Massive Einschnitte beim Handelsriesen

Krise bei Galeria: Filiale in Region Stuttgart wird überraschend doch nicht geschlossen

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Deutschlandweit sollen 52 Geschäfte des Warenhausriesen Galeria Karstadt Kaufhof schließen.

Galeria Karstadt Kaufhof schließt deutschlandweit Filialen, darunter auch mehrere in Baden-Württemberg. Ein Haus in der Region Stuttgart soll nun überraschend bleiben.

Update vom 27. Juni, 10:20 Uhr: Im April gab der Handelsriese Galeria Karstadt Kaufhof bekannt, jede dritte Filiale in Baden-Württemberg schließen zu wollen. Auch eines von zwei Häusern in Stuttgart wird dem Rotstift zum Opfer fallen. Eine Filiale in der Region bleibt nun aber überraschend bestehen. Das Warenhaus in Leonberg (Kreis Böblingen) bleibe erhalten, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa). In den Verhandlungen mit dem Vermieter ECE sei eine Einigung erzielt worden. Erst am Samstag hatte der angeschlagene Handelskonzern mitgeteilt, dass auch die Filiale in Essen vor der Schließung bewahrt werden konnte.

Erstmeldung vom 13. April: Stuttgart - Auch die Galeria-Kaufhäuser in Baden-Württemberg bleiben von den Einschnitten im Filialnetz des Handelsriesen nicht verschont: Zum 31. Januar schließen die Geschäfte in Esslingen, Heidelberg (Bismarckplatz), Leonberg, Pforzheim, Reutlingen und in der Eberhardstraße in Stuttgart, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Damit macht jede dritte Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof im Südwesten dicht.

Deutschlandweit sind 52 der 129 Warenhäuser betroffen. Der Gesamtbetriebsrat geht von 5000 verlorenen Arbeitsplätzen aus. Wie viele Menschen im Südwesten ihren Job verlieren, stand zunächst nicht fest. „Dies ist ein rabenschwarzer Tag“, betonte der Betriebsrat.

Handelsverbandsgeschäftsführerin: Galeria-Schließungen in Baden-Württemberg sind Chance für die Innenstädte

Die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg, Sabine Hagmann, rief dazu auf, die Schließung der Warenhäuser als Chance für die Innenstädte zu sehen. „Denn in jedem Ende liegt ein neuer Anfang. Wir sind uns sicher, dass an zahlreichen Standorten der entstehende Platz für neue, innovative Konzepte genutzt werden kann.“

Die zwölf Häuser in Freiburg am Bertholdsbrunnen und am Europaplatz, der Heidelberger Hauptstraße, Heilbronn, Karlsruhe, Konstanz, Lörrach, Mannheim, Offenburg, Singen, der Stuttgarter Königstraße und Ulm bleiben bestehen.

Galeria Karstadt Kaufhof hatte Ende Oktober Rettung in einem Schutzschirm-Insolvenzverfahren suchen müssen. Als Gründe wurden die gestiegenen Energiepreise und die Konsumflaute genannt.

Galeria Karstadt Kaufhof: Bereits 2020 wurden 40 Filialen geschlossen und 4000 Stellen abgebaut

Es ist der zweite Versuch, den Handelsriesen durch ein Schutzschirmverfahren auf Erfolgskurs zu bringen. Ein erster Anlauf, der 2020 während des ersten Corona-Lockdowns gestartet worden war, hatte dem Unternehmen trotz der Schließung von rund 40 Filialen, dem Abbau von etwa 4000 Stellen und der Streichung von mehr als zwei Milliarden Euro Schulden nur vorübergehende Entlastung gebracht.

Anfang 2021 und Anfang 2022 bat der geschrumpfte Handelsriese angesichts der Pandemie um staatliche Unterstützung. Insgesamt griff der Wirtschaftsstabilisierungsfonds dem Traditionsunternehmen in zwei Hilfsaktionen mit 680 Millionen Euro unter die Arme – ohne Erfolg.

Der Sanierungsexperte Arndt Geiwitz, der auch das erste Schutzschirmverfahren begleitet hatte, zeigte sich zuletzt zuversichtlich, dass es dank des zweiten Verfahrens eine Perspektive gebe. Der Handelsriese müsse dafür kleiner und dezentraler werden. (dpa/lsw/olt)

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