ElringKlinger trotzt den Problemen

Statt Stellenabbau: Schwäbischer Autozulieferer sucht Mitarbeiter, um „Wandel in der Branche mitzugestalten“

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Autozulieferer ElringKlinger ist gut für den Wandel gewappnet. Statt Stellen abzubauen, sucht das Unternehmen Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen.

Dettingen an der Erms - Die Autoindustrie befindet sich aktuell mitten in der Transformation zur E-Mobilität, was gerade für die Zulieferer eine große Herausforderung darstellt. Die Betriebsratschefs von Bosch, ZF und Mahle haben bereits in Berlin um Staatshilfen gebeten, da der Wandel selbst für das wirtschaftsstarke Baden-Württemberg nicht ohne Weiteres zu stemmen ist. Wie groß die aktuellen Probleme sind, zeigen auch mehrere Hiobsbotschaften aus der Industrie. Autozulieferer Allgaier hat beispielsweise Insolvenz angemeldet und viele Unternehmen verlagern Arbeitsplätze aus Kostengründen ins europäische Ausland.

Der Autozulieferer ElringKlinger sieht solche Botschaften allerdings nicht in der Breite gegeben. „Solche Meldungen sind meist bezogen auf bestimmte Hersteller“, erklärt Konzernsprecher Peter Renz auf Anfrage von BW24. „Wir als ElringKlinger sind global aufgestellt und profitieren von Neuansiedlungen von Automobil- und Batterieherstellern in Europa genauso wie von dem Marktwachstum in Nordamerika und Europa.“ Der Konzern mit Stammsitz in Dettingen an der Erms bei Reutlingen plant deshalb auch keinen Stellenabbau, wie derzeit viele andere Unternehmen, sondern ist aktiv auf der Suche nach Fachkräften für den Wandel.

ElringKlinger: Autozulieferer sucht Mitarbeiter für den Wandel der Branche

ElringKlinger hatte, wie auch Mahle, positiv auf die Ausnahmeregelung für E-Fuels reagiert, mit denen Verbrennungsmotoren klimaneutral angetrieben werden können. Neben dem klassischen Antrieb hat der Zulieferer aus Baden-Württemberg aber bereits früh auch Zukunftsfelder erschlossen. „Seit über 20 Jahren sind wir beispielsweise im Bereich der Brennstoffzelle und seit über 10 Jahren in der Batterietechnologie aktiv und haben dort schon volumenstarke Serienaufträge gewinnen können“, erklärt Peter Renz unserer Redaktion. „Darüber hinaus verfügen wir über eine erstklassige Marktstellung in den klassischen Geschäftsfeldern.“ Die Transformation benötige jedoch neue Lieferketten und die Märkte hätten sich nach der Corona-Krise noch nicht vollständig erholt.

Name ElringKlinger AG
Gründung 1879 in Stuttgart
Hauptsitz Dettingen an der Erms, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer
Produkte Dichtungstechnik, Leichtbaukomponenten, Batterien
Leitung Stefan Wolf (Vorstandsvorsitzender)
Mitarbeiter 9.724 (2022)
Umsatz 1,8 Milliarden Euro (2022)

Zudem haben die Folgen des Ukraine-Krieges, vorrangig die gestiegenen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal, auch die Herausforderung der Transformation verschärft. „Insgesamt resultiert ein höheres Kostenniveau, das wir im Konzern aber sehr diszipliniert steuern“, so der Sprecher. Für die Personalsituation sei die Transformation eine sehr viel größere Herausforderung, der Autozulieferer sei jedoch so gut aufgestellt, dass der Wandel als Wachstumschance genutzt werden könne. Dafür benötige ElringKlinger aber mehr Personal. „Die Folge ist, dass wir derzeit keinen Stellenabbau planen“, macht Renz gegenüber BW24 deutlich. „Vielmehr suchen wir für viele Bereiche neue Mitarbeitende, mit denen wir die Transformation gemeinsam gestalten möchten.“

Eine Auswahl an offenen Stellen bei ElringKlinger an Standorten in Baden-Württemberg (Stand: 21. Juli 2023):

Stelle Standort
Change Manager (m/w/d) im Bereich Batterietechnologie & E-MobilitätNeuffen (Kreis Esslingen), Baden-Württemberg
Production Engineer (m/w/d) Arbeitsvorbereitung im Bereich BatterietechnologieNeuffen (Kreis Esslingen), Baden-Württemberg
Prozessingenieur (m/w/d) im Bereich Industrial Engineering Heidenheim (Kreis Heidenheim), Baden-Württemberg
Versuchsingenieur (m/w/d) Battery System Testing im Bereich der E-Mobilität Neuffen (Kreis Esslingen), Baden-Würtemberg
Project Engineer (m/w/d) Industrial Engineering Dettingen an der Erms (Kreis Reutlingen), Baden-Württemberg
Qualitätsingenieur (m/w/d) im Bereich Batterietechnologie & E-Mobilität Neuffen (Kreis Esslingen), Baden-Württemberg
Global Supply Chain Project Manager (m/w/d) Dettingen an der Erms (Kreis Reutlingen), Baden-Württemberg
Administrator (m/w/d) Project Management für die Business Unit Drivetrain Neuffen (Kreis Esslingen), Baden-Württemberg
Bachelorand/Masterand (m/w/d) Laborvorausentwicklung Brennstoffzelle (Wintersemester 2023/2024)Dettingen an der Erms (Kreis Reutlingen), Baden-Württemberg

(Quelle: elringklinger.de/de/karriere/stellenangebote)

ElringKlinger ist trotz schwierigem Marktumfeld bereit „den Wandel in unserer Branche mitzugestalten“

Während viele Autozulieferer derzeit zu kämpfen haben, konnte ElringKlinger den Konzernumsatz im zweiten Quartal 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 8,8 Prozent steigern. In den Monaten April bis Juni lag der Umsatz des Unternehmens bei 468,7 Millionen Euro. „Unsere Zahlen des zweiten Quartals des laufenden Jahres zeigen, dass wir hier erfolgreich sind“, sagt auch Sprecher Peter Renz. Im zweiten Halbjahr werde sich jedoch die tarifliche Lohnerhöhung bemerkbar machen. In der Elektro- und Metallindustrie wurde Anfang Juni eine tarifliche Erhöhung um 5,2 Prozent festgelegt. ElringKlinger dürfe trotz guter Quartalszahlen deshalb bei der Kostendisziplin nicht nachlassen.

Autozulieferer ElringKlinger sucht für die Transformation zur E-Mobilität Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen.

Als international agierender Autozulieferer profitiert ElringKlinger beispielsweise auch von der Ansiedlung chinesischer Autohersteller wie Nio oder BYD in Europa, in China selbst wird jedoch eine Stagnation in den kommenden Monaten erwartet. „Doch durch unser transformiertes Produktportfolio sind wir in Asien trotzdem erfolgreich unterwegs“, zeigt sich Renz für den wichtigsten Automarkt der Welt zuversichtlich. „Das gilt es für die Zukunft zu sichern. Insgesamt sind wir gut aufgestellt und bereit, den Wandel in unserer Branche mitzugestalten.“ Auch eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung kam jüngst zum Ergebnis, dass die Autoindustrie in Baden-Württemberg, trotz der großen Herausforderungen, gut für die Transformation gerüstet sei.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa & ElringKlinger AG (Fotomontage: BW24)

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