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Mannheim - Die Quadratestadt zwischen Neckar und Rhein hat viel zu bieten und wird nie langweilig. Alle Infos zur Stadt:
Mannheim, im Flussdelta von Rhein und Neckar, ist die drittgrößte Stadt Baden-Württembergs. Die "Quadratestadt" verdankt ihren Namen der schachbrettartigen Innenstadt. Kultur, Erfindergeist und Kreativwirtschaft prägen die Stadt, die Persönlichkeiten wie Friedrich Schiller, Carl Benz und Steffi Graf hervorbrachte. Als Industriehochburg und UNESCO City of Music vereint Mannheim Gegensätze und Weltoffenheit.
| Stadt | Mannheim |
| Bundesland | Baden-Württemberg |
| Fläche | 145 km² |
| Bevölkerung | 318.035 (31. Dez. 2024) |
| Oberbürgermeister | Christian Specht (CDU) |
Mannheim: Einwohner und Lage der Quadratestadt
Die Stadt liegt im nördlichen Teil Baden-Württembergs, grenzt an Rheinland-Pfalz und Hessen und erstreckt sich im Flussdelta von Rhein und Neckar. Sie ist in sechs innere und elf äußere Bezirke aufgeteilt. Mit 316.877 Einwohnern ist Mannheim die drittgrößte Stadt im Ländle und die 22. bevölkerungsreichste Stadt Deutschlands.
Mannheim ist ein kultureller Schmelztiegel, 44,7 % der Einwohner haben Migrationshintergrund, vor allem aus der Türkei, Polen und Italien. Die in 144 Quadrate aufgeteilte Innenstadt hat Mannheim den Spitznamen "Manhattan Deutschlands" eingebracht. Kurfürst Friedrich IV. legte 1606 den Grundstein für dieses System, was Mannheim sogar älter als New York City macht.
Mannheims Geschichte: Ursprünge der Quadratestadt
Im Jahr 74 n. Chr. waren Römer die ersten Siedler in Mannheim. 766 wurde das Dorf Mannenheim im Lorscher Codex erstmals urkundlich erwähnt. Nach zahlreichen mittelalterlichen Schlachten, einschließlich der Gefangennahme von Papst Johannes XXIII. im Jahr 1415, wurde Mannheim 1462 von Kurfürst Friedrich von der Pfalz in Besitz genommen. Unter seiner Herrschaft wurde Mannheim zur Stadt ernannt und erhielt auch ihr städtebauliches Merkmal: die Mannheimer Quadrate.
Doch der Dreißigjährige Krieg und eine Seuche führten bis 1622 zur Zerstörung und zum Niedergang der Stadt. Aufgrund ihrer strategischen Lage wurde Mannheim schnell wieder aufgebaut, nur um 1689 von französischen Truppen erneut zerstört zu werden. Der zweite Wiederaufbau begann 1697, danach blieb die Stadt von weiteren Zerstörungen verschont.
Mannheim während des Zweiten Weltkriegs
Im 18. Jahrhundert erlebte Mannheim eine kulturelle Blütezeit in Kunst, Musik, Wissenschaft und Handel. Doch gegen Ende des Jahrhunderts wurde die Stadt von Franzosen besetzt, von Österreichern zurückerobert und fiel schließlich an das Kurfürstentum Baden. Politisch verlor Mannheim an Bedeutung, doch kulturell und wirtschaftlich florierte es: Das Zweirad, die Gründung der BASF und das erste praxistaugliche Automobil entstanden hier.
Mit der Machtergreifung der NSDAP 1933 begann für Mannheim eine düstere Zeit. Rund 2.000 Juden wurden deportiert, und im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt durch alliierte Bombenangriffe fast völlig zerstört, darunter das Schloss und der Wasserturm. Mannheim entging nur knapp einem Atombombenabwurf, da US-Bodentruppen die Stadt zuvor im März 1945 einnahmen. Der mühsame Wiederaufbau führte im Wirtschaftswunder zu einem neuen Aufschwung, vor allem in Industrie und Dienstleistung.
Mannheims Sehenswürdigkeiten: Schloss und Wasserturm
Mannheim zieht oft weniger Besucher an als das nahegelegene Heidelberg, dabei ist die Stadt ein idealer Abschluss für einen Kurpfalz-Besuch. Das Stadtmarketing beschreibt Mannheim als „modern, barock, urban und grün“. Sehenswürdigkeiten wie der Wasserturm, der Fernmeldeturm und der Industriehafen spiegeln die vielfältige Geschichte der Stadt zwischen Rhein und Neckar wider.
Das Barockschloss, das die Universität Mannheim beherbergt, ist nach Versailles das zweitgrößte Barockschloss Europas und diente über 40 Jahre als Zentrum der Mannheimer Eliten. Hier gab sogar Wolfgang Amadeus Mozart Konzerte. Ein Spaziergang durch die Quadrate führt zum Wasserturm, dem Wahrzeichen der Stadt. Umgeben von einem Park lädt er besonders im Sommer zum Verweilen und Abkühlen ein.
Mannheims Sehenswürdigkeiten: Fernmeldeturm und Luisenpark
Ein weiteres Wahrzeichen Mannheims ist der über 200 Meter hohe Fernmeldeturm im Luisenpark. Von hier aus bietet sich ein beeindruckender Blick über die Rheinebene, den Odenwald und die Pfalz. Im Drehrestaurant Skyline kann man in 125 Metern Höhe die Aussicht genießen. Eine millionenschwere Sanierung steht im Raum, doch ein fester Termin ist noch nicht bekannt – ein Besuch lohnt sich also weiterhin.
Am Fuße des Fernmeldeturms liegt Mannheims „grüne Lunge“: der Luisenpark. Der Eintritt in den unteren Teil ist gratis, der obere Luisenpark kostet 8 Euro für Erwachsene und 4 Euro für Kinder. Besucher können eine Gondoletta-Fahrt machen, Schmetterlinge im Tierschauhaus bewundern oder im chinesischen Teehaus entspannen. Für Kinder gibt es zahlreiche Spielplätze. Im Winter locken die „Winterlichter“, die den Park in ein farbenfrohes Lichtermeer verwandeln und viele Besucher anziehen.
Mannheim: Sehenswürdigkeiten abseits vom touristischen Mainstream
Abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten bietet Mannheim viele Ecken abseits des Mainstreams. Im Stadtteil „Little Istanbul“ verschmelzen am Marktplatz türkische und deutsche Kultur. Baklava-Bäckereien, Brautkleidergeschäfte und Fußballkneipen prägen das Straßenbild. Vor allem im Sommer herrscht hier eine lebendige Atmosphäre, die selbst alteingesessene Mannheimer an Urlaubsgefühle erinnert.
Direkt neben „Little Istanbul“ liegt der Jungbusch, einst ein Rotlichtviertel, heute Mannheims angesagter Kiez. Seit der Eröffnung der Popakademie 2003 haben sich Studentenkneipen und Clubs etabliert. Doch durch Gentrifizierung entstanden auch teure Wein- und Craft Beer Bars, was steigende Mieten und Clubschließungen zur Folge hat. Der „Nachtwandel“, ein Kulturfestival, hält den kreativen Geist des Viertels jedoch lebendig.
Kunst, Kultur und Musik in der Quadratestadt
Das Freizeit- und Kulturangebot in Mannheim ist vielfältig. Die Kunsthalle, das Nationaltheater, das Reiss-Engelhorn-Museum und das TECHNOSEUM bilden das kulturelle Rückgrat der Stadt. Nach Einbruch der Dunkelheit erwacht das Mannheimer Nachtleben mit zahlreichen Locations wie dem Rosengarten und der Alten Feuerwache. Seit 2014 trägt Mannheim den Titel „UNESCO City of Music“, was die musikalische Vielfalt der Stadt unterstreicht.
Das Nationaltheater, seit 1777 eine bedeutende Bühne, hat sich in den letzten Jahren zum „NTM“ umbenannt, um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Hier wurde 1782 Friedrich Schillers „Die Räuber“ uraufgeführt, was als Höhepunkt des NTM gilt. Das alle zwei Jahre stattfindende Festival „Internationale Schillertage“ feiert diese Tradition. Dennoch ist das NTM umstritten; 2017 forderte der Stadtrat Ferrat die Schließung des „Ortes der Dekadenz“.
Museen zeigen zeitgenössische Kunst und technische Entwicklungen
Knapp 500 Meter entfernt steht die Kunsthalle Mannheim, die seit 100 Jahren das kulturelle Leben der Stadt prägt. Das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst bietet eine beeindruckende Sammlung von Gemälden und Skulpturen. Besonders sehenswert ist das architektonische Meisterwerk, das aus zwei Gebäudekomplexen besteht: dem lichtdurchfluteten Neubau, dem Hector-Bau, und dem prachtvollen Jugendstil-Bau von 1907. Wechselnde Ausstellungen machen jeden Besuch besonders.
Neben der Kunsthalle sind auch die Reiss-Engelhorn-Museen (rem) und das TECHNOSEUM bedeutende kulturelle Institutionen. Das rem in der Innenstadt umfasst vier Ausstellungshäuser und ist besonders stolz auf sein archäologisches Ausstellungshaus, eines der bedeutendsten in Europa. Am anderen Ende der Stadt beleuchtet das TECHNOSEUM moderne Technologie und vermittelt durch interaktive Exponate ein Verständnis für technische Entwicklungen von der Industrialisierung bis heute.
Mannheim ist „UNESCO City of Music“
Mannheims kulturelles Highlight ist die Musik, die im Jahr 2014 von der UNESCO gewürdigt wurde. Seitdem trägt die Stadt den Titel „UNESCO City of Music“. Ausschlaggebend für die Nominierung sind die hervorragenden Bedingungen für Musiker, die durch die Popakademie, den Musikpark Mannheim und ein Clustermanagement für Musikwirtschaft gefördert werden.
Das Musikangebot in Mannheim reicht von kleinen Clubs wie dem Capitol und der Alten Feuerwache bis hin zu großen Hallen wie der SAP Arena und der Maimarkthalle. Neben den bekannten Locations bereichern zahlreiche Konzerte und Festivals, auch abseits des Mainstreams, das Nachtleben der Quadratestadt, sodass in Mannheim fast immer gute Musik zu hören ist.
Adler, Löwen, SVW: Mannheims Sportmannschaften
Mannheim ist sportlich gut aufgestellt, vor allem im Eishockey, Handball und Fußball. Die Adler Mannheim, Rhein-Neckar Löwen und der SV Waldhof sind die sportlichen Aushängeschilder der Stadt. Zudem feierte der SV Waldhof 2019 den Aufstieg in die 3. Fußballbundesliga und begeistert seine Fans im Carl-Benz-Stadion mit einer stimmungsvollen Fankurve, die für Nervenkitzel sorgt. Graffitis der Blau-Schwarzen zieren die Stadt und ehren den ehemaligen Nationalspieler Otto Siffling.
Die Adler Mannheim, 1994 Gründungsmitglied der Deutschen Eishockey Liga, haben insgesamt acht Deutsche Meisterschaften gewonnen, zuletzt 2019. Bei jedem Spiel strömen bis zu 13.600 Fans in die SAP Arena, um ihr Team zu unterstützen. Wenn die Adler nicht spielen, sind die Rhein-Neckar Löwen in der SAP Arena aktiv. Die Handballmannschaft gehört seit 2005 zur ersten Bundesliga, ist zweifacher Deutscher Meister und hat zahlreiche namhafte Spieler wie Uwe Gensheimer und Oliver Roggisch hervorgebracht.
Unnützes Wissen über Mannheim: Spaghettieis und Nagetiere
Mannheim ist einzigartig, sowohl in seinen charmanten als auch in seinen skurrilen Eigenheiten. Die Stadt sorgt oft für Lacher, aber auch für Kopfschütteln. Ein bekanntes Phänomen sind die zahlreichen Ratten, von denen es laut Schädlingsbekämpfern mehr als Einwohner gibt. Besonders am Paradeplatz, Wasserturm und Swanseaplatz sind diese 40 Zentimeter langen Nagetiere häufig anzutreffen, oft sogar tagsüber.
Doch Mannheim hat auch kulinarisch viel zu bieten. Legenden zufolge wurde hier 1969 das Spaghettieis von Eisfabrikant Dario Fontanella erfunden, indem er Vanilleeis durch eine Spätzlepresse drückte und mit Erdbeersoße sowie geraspelter weißer Schokolade garnierte. Die Eisdiele Fontanella bleibt ein beliebter Anlaufpunkt für viele Mannheimer, besonders im Sommer, und überrascht regelmäßig mit neuen, kreativen Eissorten.
Unnützes Wissen über Mannheim: Auto-Poser und Diss-Track
In den Sommermonaten zeigt sich in den Planken ein weiteres Phänomen: das „Poser-Problem“. Junge Männer rasen in auffälligen Autos durch die Quadrate, lassen ihre Motoren aufheulen und veranstalten illegale Rennen. Dies führt häufig zu Unfällen und großen Lärmbelästigungen für Anwohner und Passanten. 2016 erklärte die Polizei Mannheim den Posern den Krieg und wurde sogar im nationalen Fernsehen bekannt, als sie ihre Erfahrungen in einem Buch veröffentlichten.
Mannheim als Musikstadt wurde 2014 von der UNESCO anerkannt, aber Ex-Stadtrat Ferrat sorgte für Aufsehen, als er im Wahlkampf mit eigenen Gangster-Rap-Videos provozierte. In seinen Songs kritisierte er den Ex-Oberbürgermeister Peter Kurz und die „Sex-Steuer“, erzielte jedoch weder politischen noch musikalischen Erfolg. Seine „Mannheimer Volkspartei“ wurde 2019 nicht gewählt, und für einen beleidigenden Disstrack gegen Kurz musste Ferrat eine Strafe von 3.000 Euro zahlen.
Infos im Überblick
Mit 320.080 Einwohner ist Mannheim die drittgrößte Stadt in Baden-Württemberg.
Insgesamt wurde Mannheim drei Mal in seiner 400-jährigen Geschichte vollständig zerstört.
Mannheim hat viele Sehenswürdigkeiten und ein breitgefächertes Kulturangebot.
Mannheim: Stadt zwischen Neckar und Rhein
Mannheim ist eine Stadt voller Gegensätze, und genau das verleiht ihr ihren besonderen Reiz und Lebensqualität. Dreimal wurde Mannheim in der Geschichte zerstört, doch die Bewohner haben sich stets unermüdlich um den Wiederaufbau ihrer Stadt bemüht. Diese Industriestadt wird sowohl von hart arbeitenden Menschen als auch von kreativen Köpfen geschätzt und geliebt. Die Weltoffenheit Mannheims fördert den kreativen Geist und den Erfinderdrang, die zwischen Neckar und Rhein blühen.
Rubriklistenbild: © HEIDELBERG24/Christian Hoffmann







