaftlichkeit für das kleine Haus. Zudem gebe es Doppelstrukturen, wenn auch wenige.
Welcher Standort was bietet
Vier Bereiche deckt der Regionalversorger des Ostalbkreises nach dem Grobkonzept ab. Sylvia Pansow nannte die Zentrale Notaufnahme unter anderem mit einer Intensivstation mit 20 Betten, einem regionalen Traumazentrum; die chirurgischen Fachbereiche mit Unfallchirurgie, Urologie, Gynäkologie oder Neurochirurgie; die internistischen sowie sonstigen Fachbereiche.
Bittere Pillen?
„Ich bin die Überbringerin der schlechten Nachricht“, so Pansow. Nicht zu vermeiden sei, um zukunftssichere Strukturen zu schaffen, die Schließung der Geburtshilfe in Ellwangen. Und auch die Onkologie werde nicht an ihren drei Standorten bleiben können. „Es wird nur eine Onkologie geben – in Mutlangen“, so die Vorständin. Ob diese Maßnahme bereits 2024 realisiert werden könne, müsse sich zeigen. Dazu brauche es OP-Kapazitäten, Betten und Personal.
Landrat Bläse unterstrich die Notwendigkeit einer neuen Struktur mit Blick auf ein Defizit von 47 Millionen Euro 2024 und warnte vor privaten Krankenhausgesellschaften. „Nichts zu tun ist jetzt keine Alternative“, so Bläse weiter. Es brauche ein klares Bekenntnis dazu, „Strukturen zu zentralisieren, wo dies nötig ist“.
Am Ende der dreistündigen Sitzung signalisierten die Sprecher der Kreistagsfraktionen Zustimmung zu dem Grobkonzept.
Der Kreistag befasst sich mit dem Grobkonzept am Dienstag, 25. Juli.
