Elektro reicht nicht

„Brauchen Diversität statt Diskriminierung“: Mahle-Chef spricht sich weiter für Verbrenner und Co. aus

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Autozulieferer Mahle hat bereits verdeutlicht, am Verbrenner festhalten zu wollen. CEO Arnd Franz sprach sich erneut für eine Technologieoffenheit aus.

Stuttgart - Die große E-Auto-Offensive kommt immer mehr ins Straucheln. Inzwischen stellt sogar Mercedes-Chef Ola Källenius das Verbrenner-Aus infrage und erklärte, dass es diesbezüglich wohl „ein bisschen zu viel Optimismus“ gegeben habe. Während der schwäbische Autokonzern sich komplett auf die E-Mobilität ausrichtet, sind die großen Autozulieferer aus Baden-Württemberg in Bezug auf die Transformation sehr viel zögerlicher. Der Stuttgarter Konzern Mahle hat bereits erklärt, die Nachfrage nach Verbrenner-Komponenten bedienen zu wollen, solange es die Kunden wollen.

Der einstige Kolbenspezialist Mahle richtet sich zwar ebenfalls auf die E-Mobilität aus und setzt große Hoffnungen in das Thermomanagement, lässt den altgedienten Antrieb aber nicht außen vor. „Auf dem globalen Markt wird es noch lange Verbrennungsmotoren geben“, hatte eine Konzernsprecherin gegenüber BW24 erklärt. „Wir müssen daher technologieoffen alle Wege nutzen, um die Mobilität schnellstmöglich so nachhaltig und umweltfreundlich wie möglich zu gestalten.“ Bei einer kürzlichen Presserunde sprach sich Mahle-CEO Arnd Franz erneut für eine Technologieoffenheit aus.

Laut Mahle-Chef kann batterieelektrischer Antrieb nicht einzige Lösung sein

Die Elektromobilität gilt zwar als Antrieb der Zukunft, derzeit hängen aber die meisten Arbeitsplätze in der Autoindustrie nach wie vor an der Verbrennerproduktion und nach Meinung mehrerer Konzerne lassen sich die CO₂-Ziele mit einem reinen Fokus auf Elektro nicht erreichen. „Wir brauchen Diversität statt Diskriminierung“, sagte Mahle-Chef Arnd Franz, der den angeschlagenen Traditionskonzern seit November 2022 leitet, der Austria Presse Agentur (APA) zufolge bei einem Gespräch am Montag (19. Februar). Die Stuttgarter sind seit langem ein erklärter Befürworter von synthetischen Kraftstoffen, die Verbrennungsmotoren klimafreundlich antreiben sollen.

Name Mahle GmbH
Gründung 1. Dezember 1920
Hauptsitz Stuttgart, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer
Produkte Motorenkomponenten, Filtersysteme, Klimatisierung, Elektrifizierungstechnik, Thermomanagement, Kolbentechnik, Ventilsteuerung, Motorsteuerung, Antriebsstrangtechnik, Prüfsysteme
Leitung Arnd Franz (CEO)
Mitarbeiter 71.947 (2022)
Umsatz 12,4 Milliarden Euro (2022)

Der Stuttgarter Autozulieferer hat bereits vor einiger Zeit den Einfluss der von Sportwagenbauer Porsche in Chile produzierten synthetischen Kraftstoffe auf seine Komponenten getestet und sich als „E-Fuels ready“ erklärt. Mahle-Chef Franz erklärte bei dem Gespräch, das laut APA im Vorfeld des Internationalen Wiener Motorensymposiums im April stattfand, dass der Bedarf an Komponenten für den Verbrennungsmotor in Europa bis 2035 um 95 Prozent zurückgehen werde. In anderen Regionen sehe das aber deutlich anders aus, weswegen der batterieelektrische Antrieb nicht die einzige Lösung sein könne.

Neben Mahle hält auch Autozulieferer Bosch am Verbrenner fest

Für die „emissionsfreie Mobilität und den emissionsfreien Transport der Zukunft“ sei es deshalb notwendig, weiterhin auf mehrere Technologien zu setzen, so Franz. Dazu zählt der Mahle-Chef neben Verbrennungsmotoren, die mit klimaneutralen Kraftstoffen betrieben werden, auch den Wasserstoff sowie den Einsatz von Biodiesel, Ethanol oder Bio-Flüssiggas. Autozulieferer Mahle hatte bereits in der Vergangenheit für Elektro, Verbrenner und Wasserstoff plädiert, letzterer soll allerdings vorrangig in Nutzfahrzeugen zum Einsatz kommen.

Arnd Franz, CEO des Stuttgarter Technologiekonzerns Mahle, plädiert weiterhin für eine Technologieoffenheit.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Neben Mahle hat sich auch der weltgrößte Autozulieferer Bosch in der Vergangenheit klar gegen ein Verbrenner-Aus ausgesprochen. Konzernchef Stefan Hartung erklärte, dass es weiterhin Autos mit Verbrennungsmotor geben werde und diese eben auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten könnten. Die E-Fuels, synthetische Kraftstoffe aus Solar- und Windenergie, scheinen von den Zulieferern insgesamt eher befürwortet zu werden als von den Autoherstellern. Mehrere Autozulieferer aus Baden-Württemberg hatten die Entscheidung, Verbrennungsmotoren, die mit E-Fuels betrieben werden, weiter zu erlauben, begrüßt.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

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