VonKatharina Scholzschließen
Ab sofort können sich Eigentümer bei der Aalener Wohnungsbau melden. Die städtische Gesellschaft kümmert sich um die Vermietung. Die Stadt sorgt für finanzielle Sicherheit.
Aalen
Die Aalener Wohnungsbau ist bereit. Wer im Stadtgebiet eine leerstehende Wohnung besitzt, kann sich ab sofort bei der städtischen Gesellschaft melden. Die Wohnungsbau hilft dabei, sie zu vermieten, die Stadt Aalen sorgt für finanzielle Sicherheit. Der Gemeinderat hat das Konzept dahinter beschlossen. Bei einem Pressegespräch am Freitag haben die Beteiligten vorgestellt, wie die Wohnraumakquise genau funktioniert.
„Das ist Teil unserer Anstrengungen, mehr Wohnraum und günstigen Wohnraum zu schaffen“, sagt Oberbürgermeister Frederick Brütting. „Wir sehen, dass viele Wohnungen leer stehen.“ Auf Grundlage von statistischen Daten hochgerechnet gebe es in Aalen rund 800 ungenutzte Wohnungen. Gefühlt seien es vielleicht noch mehr, sagt der OB.
Dass es tatsächlich viele leerstehende Wohnungen im Stadtgebiet gibt, hat die Wohnungsbau gespürt nach einem Aufruf, Wohnraum für Geflüchtete aus der Ukraine bereitzustellen. „Über 250 Wohnungen sind uns innerhalb von einem Jahr angeboten worden“, sagt Michael Schäfer. Warum manche Eigentümerinnen und Eigentümer eine Wohnung nicht vermieten wollen, führt der OB auf gewisse Ängste zurück. „Dass die Miete nicht bezahlt wird, dass mit dem Eigentum nicht ordentlich umgegangen wird, dass man mit den Mietern nicht klarkommt“, nennt er einige Beispiele.
Sichere Miete: Die Ängste will das Konzept hinter der Wohnraumakquise nehmen. Schäfer erläutert, wie es funktioniert: Wer eine leerstehende Wohnung hat, meldet sich bei der Wohnungsbau. Nach einer Besichtigung sucht die städtische Gesellschaft aus ihrer Interessentenkartei die passenden Mieter aus und kümmert sich um Mietverträge und alles weitere. Im Modell „3+2“ vermieten die Eigentümer drei Jahre an die Wohnungsbau, die die Miete in Höhe der ortsüblichen Vergleichsmiete an die Eigentümer bezahlt. Die Wohnungsbau vermietet die Wohnung unter. Auf die Art sei garantiert, dass die Eigentümer in jedem Fall ihre Miete bekommen. Bei Mietausfällen übernimmt die Stadt. „Unser Ziel ist, dass nach drei Jahren ein direkter Mietvertrag zustanden kommt“, sagt Schäfer. Klappt das, erhalten die Eigentümer weitere zwei Jahre eine Mietgarantie.
Schutz des Eigentums: Sollten Mieter nicht ordentlich mit dem Eigentum der Vermieter umgehen, ist außerdem garantiert, dass sie Schäden ersetzt bekommen.
Probleme mit den Mietern: Sollte es zu anderen Problemen mit den Mietern kommen, zum Beispiel wegen Mülls oder Lärms, erläutert Rober Mikaelyan vom Amt für Soziales, helfen Sozialpädagogen weiter. Ansprechpartner für Mieter und Vermieter ist auch hier die Wohnungsbau. Baubürgermeister Wolfgang Steidle betont, dass es keinesfalls zu Problemen kommen muss, im Gegenteil. Neulich habe er einer Aalenerin zum 90. Geburtstag gratuliert und sie besucht. Sie habe erzählt, ihre davor leerstehende Einliegerwohnung im Haus an zwei Studenten vermietet zu haben. „Erst hat sie überredet werden müssen, jetzt ist sie überzeugt“, sagt Steidle. So wohne die Seniorin nicht mehr allein im Haus, die Studenten mähten außerdem den Rasen und brächten ihr Würstle, wenn sie im Garten grillen.
Sanierungsstau: Auch wenn eine leerstehende Wohnung noch saniert werden muss, bevor sie vermietet werden kann, hilft die Wohnungsbau weiter. „Unsere technische Abteilung schaut sich den Sanierungsbedarf an und übernimmt die Ausschreibung und Koordination der Arbeiten“, sagt Schäfer. Von der Stadt gibt es bis zu 10 000 Euro Zuschuss. Im Gegenzug müssen sich Vermieter verpflichten, die Wohnung für eine gewisse Zeit, 33 Prozent unter der ortsüblichen Vergleichsmiete zu vermieten.
OB Brütting ist froh über jede leerstehende Wohnung, die auf diesem Weg aktiviert werden kann. Er rechnet damit, dass mit der Wohnraumakquise rund 200 Wohnen in den kommenden Jahren wieder auf den Markt gebracht werden können.
Link: Weitere Informationen online unter www.wohnungsbau-aalen.de oder unter Tel. (07361) 95750
