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Der Stuttgarter Autozulieferer Mahle will im Rahmen seiner neuen Strategie das Geschäft mit Thermostaten verkaufen. Was wird aus den rund 600 Mitarbeitern?
Stuttgart - Autozulieferer Mahle mit Stammsitz in Stuttgart befindet sich mitten in der Transformation zur E-Mobilität und hat vor einigen Tagen eine neue Konzernstrategie vorgestellt. Diese fokussiert sich vorrangig auf Elektrifizierung und Thermomanagement.„Die E-Mobilität ist gesetzt, deshalb sind Elektrifizierung und Thermomanagement die Strategiefelder unseres Konzerns“, hatte eine Sprecherin des Traditionsunternehmens gegenüber BW24 erklärt. Mahle setzt demnach auf die E-Mobilität, will aber ein „zuverlässiger Lieferant für Verbrennungsmotoren bleiben.“
Obwohl die Schwaben mit dem Thermomanagement besonderes Augenmaß auf die Klimatisierung von Fahrzeugen legen, will Mahle nach eigenen Angaben die Thermostat-Sparte verkaufen. Der Konzern habe „entschieden, seinen Produktbereich Thermostate zu veräußern, da dieser künftig kein strategisches Mahle-Geschäftsfeld darstellt“, heißt es in einer Pressemitteilung. Ein Abnehmer ist offenbar bereits gefunden, die Frage ist jedoch, was mit den Mitarbeitern des Geschäftsfeldes geschieht.
Mahle will Thermostat-Geschäft verkaufen – auch Entwicklungsbereich in Stuttgart betroffen
Dass Mahle den Geschäftsbereich Thermostat zum Verkauf stellt, überrascht eigentlich wenig. Mit dem Thermomanagement produziert der Konzern vorrangig Lösungen für elektrische und teilelektrische Fahrzeuge, während die Thermostate die Kühlwassertemperatur von Verbrennungsmotoren regeln. Mahle sagt dem Verbrenner zwar nicht ab und setzt auf E-Fuels, erhofft sich von der E-Mobilität aber ein dreifach höheres Umsatzpotenzial. Deshalb – und wohl auch aus Kostengründen – hat der Konzern beschlossen, die Sparte zu verkaufen.
| Name | Mahle GmbH |
|---|---|
| Gründung | 1. Dezember 1920 |
| Hauptsitz | Stuttgart, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer |
| Produkte | Motorenkomponenten, Filtersysteme, Klimatisierung, Elektrifizierungstechnik, Thermomanagement, Kolbentechnik, Ventilsteuerung, Motorsteuerung, Antriebsstrangtechnik, Prüfsysteme |
| Leitung | Arnd Franz (CEO) |
| Mitarbeiter | 71.947 (2022) |
| Umsatz | 12,4 Milliarden Euro (2022) |
Laut Mitteilung betrifft der Verkauf der Thermostate-Sparte von Mahle konkret die Standorte in Quingdao (China), Berga (Deutschland), Querétaro (Mexiko) und der Entwicklungsbereich für Thermostate am Hauptsitz in Stuttgart. In Mühlacker (Baden-Württemberg), Busan (Südkorea), Gruglasco (Italien) und Holýsov (Tschechische Republik) sollen dagegen nur die Produktionsbereiche für Thermostate betroffen sein, während die anderen in Konzernhand bleiben. Dem Unternehmen zufolge ist ein Abnehmer bereits gefunden, da die Industrie- und Beteiligungsholding ADMETOS beabsichtigt, die Entwicklung und Produktion zu übernehmen.
Mahle-Geschäftsbereich: Käufer will Produktion und Entwicklung inklusive der Mitarbeiter übernehmen
Im Zuge der schwierigen Transformation zur E-Mobilität geht auch bei Mahle eine nicht unbegründete Angst vor einem Stellenabbau um. Mahle-Chef Arnd Franz erklärte, dass nicht alle deutschen Standorte den Wandel überstehen werden. Der Mitteilung zufolge plant ADMETOS mit Stammsitz im bayerischen Starnberg aber auch die rund 600 Mitarbeiter der Mahle-Sparte zu übernehmen. „Wir planen, das Thermostatgeschäft auszubauen“, erklären die Geschäftsführer. „Wir sehen weiteres Potential bei industriellen Anwendungen und Wachstumschancen durch Portfolioerweiterungen auch außerhalb des Mobilitätssektors.“
„Mit ADMETOS haben wir einen Käufer, der seine Aufmerksamkeit und Energie auf das Thermostatgeschäft richtet und zielgerichtet außerhalb des Mahle-Konzerns in die Zukunft führt“, sagte Jumana Al-Sibai, für das Thermomanagement verantwortliches Mitglied der Konzern-Geschäftsführung. Die Notwendigkeit, weniger zukunftsfähige Geschäftsbereiche zu verkaufen, sehen auch andere Zulieferer in der Autoindustrie. Die ZF prüft den Verkauf ganzer Sparten, wovon auch ein Standort nahe Stuttgart betroffen sein könnte.
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